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Herr Schmid, die Euro steht vor der Tür. Reiben Sie sich bei Zattoo schon die Hände über den zu erwartenden Wachstumsschub?
- Wir gehen schon davon aus, dass die Euro 08 die Nutzerzahlen in die Höhe treiben wird. Entsprechend werden wir uns auch rüsten mit der nötigen Infrastruktur. Wir wollen gleich beim ersten Spiel zeigen, dass Zattoo eine Alternative ist, um sich das Spiel anzuschauen, wenn man keinen Zugriff auf ein TV Gerät hat.
Welche Zielwerte peilen Sie an: hoffen sie auf eine Verdoppelung der Anzahl registrierter Nutzer?
- Das wäre ein Wunschtraum. Was man aber nicht ausser acht lassen darf: Wir haben in der Schweiz bereits eine signifikante Durchdringung. 28 Prozent der Konsumenten mit Breitbandanschluss nutzen Zattoo, das entspricht 8 Prozent der Bevölkerung. In der Schweiz sind derzeit 675'000 User registriert. Wenn wir nach der EM 800'000 registrierte Nutzer zählen, bin ich sehr glücklich.
Ringier lanciert während der Euro 08 eigens einen TV-Kanal auf Zattoo ("persoenlich.com" berichtete). Könnte das Beispiel Schule machen?
- Das ist durchaus ein Bestandteil unserer Pläne. Unser Medium besitzt nahezu unbeschränkte Kapazitäten; es ist für uns deshalb einfach, einen zusätzlichen Kanal aufzuschalten. Wir haben mit verschiedenen Unternehmen bereits Gespräche geführt -- nicht nur mit Medienhäusern. Auch für Automobilhersteller, die oft ihre eigenen TV-Kanäle im Internet besitzen, ist Zattoo interessant. Mit Auto-Moto-TV ist z.B. bereits ein Sender exklusiv auf Zattoo zu empfangen.
Die Nutzerzahlen von Zattoo explodieren -- kann Ähnliches auch von den Werbeeinnahmen gesagt werden?
- Nein, noch nicht. Zattoo ist ein Medium, das erklärungsbedürftig ist. In einem ersten Schritt geht es uns darum, Eingang in die Mediapläne zu finden. Wir stellen aber in den Gesprächen mit den Werbetreibenden und Agenturen fest, dass ein enormes Interesse an Zattoo vorhanden ist.
Weshalb dann zögert die Werbeindustrie noch?
- Eine gewisse Skepsis betrifft die Messbarkeit. Zattoo ist nicht in einem offiziellen Panel integriert. Alle Statistiken, die wir vorweisen können, stammen vorderhand noch von uns selbst und sind nicht vergleichbar. Dass Zattoo noch nicht in den Plänen erscheint, hat aber auch einen weiteren Grund: In der Schweiz fristen digitale Werbeformen noch immer ein Mauerblümchen-Dasein. Wir stellen fest, dass der Markt etwa in Deutschland, wo wir mit der Vermarktung erst begonnen haben, viel weiter und professioneller ist. Die Werbetreibenden und Agenturen scheinen wesentlich offener für unser Produkt.
Wer bremst hierzulande -- sind es die Werbeagenturen, die Auftraggeber oder die Mediaagenturen?
- Ich weiss es nicht. Ich sehe bloss, dass in der Schweiz nach wie vor der grösste Brocken der Werbegelder in den Print geht. Mir persönlich ist das angesichts der sinkenden Auflagen der Zeitungen schleierhaft. Es mag auch eine gewisse Angst vorhanden sein, gegenüber neuen Werbeformen, die messbar sind.
Zattoo generiert Werbeeinnahmen mit fünfsekündigen Kurzspots, die beim Senderwechsel eingeblendet werden. Findet das Format Akzeptanz?
- Gute Frage. Bislang haben wir Zattoo irgendwo zwischen Online-und TV-Werbung positioniert. Wir haben festgestellt, dass das nicht richtig funktioniert. Der Werbeindustrie war dies zu verwirrend. Wir kamen zum Schluss, dass wir als Werbeplatz künftig besser ein klassisches Rectangle anbieten. Den Kunden erlaubt dies, mit einem relativ günstigen Format ins TV-Umfeld hineinzugelangen. Doch um zur Ursprungsfrage zurückzukommen: Wir sind noch zu wenig bedeutend, dass die Agenturen speziell für Zattoo ein eigenes Format herstellen. Also haben wir uns auf ein existierendes Standardformat besonnen. Wir hoffen aber, dass sich dies in Zukunft ändert.
Viele Sender können über Zattoo noch nicht empfangen werden. Wie gross sind die Vorbehalte auf Seiten der Sender?
- Es findet auch hier ein grosses Umdenken statt -- aber die Widerstände sind--– gerade bei den grossen privaten TV-Stationen in Deutschland -- immer noch recht gross. Jene Sender, die bei Zattoo mitmachen, sind meistens rasch begeistert, weil sie merken, dass sie dank uns Segmente erreichen, die sie bereits verloren glaubten.
Weshalb sträuben sich die Privatsender denn?
- Ich bin teilweise erstaunt, wie falsch das Verständnis von Zattoo ist. Die Sender befürchten, die Kontrolle über ihre Marke zu verlieren. Ein Argument notabene, dass man jedem Satelliten- und Kabelbetreiber auch vorhalten könnte. Bezeichnend für diese Haltung ist, dass wir von einem Vertreter eines grossen deutschen Privatsenders auch schon als Wegelagerer bezeichnet wurden. Diese Aussage ist schon sehr weit hergeholt. Zumal von einem Sender, der Kabelnetz- und Satellitenbetreiber Geld bezahlt, damit er übertragen wird. Von uns erhielte der Sender Geld für die Übertragung.
Wie hoch sind die Werbeeinnahmen von Zattoo heute?
- Die Zahlen schwanken stark. Sie liegen bei Plus/Minus 100'000 Franken im Monat. Wir erwarten aber eine deutliche Steigerung im Verlauf des Jahres.
Zattoo-CEO Beat Knecht hat Anfang Jahr angekündigt, den Umsatz von Zattoo 2008 von einer Million auf 12 Millionen Franken zu erhöhen. Ist diese Vorgabe noch realistisch?
- Die Zahl ist aus heutiger Sicht wohl etwas zu hoch gegriffen.
Wird Zatto wie vorgesehen Ende 2008 schwarze Zahlen schreiben können?
- Nein, noch nicht. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir in der Schweiz die direkten Betriebskosten decken können.
(Interview: David Vonplon)
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