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Herr Wigdorovits, ".ch" wird Ende Oktober eine reine Pendlerzeitung. Schmerzt Sie das nicht?
- Das Konzept der "offenen" Hauszustellung in den Hauseingängen hat sich nicht so realisieren lassen, wie wir ursprünglich planten. Wir hatten mit unerwartet viel Widerstand zu kämpfen. Die Briefkastenzustellung war für uns auch nur eine Übergangslösung, um uns auf die ÖV-Verteilung vorzubereiten. Der Entscheid ist richtig.
"20min“ führten Sie massgeblich zum Erfolg, bei ".ch" müssen Sie eine Niederlage eingestehen. Ist das nicht tragisch?
- Wir stecken keine Niederlage ein. Im Gegenteil: Wir ziehen unsere Lehren und fahren mit zusätzlichem Kapital, einem verbesserten Vertriebskonzept und einem entsprechend renovierten Produkt fort. Wenn etwas nicht funktioniert, muss man Alternativen suchen.
Und diese Alternative ist jetzt eine reine Pendlerzeitung.
- Ja. Der Erfolg ist möglich. In der Schweiz hat es Platz für zwei grosse Pendlerzeitungen. Man muss es einfach schaffen, sich in einer vernünftigen Zeit als Nummer zwei zu positionieren. Das wird bei ".ch" der Fall sein.
Das neue ".ch" wird salopp formuliert ein zweites "20min".
- Salopp formuliert, ja. Wir werden die Leser aber überraschen. ".ch" wird in einem neuen Gewand daher kommen und mit einem angepassten Inhaltskonzept. Ich bin optimistisch, dass es sehr vielen Pendlerinnen und Pendlern gefallen wird.
Sie gelten als Vater von ".ch". Waren Sie auch ein guter?
- Das müssen Sie eigentlich mein "Kind" fragen. Ich habe bestimmt, wie jeder Vater, Fehler gemacht. Aber ich habe diese auch korrigiert und mitgeholfen, dass sich mein "Kind" jetzt zu einem selbstständigen und erfolgreiche "Erwachsenen" wird entwickeln können. Mehr kann man als Vater, glaube ich, nicht tun. Wenn es so weit ist, muss man sein Kind loslassen können und es muss lernen, allein zu laufen.
Stichwort Anzeigenmarkt. Wie lief es ".ch"?
- Nicht besonders gut. Aber das ist normal. Auch bei "20min“ mussten wir am Anfang hartes Brot essen. Als junge Zeitung kann man im ersten Jahr keine vernünftigen Leserzahlen ausweisen. Die WEMF-Erhebung hinkt dem aktuellen Stand jeweils 18 Monate hinterher. Das macht es sehr schwierig, sich auf dem Werbemarkt zu behaupten. Zum anderen sorgten die Vertriebsprobleme, die wir übrigens nie vertuscht haben, bei den Anzeigenkunden für Zurückhaltung. Wir wussten aber, dass es ohnehin schwierig wird. Wichtig war uns von Beginn an der Vertrieb. Journalisten hören das nicht gern, aber bei einer Gratiszeitung ist zu 70 Prozent der Vertrieb für den Erfolg verantwortlich.
Fanden Gespräche statt, um sich einem etablierten Verlagshaus anzuschliessen? Stichwort NZZ?
- Nein, das stand nie zur Diskussion. Auch deshalb, weil wir uns noch nicht beweisen konnten. Für solche Gespräche ist ein Leistungsausweis nötig. Wir müssen am Erfolg noch hart arbeiten.
Eine Faustregel für Gratiszeitungen besagt, dass ein Produkt erst nach vier bis fünf Jahren schwarze Zahlen schreibt. Das Aktienkapital wurde von 10 auf 18 Millionen Franken erhöht. Hat man nun genug Reserven für vier harte Jahre?
- Die grossen Investoren glauben an den Relaunch von ".ch". Die Aktienkapitalerhöhung wäre nicht möglich gewesen, wenn man nicht an das neue Konzept glaubt.
Traut man sich vier bis fünf weitere harte Jahre wirklich noch zu? Neben der Finanzkrise macht den Zeitungen auch die Digitalisierung zu schaffen.
- Das Umfeld wird ohne Zweifel nicht einfacher. Schauen Sie die Situation mit schwarzem Humor an: Wenn man ohnehin wenig Inserate hat, spielt die Krise keine Rolle mehr.
Sie haben den Humor offensichtlich nicht verloren.
- Nein. Ich stehe zum Entscheid ".ch" umzustellen und prognostiziere dem Blatt eine gute Zukunft.
Sie ziehen sich aus dem Verwaltungsrat zurück, sind aber als Aktionär an ".ch“ noch beteiligt. Bleiben Sie bei Ihren zehn Prozent?
- Wir haben nie offen gelegt, wie hoch meine Beteiligung ist. Aber ich bleibe Aktionär. Was ich nicht kann, das gebe ich zu: ich kann nicht zwei Tätigkeiten nachgehen. Von der Belastung her ist es nicht möglich eine PR-Agentur zu führen und zugleich in einem Zeitungsprojekt involviert zu sein.
Wie hat Ihre Lebenspartnerin Ingrid Deltenre auf Ihren Rücktritt reagiert?
- Sie sei froh, dass ich mich wieder auf meine eigene Firma konzentriere. Sie war der Meinung, dass die Lebensqualität in den letzten 18 Monaten sehr gelitten hätte.
(Interview: Christian Lüscher)
Sacha Wigdorovits steigt bei ".ch" aus
Der Verlag und die Redaktion haben das Zeitungskonzept grundlegend überarbeitet. Im Zentrum steht künftig der Pendler. Redaktionell werden die Soft- und Hardnews systematisch gemischt und die Leser aktiv mit einbezogen. In diesem Layout wird das neu ".ch" künftig aufliegen:
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[07.10.2008 - 18.17 Uhr]
Peter Thommen
Ich hatte Sascha W. von Anfang an im Verdacht, er wolle einfach nur schlauer sein als die Anderen! ;)
Aber so "funktioniert" der Markt eben nicht. Er verkaufte ja keine Tomaten.
Viele Leute werden nicht mehr händeringend ihre Briefkästen aufschliessen! ;) |
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