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Herr Weibel, wie muss man sich Ihren aktuellen Job vorstellen?
- “Ich bin der Delegierte des Bundesrates für die Euro 08. Als solcher bin ich verantwortlich für die Verwendung der 82 Millionen Franken, die das Parlament genehmigt hat. Zweitens habe ich eine Koordinationsfunktion – die Euro ist schliesslich das Werk von mehreren unabhängigen Organisationen. Und drittens habe ich für das Projekt die Rolle des Kommunikators.”
Welches Verhältnis besteht zwischen Ihnen und dem Veranstalter der Spiele? Bei den Weltmeisterschaften in Deutschland wurde die Fifa sehr stark kritisiert.
- “Ich selber habe mit der Uefa überhaupt nichts zu tun. Wir arbeiten mit der Euro 2008 SA zusammen, welche wirklich aus Profis besteht. Die Uefa nimmt in den drei Wochen mehr als eine Milliarde Franken ein, das ist sehr viel Geld und löst teilweise Kritik aus. Dieses Geld fliesst aber zurück in die Verbände und den Fussball. Mit der Uefa haben wir das Problem des ‘Ambush Marketings’. Es besteht hier eine gewisse Rechtsunsicherheit, und ein Bundesgerichtsentscheid wäre zu begrüssen.”
Stört Sie das Ambush Marketing?
- “Nein, aber ich habe viel Verständnis für die Position der Uefa. Stellen Sie sich ein Dorffest mit der Raiffeisenbank als Sponsor vor. Bei einer solchen Veranstaltung hat die PostFinance nichts verloren. Es wäre inakzeptabel, wenn am Eidgenössischen Schwingfest, welches bislang von der UBS gesponsert wird, plötzlich die Raiffeisenbank den Schwingsport propagieren würde. Eigentlich ist nach dem UWG die Situation rechtlich klar geregelt, aber es gibt immer noch eine grosse Grauzone, welche – wie gesagt – nur durch einen Bundesgerichtsentscheid geklärt werden kann.”
Uefa-Chef Michel Platini hat einmal gesagt, durch die Kommerzialisierung werde der Fussball immer mehr erstickt. Wie erleben Sie dies?
- “Es ist absolut unglaublich, wie alleine die Kosten für Senderechte in die Höhe schnellen. Die englische Liga setzt pro Jahr 1,2 Milliarden Euro um. Obwohl es einen Fussballnostalgiker stört, entspricht es dem Markt. Das Produkt Fussball erfreut sich einer gigantischen Nachfrage. Für die drei Vorrundenspiele standen den Deutschen 46000 Tickets zur Verfügung; 2,6 Millionen wollten Karten haben. Dies ist unglaublich. Aber es wäre falsch, dies dem Fussball vorzuwerfen. Schlussendlich spielt sich dies alles in der Marktwirtschaft ab.”
Eine Message, die vor allem im "Blick" immer wieder verkündet wird: Den Leuten wird die Freude an der EM durch bürokratischen Blödsinn und egoistisches Marketing der Uefa vergällt.
- “Ich weiss auch nicht, warum ständig solche Falschmeldungen in die Welt gesetzt werden. Laut Uefa kann jeder den grössten Bildschirm aufstellen, sofern es nicht kommerziell ist. Unter drei Metern Diagonale ist es sowieso unproblematisch, über drei Meter auch, solange kein Sponsor im Spiel ist und kein Eintritt verlangt wird. Ansonsten kostet eine solche Präsentation zehn Franken pro Quadratmeter und Spiel; was wenig ist. Ich habe im Radio von einer Informationsveranstaltung in Dieterswil gehört, einer kleinen Gemeinde mit 2000 Einwohnern. Dort befindet sich während der Euro ein Fan-Camp mit 8000 Holländern. Die ganze Gemeinde versammelte sich in der Turnhalle, und alle fanden es toll, dass endlich einmal etwas in Dieterswil passiert. Das ist die Realität, die Leute sind nicht nur Stänkerer. Überhaupt: Vom 7. Juni an ist alles, was jetzt geschrieben wird, nur noch Makulatur.”
