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Herr Baur, verspüren Sie Genugtuung nach dem Rücktritt von Monika Stocker?
- Genugtuung ist das falsche Wort. Ich habe Monika Stocker sicher immer wieder sehr scharf kritisiert, aber immer auf einer politischer Ebene, nie ging es um persönliche Belange. Ich wehre mich deshalb in aller Form gegen Stimmen, die nun behaupten, die "Weltwoche" hätte Schläge unter der Gürtellinie ausgeteilt. Es ging mir stets nur um die Sache, auch wenn Frau Stocker die Kritik offenbar als persönlichen Angriff empfand und reflexartig abwehrte. Ich hoffe, dass es nun zu einem echten Neuanfang im Zürcher Sozialamt kommt.
Frau Stocker war zuletzt auch gesundheitlich angeschlagen. Hat die "Weltwoche" mit Ihrer Kampagne den Bogen nicht überspannt?
- Eine Politikerin muss Kritik ertragen können. Wenn sie die Auseinandersetzung gesundheitlich nicht verkraftet, ist sie offensichtlich die falsche Frau am falschen Ort. Stocker hatte ja stets die Möglichkeit, sich zu wehren, zahlreiche Medien, die eine weit grössere Reichweite haben als die "Weltwoche", haben ihr grosszügig eine Plattform gegeben. Auch wir haben ihr immer wieder angeboten, im Blatt Stellung zu nehmen. Während über einen halben Jahr hat sie jedes Gespräch mit uns verweigert und es vorgezogen, bei ihr genehmen Journalisten Stellung zu nehmen. Das ist ihr Recht, nur kann sie uns dann nicht fehlende Fairness vorwerfen.
Warum haben Sie sich eigentlich so auf Frau Stocker eingeschossen. Stand von Beginn weg das Ziel, die Zürcher Sozialvorsteherin zu Fall zu bringen?
- Hätte das Sozialamt nicht so unbedarft mit Diskussionsverweigerung reagiert, wäre es kaum zu einer Artikel-Serie -- meinetwegen Kampagne -- der "Weltwoche" gekommen. Jedenfalls war etwas derartiges nicht geplant. Stockers Hauptproblem war, dass sie lange Zeit die Kritik ignoriert hat, sowohl solche von aussen, als auch -- und das ist vielleicht noch gravierender -- von innen, von ihrer eigenen Basis. Sie hat sich damit selber ins Abseits manövriert.
Haben Sie selbst mit Stocker das Gespräch gesucht?
- Selbstverständlich. Wir hatten vor dem ersten Artikel sogar ein grosses Interview vereinbart, in dem sie hätte Stellung beziehen können. Sie zog die Zusage leider zurück, nachdem ich ihr meine Recherchen offen gelegt hatte. Roger Köppel bot ihr mehrmals an, einen eigenen Beitrag zu schreiben, in dem sie unzensiert hätte Stellung beziehen können. Doch Monika Stocker verlegte sich darauf, gegenüber anderen Journalisten Vorwürfe zu dementieren, die ich gar nie erhoben hatte. So entstand eine "Missbrauchs"-Debatte, die wenig mit unseren Recherchen und Thesen zu tun hatte. Zugleich wurde Monika Stocker nicht müde, mir und auch anderen Kritikern zu unterstellen, wir wollten die Sozialhilfe abschaffen, was schlicht absurd ist. Letztlich hat sie mich damit immer wieder von neuem angespornt, dranzubleiben. Für Menschen, die mit moralischen Erpressungen arbeiten, bin ich ein Schwererziehbarer.
Gab es auch Momente, in denen Ihnen der Rummel über den Kopf wuchs?
- Ich hatte im vergangenen Herbst die Nase voll und mir vorgenommen, nie mehr über Sozialhilfe zu schreiben. Nach einer dreimonatigen Auszeit in Südamerika kam ich am 6. Januar zurück. Kaum war ich dem Flugzeug entstiegen, hatte ich schon den GPK-Bericht auf dem Tisch. Und rieb mir die Augen über die Untersuchungsergebnisse. Deshalb habe ich das Thema noch einmal aufgegriffen. Ich bin also keineswegs festgefahren auf die Sozialhilfe.
Ihnen werfen linke Politiker vor, die Sozialdebatte auf den Missbrauch reduziert zu haben. Wegen der "Weltwoche" hätten populistische Argumente mehr Gewicht erhalten.
