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Herr Leuenberger, sind Sie zufrieden mit der bisherigen Entwicklung ihres Blogs und der öffentlichen Wahrnehmung? Was hat Sie überrascht, was nicht?
- Die Diskussion zu meinen Beiträgen ist anregend, bereichernd und amüsant. In quantitativer Hinsicht steigen die Besucherzahlen stets an. Das ist die Entwicklung des Blogs selbst. Die öffentliche Wahrnehmung ist natürlich geprägt von der medialen Berichterstattung über meinen Blog. Da zeigt sich ganz klar, dass viele Journalisten den Blog als Konkurrenz empfinden und dementsprechend verzerrt, meist spöttelnd, teilweise aber auch manipulierend berichten ("20 Minuten" über mich als "Euromuffel" im Nachgang zu meinem Beitrag über die Hollandfans in Bern).
Warum führen Sie einen Blog?
- Ich wollte diese Kommunikationsform einfach mal ausprobieren. Unterdessen bildete sich eine eigentliche Gemeinde, die ich gerne habe und sie offenbar auch den Blog.
Geht es Ihnen primär um die Verbreitung (objektiver) Information, die sonst der Allgemeinheit so nicht zugänglich wäre oder geht Ihnen es um die Bekanntmachung eines (subjektiven) Standpunkts?
- Den Unterschied zwischen Sachverhalt und Wertung (objektiv und subjektiv) vorzunehmen, ist äusserst schwierig. Journalisten gelingt das kaum, obwohl es zu ihrem Berufsethos gehört (Berichterstattung und Kommentar). Juristen haben ebenfalls Mühe damit, obwohl es zu ihrem Handwerkszeug gehört. In der gesellschaftspolitischen Diskussion, ob am Stammtisch, auf dem Gemüsemarkt oder eben in einem Blog, wird allerdings noch weniger scharf zwischen Objektivität und Subjektivität unterschieden. Mit einem Blog als solchem hat aber diese Unterscheidung nicht speziell etwas zu tun.
Können Sie die Stimmen nachvollziehen, die Ihnen verübeln, dass Sie den Blog "während der Arbeitszeit" schreiben?
- Kommunikation gehört zur Arbeit eines Bundesrates. Ob er diese nun in Reden, Interviews oder dem Besuch von Sportveranstaltungen wahrnimmt, hängt davon ab, mit wem er kommunizieren will und unterliegt also seiner politischen Wertung. (Und: Was was heisst schon "Arbeitszeit"? Ich arbeite zum Glück nicht mit der Stempeluhr und so kann es doch hoffentlich beruhigen, wenn ich feierlich erkläre, dass die meisten Beiträge am Wochenende entstehen.)
Fühlen Sie sich bei Ihren Einträgen irgendwem oder -etwas verpflichtet: der Öffentlichkeit, der Unabhängigkeit, dem Bundesrat, der SP...?
- Auch das ist nicht anders als bei jeder anderen Kommunikationsform. Die Form mag den Inhalt zwar schon verändern, aber nicht gerade an derart fundamentalen Loyalitäten rütteln.
Inwiefern unterscheidet sich der Blog vom Archiv Ihrer Reden und Texte auf der offiziellen Website des UVEK?
- Eine Rede entsteht über einen längeren Zeitraum. Es gibt Reden, die reifen während vielen Monaten (keine Angst um die Arbeitszeit, gemeint ist über das Wochenende, in Ferien oder beim Wandern). Sind die Gedanken einmal niedergeschrieben, folgt zuweilen, das hängt natürlich von der Bedeutung der Rede ab, noch ein Feilen an der Sprache, was nochmals Zeit in Anspruch nimmt. Der Beitrag im Blog hingegen wird relativ rasch geschrieben. Wenn er Schreib- oder Tippfehler aufweist, stört das niemanden. Das Ganze ist ja wie eine öffentliche Versammlung, aber nicht im Restaurant Löwen, sondern im Internet. Die Sprache folgt dieser Spontaneität. Auf den Inhalt mag sich das deswegen auswirken, weil manches nicht hundertfach abgesichert ist, wie bei sonstige Bundesratssaussagen und weil die persönlichen Färbungen einen viel grösseren Spielraum geniessen.
Im Gegensatz zu einem Text (Zeitungsartikel zum Beispiel) oder einer Rede (Jubiläumsrede, ohne Diskussion zum Beispiel) ist das diskursive Element im Blog sehr viel stärker. Ich habe Rückmeldungen, kritische Einwände, alle können sich melden. Das gibt es kaum in einer anderen Kommunikationsform.
Wer hatte die Idee zu diesem Blog?
