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Die NZZ-Gruppe hat vergangenen Mittwoch ein erfreuliches Jahresergebnis präsentieren können. Weniger Freude dürfte man im Medienhaus an den neuesten Leserzahlen der WEMF haben. Konnte die NZZ bei der letzten Messung sowohl unter der Woche als auch am Sonntag zulegen, sieht es nun weniger rosig aus. Laut MACH Basic 2008-1 haben "Neue Zürcher Zeitung", "NZZ am Sonntag" und das "NZZ Folio" an Reichweite verloren -- NZZaS und Folio sogar signifikant. Markus Spillmann, Leiter Publizistik der NZZ-Gruppe, wollte die Zahlen nicht im Detail kommentieren und meinte auf Anfrage von "persoenlich.com": "Entscheidend für uns ist die Herbst-Bewertung, der wir mit Optimismus entgegenblicken."
Bei Tamedia dürfte man die Leserzahlen etwas beruhigter studieren. Die Bezahltitel haben ihre Leserzahlen in etwa halten können und die Pendlerzeitung "20 Minuten hat wiederum zugelegt. "Die Leserschaftszahlen von '20 Minuten' sind eine enorme Leistung", beurteilt Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer diese Entwicklung, "vor einigen Jahren hätte das niemand einer Tageszeitung zugetraut." Bei Tamedia geht man davon aus, dass das Leserschaftswachstum der Pendlerzeitung in der Deutschschweiz in den nächsten Jahren weitergehen wird -- wenn auch weniger stark.
Noch besser ist es für die Pendlerzeitung in der Romandie gelaufen, wo "20 minutes" enorm an Reichweite gewonnen hat. "In der Westschweiz ist '20 minutes' innerhalb von nur zwei Jahren zur zweitstärksten Tageszeitung aufgestiegen", so Zimmer. Auch in der Westschweiz rechne man mit einem weiteren Wachstum. Allerdings steht der Konkurrenztitel "Le Matin bleu" in der Romandie "20 minutes" in nichts nach. Auch die Gratiszeitung aus dem Hause Edipresse hat um weit über 100'000 Leser zulegen können und liegt damit immer noch vor "20 minutes". Allerdings scheint dieser Erfolg auf Kosten der Bezahlzeitung "Le Matin" zu gehen, die erneut an Reichweite verloren hat.
'SonntagsBlick' als Sorgenkind bei Ringier
Bei Ringier dürfte man sich im Hinblick auf den angekündigten Start des "Blick am Abend" über die Entwicklung bei der Gratiszeitung "heute" freuen. Die Tendenz zeigt klar nach oben. "Wir gehen davon aus, dass viele 'heute'-Leser auch den 'Blick am Abend' schätzen lernen und folglich lesen werden", erklärt Konzernsprecher Marco Castellaneta gegenüber "persoenlich.com".
Der "Blick" selbst hat wiederum Leser verloren. "Der leichte Rückgang ist nicht markant, und liegt innerhalb des Vertrauensbereich", so Castellaneta. "Er geht auf die gesunkene Auflage zurück und ist teilweise auch auf die späteren Öffnungszeiten der Valora-Verkaufsstellen zurückzuführen." Man habe Massnahmen ergriffen, um die Erhältlichkeit des "Blick" zu erhöhen -- beispielsweise durch das Aufstellen von mehr Automaten.
Schlimmer sieht es aber beim "SonntagsBlick" aus, der im Vergleich zur letzten Messung signifikant an Leser verloren hat und nun deutlich von der Million entfernt ist. Im erhobenen Zeitraum fand auch ein Chefredaktorenwechsel statt. "Nach dem Relaunch mit einem Neukonzept im September ist die Entwicklung erfreulich, ist der 'SonntagsBlick' doch mit sehr guten Resultaten auf Kurs -- bezüglich der nächsten Erhebung sind wir darum sehr zuversichtlich", erklärt Castellaneta.
