|
Herr Kohler, Sie haben für einen Werbekunden die Printversion und das Online-Portal von "20 Minuten" ganz in gelb eingefärbt. Ist das publizistisch vertretbar?
- Wichtigster Punkt in der Entscheidungsfindung war für uns die Bedingung, dass der redaktionelle Teil weder im Print noch im Online tangiert wird. Das ist der Fall. Vor diesem Hintergrund stehen wir ohne jeglichen Vorbehalt hinter diesem Projekt. Das passt zu "20 Minuten": Überraschend, kreativ und auch etwas frech.
Kann sich die Pendlerzeitung mehr erlauben als beispielsweise der "Tages-Anzeiger?"
- Das muss jeder Titel für sich selbst entscheiden.
Konnten Sie alleine entscheiden oder musste die Konzernleitung von Tamedia zustimmen?
- Das war ein Entscheid von "20 Minuten".
Wie ist es zu dieser ungewöhnlichen Aktion gekommen?
- Die OMD Mediaagentur ist mit der Idee auf uns zugekommen. Das Projekt wurde mit viel zeitlichen Vorlauf diskutiert und konkretisiert. Die Mediaagentur hat von uns Probedrucke erhalten und wusste selbstverständlich auch über die farbliche Umsetzung im Online Bescheid. Die Zusammenarbeit, welche unter dem Siegel der Vertraulichkeit stattgefunden hat, war partnerschaftlich und gut. Das Feedback, welches wir heute insbesondere auch vom Kunden Rivella selbst erhalten haben, ist sehr positiv.
Gab es intern auch Stimmen, die sich gegen diese Werbeform ausgesprochen haben -- welche Befürchtungen wurden geäussert?
- Selbstverständlich haben wir das eingehend mit unserer Chefredaktion besprochen. Im Wissen darum, dass das ganze Projekt keinen Einfluss auf die Publizistik hat, gab es keine Vorbehalte.
Wurden die anderen Werbekunden, die am Dienstag inserierten, über die gelben Seiten informiert?
- Ja. Mit Ausnahme der Rubrikinserenten wurden alle Kunden im voraus informiert.
Was für Rückmeldungen gab es von den Lesern?
- Sehr unterschiedliche. Kritik und Lob halten sich in etwa die Waage. Aufgrund unserer Beobachtungen war das Interesse an "20 Minuten" noch grösser als üblich. Die gelbe Fabe hat natürlich die Neugierde geweckt.
Ist das die teuerste Kampagne, die ein Kunde je in der Pendlerzeitung platziert hat?
- Ja, ich gehe davon aus, dass dies der grösste Einzelauftrag in der Geschichte von "20 Minuten" war.
Müssen die Leser künftig damit rechnen, dass die Seitenfarben der Pendlerzeitung ständig wechseln?
- Wir unsererseits würden ein solches Projekt grundsätzlich jederzeit nochmals realisieren. Gleichwohl müssen unsere Leser wohl kaum damit rechnen, dass sich die Papierfarbe von "20 Minuten" regelmässig verändert. Das Projekt mit Rivella war in sich sehr stimmig. Ohne einen echten Bezug zum beworbenen Produkt wäre der Einsatz einer anderen Papierfarbe nicht wirklich kreativ.
(Interview: Stefan Wyss)
| |
[27.08.2008 - 8.21 Uhr]
Thomas Schwander
Ich fand die Aktion wirklich erfrischend und frech. Doch leider erhielt ich am Abend, als ich im Restaurant ein Rivella Gelb bestellen wollte, nur fragende Blicke. Auch an der Tankstelle gab nichts zu kaufen..... Ob ich die Aktion bis zur Lancierung in den Läden nicht schon vergessen habe, wird sich weisen. |
| |
[27.08.2008 - 8.52 Uhr]
Peter Meyer
Finde diese Idee toll. Gratuliere allen Beteiligten zu dieser Ausgabe. Einmal mehr: So etwas können nur die Printmedien. Hoffentlich hat Rivella genügend Flaschen produziert. Die Nachfrage wird bestimmt - das Wetter spielt ja auch mit - gross sein. |
| |
[27.08.2008 - 10.50 Uhr]
Markus H.
"20 Minuten" hat sich mit dieser Aktion journalistisch diskreditiert. Dass die Chefredaktion offenbar nicht einmal etwas dagegen einzuwenden hatte, ist erschreckend. Dass sie sich nicht einmal entblödet, auf Seite 18 in der gleichen Ausgabe auch noch einen "redaktionellen" Artikel über Rivella gelb zu bringen, ist ein publizistischer Skandal. "20 Minuten", immerhin die auflagenstärkste Zeitung der Schweiz, verliert so noch mehr an Glaubwürdigkeit. Wie will ich in Zukunft wissen, welche Artikel sonst noch gekauft sind? |
| |
[27.08.2008 - 15.30 Uhr]
Marc Hauser
Hübsche Idee, leider war mein erster Gedanke "uringelb" - statt Soja. Aber der Gwunder ist geweckt, well done. |
| |
[27.08.2008 - 23.08 Uhr]
Ruedi Voegeli
Toll gemacht. Dass sich Kleingeister darüber aufregen, braucht die Allgemeinheit nicht zu stören. Etwas Farbe hat noch nie geschadet. |
| |
|