Welche Nachhaltigkeit erhofft man sich von einer solchen Veranstaltung?
- “Ich hoffe, dass sich die Schweiz nach der Euro besser positionieren kann. Eine Brand-Studie von McKinsey aus dem Jahre 2004 hat ergeben, dass wir in den ‘kalten’ Kriterien wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Sauberkeit sehr stark sind. Sehr schlecht bewertet werden wir in den ‘warmen’ Kriterien: Freundlichkeit und Fröhlichkeit. Was mich am meisten erschüttert hat: In Deutschland nehmen 71 Prozent der Leute Österreich als Tourismusland wahr im Gegensatz zur Schweiz mit lediglich 58 Prozent. Das ist doch unglaublich. Wir führen nun die gleiche Untersuchung direkt vor der Euro und unmittelbar danach nochmals durch, um allfällige Veränderungen festzustellen. Momentan erlebe ich im Ausland jedenfalls ein grosse Erwartungshaltung. Der ‘Icon’, unser dreidimensionales Schweizer Kreuz und Symbol dieser Euro, stösst überall auf grosses Interesse. Auch Schweiz Tourismus macht einen Superjob. So hat Marco Solari bei unserem Auftritt in Frankfurt das Tessin von seiner besten Seite verkauft. Er hat natürlich das grosse Los gezogen: Die deutsche Nationalmannschaft geht ins Tessin. Für den Erfolg der Euro ist vor allem entscheidend, wie wir unsere Rolle als Gastgeber wahrnehmen. Ich glaube, wir können das genauso gut wie die Deutschen vor zwei Jahren.”
Der Claim “Zu Gast bei Freunden”, das Motto der Weltmeisterschaft 2006, traf den Punkt.
- “Natürlich war dies ein sehr guter Claim, aber man muss ihn auch einlösen, sonst kehrt es sich sehr schnell ins Gegenteil. Die Deutschen haben für die Gästebetreuung übrigens sehr eng mit der Deutschen Bahn zusammengearbeitet, was mich als ehemaligen SBB-Chef sehr freut. Wir haben für die Euro keinen solchen Claim, werden aber trotzdem sehr gute Arbeit abliefern.”
Wollen Sie eigentlich mit Ihrer Kampagne die Gäste während der Euro oder nach der Euro ansprechen?
- “Ich war letzte Woche mit Vertretern von Gastrosuisse, der Arbeitgeberorganisation für Hotellerie und Restaurationsbetriebe, zusammen. Deren Überzeugung ist, dass der Fan von heute der Gast von morgen ist. Und so ist es. Wir sind schliesslich im gleichen globalen Markt wie die Österreicher; es sind die gleichen Alpen. Nur ist der Alpenraum in der Schweiz einfach viel schöner als in Österreich. Das kann ich als ausgebildeter Bergführer sagen” (lacht).
Ist Ihre Arbeit mit dem Eröffnungsspiel abgeschlossen?
- “Nein, aber ich habe meine Agenda während der Euro bewusst leer gelassen. Wir werden wahrscheinlich 24 Stunden auf Pikett sein. Das ist wie in einer SBB-Leitzentrale. Wenn alles rund läuft, hat man nichts zu tun und kann Kreuzworträtsel lösen. Sobald aber etwas nicht mehr rund geht, ist man 150-prozentig beschäftigt. In solchen Situationen muss man sehr schnell beurteilen, ob und was zu tun ist. Ich hoffe, dass dies nicht allzu oft der Fall sein wird.”
(Interview: Matthias Ackeret)
--> Das vollständige Interview findet sich in der aktuellen Ausgabe von "persönlich blau" zum Thema "Euro 08 -- Wer profitiert?".
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