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In der Vernehmlassung zur Vergabe der neuen Radio- und TV-Konzessionen haben Radio 24 und TeleZüri schlecht abgeschnitten. Nun hat die Tamedia eine Umfrage beim Forschungsinstitut GFS Bern in Auftrag gegeben, welche aufzeigen soll, dass die Konzernsender in der Gunst der Bevölkerung stehen ("persoenlich.com" berichtete). In der Tat belegt die Studie, dass Radio 24 in der Region Zürich-Glarus die Nase vorn hat: 56 Prozent der Befragten würden dem Tamedia-Sender die Konzession erteilen. Gefolgt von Radio Zürisee, das auf 54 Prozent kommt und Radio NRJ mit 46 Prozent. 29 Prozent wollen Radio 1 und bloss 13 Prozent Radio 105.
Erstaunlich ist, wie die Umfrage an die Öffentlichkeit gelangte: Nicht etwa ein Tamedia-Titel publizierte sie zuerst, vielmehr brachte der "SonntagsBlick" die Story am Sonntag exklusiv. Erst am Montag zogen die Medien der Tamedia nach. Doch wie kommt es, dass Tamedia die Studie dem "SonntagsBlick" vorab zuhält? Mit der Publikation der Umfrageergebnisse in einem konzernfremden Blatt wollte das Unternehmen offenbar verhindern, nachträglich des Konzernjournalismus' bezichtigt zu werden. Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer antwortet auf eine entsprechende Anfrage von "persoenlich.com" ausweichend: "Die Resultate der Umfrage sind für die Öffentlichkeit genauso interessant wie für die Bundesbehörden. Wir finden es deshalb richtig, öffentlich über die Studie zu sprechen. Der 'SonntagsBlick' fand das Thema interessant und hat deshalb darüber berichtet."
Der "SonntagsBlick", wie Radio NRJ zu Ringier gehörend, veröffentlichte die Studie unter dem Titel "Schawinskis Radio 1: Bei Regierung top, bei Hörern Flop". Und kam zum Schluss: "Die Bevölkerung will andere Sender als die Behörden empfehlen." Dies sei kein gutes Resultat für Roger Schawinski. Den Angesprochenen selbst bringt der Artikel auf die Palme: "Diese Darstellung ist krass entstellend und gibt die Resultate der Studie verzerrt wieder", wettert er. Erstens sei Radio 1 zum Zeitpunkt des Beginns der Befragung, dem 31. März, erst 14 Tage auf Sendung gewesen. "Zweitens wurden nur die Resultate des Gebiets Zürich-Glarus präsentiert. Radio 1 hat aber zurzeit noch ein viel kleineres Sendegebiet und ist damit im Gegensatz zu den anderen Radio in grösseren Teilen der Befragungsregion Zürich-Glarus nicht aus der Luft, sondern nur über Kabel empfangbar", so Schawinski. Entsprechend tief seien für Radio 1 in Glarus (15%) und Winterthur (21%) die Werte.
Ein Blick auf die Zahlen für die Stadt Zürich zeigt tatsächlich, dass die Akzeptanz von Radio 1 nur wenige Wochen nach Sendestart überraschend hoch ist: So würden im Stadtgebiet 38 Prozent der Befragten Radio 1 die Konzession erteilen. Der Ringier-Sender NRJ liegt mit einer Zustimmung von 39 Prozent praktisch gleichauf. Radio Zürisee kann den neuen Sender mit 45 Prozent leicht distanzieren, während Radio 24 (57%) klar vorne liegt.
Schawinski beklagt, dass Radio 1 erst am Samstag erstmals von der Existenz der Umfrage erfuhr und erst am Montag Einblick erhielt. "Auf diese Weise konnten die verfälschende Berichterstattung der letzten zwei Tage im Zusammenspiel der beiden Konkurrenzverlage funktionieren, die so einen neuen Konkurrenten in ein schlechtes Licht rücken konnten." Für ihn ist das Vorgehen von Tamedia und Ringer nur ein weiterer Beleg dafür, dass es um die Meinungsvielfalt in der Region Zürich besonders dann schlecht bestellt sei, wenn die beiden dominierenden Verlage sogar zusammenspannen.
Diese Kritik hält Tamedia-Sprecher Zimmer für absurd: "Wer bei uns anfragte, wie dies beispielsweise einzelne Nachrichtenagenturen oder Tageszeitungen getan haben, hat die detaillierte Studie bereits am Sonntag kurz nach dem ersten Bericht umgehend erhalten." Seit Montag sei zudem der Schlussbericht der Umfrage online bei GFS Bern publiziert und für alle einsehbar. (dvp)
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