- Ich stelle immer wieder fest, dass Leute über die "Weltwoche" herziehen, welche meine Artikel offensichtlich nicht gelesen haben. Missbrauch stand nämlich nie im Zentrum unserer Berichterstattung. Es ging uns nie um die kleinen Figuren, die das System ausnutzen, sondern immer nur um das System, das es für eine relativ breite Schicht, vornehmlich Immigranten, rentabler macht, von der Sozialhilfe zu leben statt zu arbeiten. So bleiben die Menschen im System gefangen. Wir haben unsere Thesen auch immer anhand konkreter Beispiele veranschaulicht. Ich weiss nicht, was daran populistisch oder gar hetzerisch sein soll. Richtig ist, dass wir Tabubereiche vorgestossen sind -- extrem unangenehme Themen wie der eklatant hohe Ausländeranteil, Sanktionen oder die Frage des realen Existenzminimums, über die man bis anhin nicht redete.
Ihnen geht mit dem Rücktritt das Thema aus, das Ihnen persönlich und der "Weltwoche" zu viel Publizität verholfen hat. Werden Sie sich nun ein neues Opfer aussuchen?
- Ich arbeite seit über 20 Jahren auf meinem Beruf, ich hatte nie Mühe, Themen zu finden, und ich hoffe, das bleibt so. Ich habe auch im vergangenen Jahr nicht nur über die Sozialhilfe geschrieben, sondern auch über vieles mehr. Wer mich kennt, weiss im übrigen, dass Reportagen eigentlich meine Stärke sind.
(Interview: David Vonplon)
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[06.02.2008 - 5.17 Uhr]
Beni
wie sagte doch dauernd die liebe Monika, man muss auf Augenhöhe den Klienten begegnen.
Sie aber hat nicht einmal bei ihr genehmen Journalisten zugehört, sie hat einfach ohne hinzuhören drauflos geredet um ihre Meinung los zu werden, grauenhaft war das.
Aber wenn nun das grüne Ruthli kommt, dann wirds sicher auch nicht besser werden.
An dieser Amtsstelle brauchts eine Person die den Mann steht und den Tatsachen entgegen sieht, kein Weichei mit weiblicher Gefühlsfummelei. |
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[06.02.2008 - 7.14 Uhr]
Christian
Die Ruth, die Frank A. Meyer wegen Rassismus angeklagt hat, weil er sich im Sonntags Blick über den Islam Gedanken gemacht hat... Du meine Güte! Irgendwer muss doch mal das Ende des Tolerantismus einläuten. Ist doch schon seltsam wie sich die Linke mal auf den Enthüllungsjournalismus abboniert hat und jetzt die Weltwoche für das Elend von Frau Stocker verantwortlich macht. Einerseits rührend und herzig, andererseits arrogant und absolutistisch, wie man das sich ja schon von der dämlichen omnipräsenten Antiblocherei gewohnt ist. |
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[06.02.2008 - 8.26 Uhr]
Merkli Urs-Werner
Ich finde es eine Sauerei, die Vorgehensweise von Alex Baur. Fälle von Missbrauch kommen einfach sehr wenig vor und sind nie ganz zu eliminieren. Ich habe den Eindruck, Frau Stocker war eine kompetente Leiterin dieses schwierigen Amtes. Die Herren Loosli und Gaydoul müssen auch nicht zurücktreten, nur weil in deren Läden vielleicht 10% gestohlen wird ... |
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[06.02.2008 - 8.55 Uhr]
Reber Urs
Nun freue ich mich auf einen Artikel in der Weltwoche über Missbrauch bei den Subventionen bzw. Direktzahlungen an die Bauern. Bei den Agrar-Sozialhilfe-Fällen der SVP gibt es genauso viel Missbrauch und schwarze Schafe wie bei anderen Sozialfällen. |
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[06.02.2008 - 9.34 Uhr]
Holzwart Robert
Er soll doch einfach zugeben, dass es eine persönliche Kampagne war. Das ist ein gebräuchliches Mittel der Medien. Jeder Sozialamtmitarbeiter wird im "off the record" sagen, dass es über soviel Missbrauch gibt, wie im Departement-Stocker. Zudem gibt es Betrug unter Subventionsbezügern, Stiftungen in Lichtenstein etc. So hat ein ehemaliger Verleger der Wewo, per axgüsi vergessen, dass man ab 400 000 keine krankenkassenverbilligung für die Kinder beziehen sollte. Ich warte auf mehr Enthüllungen.... |
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[06.02.2008 - 19.22 Uhr]
Christiane
Ich liebe den Baur. Es ging nie darum, die Sozialhilfe in Frage zu stellen, sondern darum, den Missbrauch aufzudecken. Seit wann ist es verachtenswert, Missbrauch zu bekämpfen? Das tun die Herren Loosli und Gaydoul ja auch, zum Beispiel mit Laden-Detektiven. Ich wurde sogar mal fälschlicherweise untersucht - na und? Schliesslich hatte ich nichts gestohlen. Allerdings habe ich nachher dafür einen Gutschein bekommen... :o) Aber Schade ist es auch, dass Frau Stocker nicht mehr da ist, ich hatte mir schon überlegt, nach Zürich zu ziehen und mich beim Sozialamt zu melden. ;o) |
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