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Der "Tages-Anzeiger" ist im Online-Medium ein Nachzügler -- bislang kochte die zweitgrösste tägliche Kaufzeitung des Landes im Internet auf kleinem Feuer: Während bei "20 Minuten" mehr als vierzig Personen um den Online-Auftritt besorgt sind, zählt die Internet-Redaktion des "Tages-Anzeiger" heute keine 10 Vollzeitstellen. Das reicht laut Res Strehle, stellvertretender Chefredaktor des "Tages-Anzeiger", zu nicht viel mehr, als Agenturmeldungen ins Netz zu stellen und diese etwas aufzubereiten. Kaum anders sieht die Situation in Basel und Bern aus, wo die "Basler Zeitung" respektive die Espace-Titel "Der Bund" und die "Berner Zeitung" bislang nicht mehr als fünf Stellen für den Online-Auftritt vorsahen.
Das neue News-Netzwerk katapultiert diese Tageszeitungen im Online-Medium in eine neue Zeitrechnung: Alleine die Mantelredaktion in Zürich wird laut den jüngsten Angaben von Strehle mindestens 30 Vollzeitstellen umfassen. Hinzu kommen in den Regionalredaktionen in Bern, Basel und Zürich jeweils 5 bis 6 weitere Stellen. "Wir werden damit zu einem grossen Teil Eigenleistungen im Netz anbieten können", so Strehle. Er freut sich auf den Starttermin im August. "Endlich erhalten wir einen Online-Auftritt, welcher der Stärke unserer Tageszeitung entspricht." Strehle sieht durchaus auch Vorteile darin, dass der "Tages-Anzeiger" als Nachzügler im grossen Stil ins Online-Business einsteigt: "Weil wir spät dran sind, können wir aus den Fehlern von anderen lernen."
Das neue Online-News-Netzwerk startet mit dem "Tages-Anzeiger", der "Basler Zeitung" und den beiden "Espace-Titeln " Bund" und "Berner Zeitung". In einer zweiten Phase sollen dann nicht nur der "Landbote" und die "Thurgauer Zeitung", sondern auch die "SonntagsZeitung", TeleZüri und Radio 24 an den News-Verbund angeschlossen werden -- dazu kommen voraussichtlich die elektronischen Partnermedien in Bern und Basel. Keine Anbindung ans News-Netzwerk erhalten dagegen die Tamedia-Zeitschriften "Das Magazin", "Annabelle" und "Schweizer Familie", wie auch die Gratiszeitung "20 Minuten".
Mit der Lancierung des neuen News-Netzwerks bleiben die bestehenden Marken der Tageszeitungen im Internet bestehen. Einen Auftritt unter einer neuen, einheitlichen Marke wird es nicht geben. Jedoch sollen die einzelnen Partnerwebsites nach aussen als Teil eines übergeordneten Ganzen erkennbar sein. Der publizistische Schwerpunkt des Netzwerks liegt auf regionalen Inhalten -- wenn auch nicht in einem Masse, wie dies etwa die deutsche WAZ-Gruppe mit "Der Westen" vormacht. Den einzelnen Websites bleibt es dabei selbst überlassen, welche redaktionelle Gewichtung sie vornehmen: "Die 'Thurgauer Zeitung' wird auch künftig die regionalen News vor der In- und Ausland-Berichterstattung bringen können", so Strehle.
Der "Tages-Anzeiger" verfolgt mit dem neuen Online-Auftritt einen so genannten "Total Audience"-Ansatz, d. h. er zielt im Internet auf das Gesamtpublikum ab. Sämtliche Artikel im Netz sind kostenlos zugänglich, so auch die Archiv-Funktion. Er nimmt damit allfällige, daraus resultierende Auflageneinbussen in Kauf. Diese sollen mit dem Reichweitenplus im Online-Medium kompensiert werden, so die Hoffnung. Als Kapitulation des Print- vor dem Online-Medium will Strehle diese Strategie indessen nicht verstanden wissen -- er verweist darauf, dass mit dem Einnahmen aus den Print-Abonnements gerade die Kosten für Papier und Druck der Tageszeitung finanziert werden können.
Der "Tages-Anzeiger" hat nicht vor, dem Internet gegenüber dem Print-Medium konsequent den Vorzug zu geben: Strehle propagiert eine Online-First-Maxime mit Mass: News sollen nicht so rasch wie möglich im Internet publiziert werden, sondern so rasch wie nötig. Schliesslich wolle man auch noch in der Printausgabe am Morgen mit echten News aufwarten. Ebensowenig ist ein Newsroom geplant, welcher die Print- und Online-Redaktionen vereint. An der Werdstrasse befürchtet man, dass damit die jeweiligen Stärken der Print- und Online-Kulturen nicht mehr zum Tragen kommen.
Mit der Lancierung des Online-Newsnetzwerks soll der "Tages-Anzeiger" gemäss Strehle künftig die gesamte multimediale Klaviatur spielen können. Neben den Print-Inhalten sollen auch vermehrt Video- und Audio-Beiträge eingebunden werden. Als Coach in Sachen Video-Beiträge stehe TeleZüri-Mann Hugo Bigi der Online-Redaktion beratend zur Seite. Auch Beiträge der elektronischen Medien werden laut Strehle künftig angeboten: "Wir möchten die starken Inhalte der Sender TeleZüri und Radio 24 einbinden." Unterhaltungsformate wird die Online-Leserschaft des "Tages-Anzeiger" indessen nie vorgesetzt bekommen. Strehle: "Es geht alleine um News, Magazin-Inhalte werden wir bestimmt keine übernehmen."
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