- Ein ins Ausland ausgewanderter Freund, der von dort via Blog seine Kontakte in die Schweiz pflegt.
Schreiben Sie den Blog selbst?
- Ja, wobei ich meine Texte jeweils noch meinem Stab zur Durchsicht gebe. Oft werde ich vor Fettnäpfchen gewarnt.
Was für Reaktionen erhalten Sie? Haben Sie das Gefühl, die öffentliche Wahrnehmung der Person Leuenberger habe sich durch den Blog geändert?
- Durch Kommentare lernte ich manch neuen Blickwinkel kennen, den ich entweder übernommen oder mit dem ich mich auseinandergesetzt habe. So habe ich denn einigen Kommentaren in meinem Buch "Lüge, List und Leidenschaft" Platz eingeräumt und mich dort ausführlich damit auseinandergesetzt.
Müssen viele Kommentare herausgefiltert werden, die unsachlich oder beleidigend sind? Welches sind die Kriterien und wer entscheidet über die Löschung von Kommentaren?
- Das sind einige wenige. Es gab Kommentare mir rassistischem Einschlag, den ich nicht auf meinem Blog tolerieren kann oder klar wahrheitswidrige Sachverhaltsbehauptungen, die nicht als Gerüchte in die Welt gesetzt werden dürfen.
Erreichen Sie durch den Blog andere Stimmen, andere Meinungen von Leuten, die sonst nicht gehört werden? Wie gehen sie auf diese ein, wie auf die Kommentare zum Blog im Allgemeinen?
- Gewiss setzen sich die Blogger anders zusammen als die Besucher einer öffentlichen politischen Diskussion. Hauptmerkmal ist wohl die gute Kenntnis des Internets, der entsprechende Zugang zu den Informationen, die sie dort finden und weiter verwenden. Es entfallen bei ihnen auch die Hemmungen, die andere in einer Versammlung haben, wenn sie aufstehen und sich vor anderen Leuten ausdrücken müssen. Kommt dazu, dass viele von ihnen unter Pseudonymen auftreten. Sie können sich dementsprechend auch ausführlich äussern (es gibt riesenlange Kommentare) und sie dürfen sich auch inhaltlich provokativ ausdrücken, ohne dass sie durch andere unterbrochen würden. Lediglich mit einem Gegenkommentar müssen sie rechnen. Das melden sich also tatsächlich andere Leute, als mit anderen Kommunikationsformen.
Der Blog ist mit einer öffentlichen Versammlung zu vergleichen. Trete ich mit einer Rede öffentlich auf, gibt es oft (vor allem aber dann, wenn es um konkrete Abstimmungsvorlagen geht), noch eine "Fragerunde". Diese besteht in aller Regel in einer Meinungsäusserungsrunde. Die meisten melden sich eher, um ihre eigene Meinung kundzutun und weniger, um tatsächlich etwas zu erfragen. Es beginnt oft auch ein Zwiegespräch unter denjenigen, die sich zu Wort melden. Ich selber fasse am Schluss vielleicht kurz zusammen und ich gehe nur auf einige Fragen oder Meinungen ein, äussere mich also selektiv. Genau gleich geht das beim Blog ab.
Werden Sie den Blog dauerhaft weiter führen?
- Das weiss ich noch nicht.
--> Das ganze Interview, das die Fachstelle für Informationsrecht der Universität St. Gallen mit Bundesrat Leuenberger geführt hat, finden Sie hier
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[04.07.2008 - 10.44 Uhr]
Urs Reber
Ein Bundesrat, der bloggt, erreicht täglich 2780 Leute. Das ist doch mickrig. Nichts. Völlig vernachlässigbar. Am Fernsehen erreicht der gleiche Mann 1 Million, mit einem Interview in einer Zeitung ebenfalls. Eigentlich beweist der bloggende Bundesrat, dass Bloggen massiv überbewertet wird. Vor allem von Bloggern. |
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[04.07.2008 - 13.24 Uhr]
Peter Meyer
An Urs Reber
hätte ich "gebloggt" wären es 2781 Leute gewesen.
Finde das ein tolles Resultat. Sind Sie allenfalls neidisch?
Freundlicher Gruss
Peter Meyer |
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[02.11.2008 - 2.10 Uhr]
mick bauer
warum wird der mittelstand immer ärmer? warum muss eine Famillie leiden, wenn sie ein Einkommen unter 50000.-- hat? warum muss ich als einzelverdiener in der 3köpfigen famillie überhaupt steuern bezahlen? warum gibts steuererleichterungen für Reiche? Wann werde ich das erstemals amok laufen? |
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