Für "Cash daily" liegen die Leserzahlen erstmals vor. Im Vergleich zu Wirtschaftstiteln wie "Handelszeitung" und "Finanz und Wirtschaft" liegt die Gratiszeitung zurück, trotzdem gibt man sich bei Ringier zufrieden. "Etablierte Titel kann man nicht einfach mit einem neuen Titel vergleichen", meint Castellaneta. Aufgrund des langsamen WEMF-Forschungsrhythmusses und der Tatsache, dass Ringier mit "Cash daily" ein Special Interest Produkt anbiete, würden die effektiven Zahlen erst nach drei kompletten Jahren in der MACH sichtbar.
Sonntagspresse und TV-Zeitschriften verlieren Leser
Losgelöst von den Medienhäusern zeigt sich, dass sämtliche Sonntagstitel an Reichweite verloren haben -- "SonntagsZeitung" und "Le Matin Dimanche" weniger, "NZZaS" und "SonntagsBlick" mehr. Ein Ausdruck dafür, dass der Sonntagsmarkt seinen Zenit erreicht hat? "Wir gehen davon aus, dass sich die Leserzahlen der 'SonntagsZeitung' langfristig stabil entwickeln“, erklärt Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer. Für eine Analyse, welche Auswirkungen die verschiedenen neuen Konkurrenten auf den Sonntagsmarkt haben, sei es noch zu früh. Bei Ringier hat man festgestellt, dass der Sonntagsmarkt tatsächlich härter umkämpft ist, was laut Konzernsprecher Marco Castellaneta auch der "Sonntagsblick" zu spüren bekomme.
Bei einer weiteren Pressegattung ist ein Reichweitenverlust über alle Titel festzustellen. Sowohl sämtliche Programmzeitschriften von Axel Springer Schweiz wie auch "TV täglich" von Tamedia haben zum Teil deutlich an Lesern verloren. Jörg Tobuschat, Verlagsgeschäftsführer TV-Zeitschriften bei Axel Springer räumt gegenüber "persoenlich.com" ein, dass die TV-Zeitschriften im Vergleich zur MACH im vergangenen Herbst, 80'000 Leser verloren haben.
Zum einen erklärt sich dies Tobuschat mit den zurückgegangenen Auflagen -- insbesondere bei "Tele". Er nennt aber auch andere Gründe: "In dem besagten Zeitraum hat Ringier keinerlei Anstrengungen mehr unternommen, um die Marken zu unterstützen." Dies finde nun auch seinen Niederschlag in den Leserzahlen. Zudem leide "TVStar" nach wie vor unter dem Namenswechsel. Tobuschat: "In der Erhebung gehen uns all jene Leser verloren, die der Meinung sind, ihre Programmzeitschrift heisse 'TR7', was tatsächlich immer noch -- und leider viel zu häufig -- der Fall ist."
'Handelszeitung' wird von Übernahme der 'Cash'-Abonnenten profitieren
Im Gegensatz zu den Programmzeitschriften hat bei Axel Springer die "Handelszeitung" Leser hinzugewinnen können. Hat die Wirtschaftszeitung vom Aus von Konkurrentin "Cash" profitiert? "Da die 'Handelszeitung' erst nach dem Erhebungszeitraum (25. September 2006 bis 23. September 2007) einen Grossteil der früheren Abonnenten von 'Cash' übernommen hat, wird sich diese Situation erst in der Publikation vom September 2008 auf die Leserschaft auswirken“, erklärt Patrizia Serra, Leitung Marketing/Vertrieb auf Anfrage von "persoenlich.com". Aufgrund dessen sei dieser Zuwachs auf eine natürliche Entwicklung basierend auf Marketing-Massnahmen zurückzuführen.
Bei den Zeitschriften zeigt sich, dass die "Weltwoche" zwar nicht weiter zulegen, aber den Stand MACH Basic 2007-2 halten konnte. Die "Annabelle" hat wiederum Leser hinzugewonnen, ebenso die "SI Style". Dafür haben die "Schweizer Illustrierte" und die "Schweizer Familie" an Reichweite eingebüsst. Reichweitenstärkster Titel bleibt die "Coop-Zeitung" vor dem "Migros-Magazin".
(Text: Stefan Wyss)
Die Reichweiten im Überblick
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