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Der QR-Code ist ein Pixelquadrätchen, das Offline- mit Onlinemedien per Handykamera verlinkt. Jetzt haben Schweizer Verlage das wundersame Ding entdeckt. Neben der NZZ will nun auch Ringier die Technik für die Wirtschaftszeitung "cash" nutzen, um den Titel multimedialer zu machen. Roger Fischer, Geschäftsführer von Kaywa, rüstet die Verlage mit der vielversprechenden Technologie aus. Das Heilmittel gegen den Leserschwund der Zeitungen? Das Interview:
Herr Fischer, die QR-Code-Technik verlinkt Offline- mit Online-Medien per Handykamera. Wird sie denn genutzt?
- Seit September 2007 steigt der Einsatz zusehends. Momentan ist der Einsatz der QR Codes im nahen Ausland stärker vorangeschritten. Deshalb neigt man nun auch in der Schweiz vereinzelt dazu, der Sache mehr Beachtung zu schenken. 90 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit Ländern wie Deutschland, Spanien, Italien, Skandinavien, Brasilien, Australien und Russland.
QR-Code hört sich für Laien kompliziert an. Ist er das auch?
- Nein nicht im Geringsten. Die Leute haben gelernt, dass "Applikationen" individuell aufs eigene Handy geladen werden können. Und genau so verhält es sich mit dem QR-Code Reader. Ist er einmal installiert, lässt er sich wie eine Handykamera bedienen. Hinzu kommt, dass Nokia ihren QR-Code Reader immer häufiger vorinstalliert.
Wie Sie sagen, braucht es eine Software, die in älteren Handy-Modellen jedoch nicht vorinstalliert ist. Nokia ist derzeit einziger Mobilephone-Hersteller, der das tut. Wie sieht die Entwicklung aus?
- Bezüglich Vorinstallation laufen kontinuierlich Gespräche und in absehbarer Zeit wird die Software in jedem gekauften Gerät Standart sein. Die Telekombranche, die GS1 und IATA forcieren die Entwicklung. In der jetzigen Phase ist es aber auch durchaus sinnvoll, dass die User den Reader bewusst installieren und damit zeigen, dass sie die Technologie wollen. Wenn wir uns die Downloadzahlen ansehen, fangen QR-Codes jetzt bei den Usern an so Spass zu machen.
QR-Codes werden im grossen Stil in der Industrie eingesetzt. Aber auch Flugtickets und Wanderwege werden damit beschriftet. Was macht ihn so attraktiv?
- Bitte vergessen Sie den Einsatz in der Werbung nicht. Er nimmt dem Benutzer das leidige Tippen einer URL auf der Handytastatur ab und – das scheint mir das Zentrale – bringt er ihn zielgenau auf die Seite, die vor Ort relevant ist. Die Verbindung von Kontext, sei es auf einem Plakat oder in der Zeitung, ist zentral. Offline-Medien werden interaktionsfähiger und multimedialer.
Anlass des Interviews ist der vermehrte Einsatz in Zeitungen. Die "Welt Kompakt"
experimentiert schon länger mit dem QR-Code. Wie ist der Stand in der Schweiz?
- Die Welt Kompakt benutzt unser Kaywa Management System seit November 2007 kontinuierlich und weiss somit erstmals Bescheid, welche Inhalte in der Zeitung fürs Publikum am attraktivsten sind. Auch in der Schweiz setzen sich Verlage mit dem Thema auseinander. Ich glaube aber, dass man den Wert für die eigene kontinuierliche Marktforschung noch zu wenig verstanden hat.
Nun sind Sie in der Schweiz in verschiedene Zeitungsprojekte
eingebunden. Welche Zeitungen vernetzt oder hat Kaywa mit dem Internet
schon vernetzt?
- Als erstes Verlagsprodukt in der Schweiz startete die NZZ, dann das Internetmagazin Anthrazit, nun folgt "cash" von Ringier.
Wie sieht es mit der NZZ aus?
- Die NZZ benutzt den QR-Code kontinuierlich in der "NZZcampus" Kommunikation seit Frühling 2007. Erst kürzlich war der 1.5 Meter grosse QR-Code wieder im Hauptbahnhof Zürich zu sehen. Das NZZcampus-HB-Beispiel taucht übrigens weltweit immer wieder in QR-Code-Studien auf.
Ringier will mit dem QR-Code die Tageszeitung "cash" multimedialer machen. Wo liegen die Grenzen von Multimedia?
- Die Grenzen definieren sich momentan noch durch die Bandbreite beziehungsweise der noch fehlenden Flatfee seitens der Telekoms. Aber der Erfolg eines QR-Code Einsatzes hängt vom gelieferten Inhalt ab, der sich auf dem Mobiltelefon abspielt. Der QR-Code ist nur der Schlüssel also das optische Signal dazu. Wir müssen bei Neukunden immer wieder betonen, dass sie sich unbedingt erst Gedanken über den Inhalt machen müssen. Hier können wir natürlich auch beratend zur Seite stehen. Es macht beispielsweise keinen Sinn, einfach die normale Firmenwebsite zu verlinken. Das interessiert den Nutzer nicht. Der gelieferte mobile Inhalt muss im direkten Bezug zum gedruckten stehen.
Was denken Sie, wie stark wird der QR-Code wohl bei der Leserschaft
genutzt werden? Der "cash"-Leser zum Beispiel ist älter und ist doch gegenüber
neue Technologien ablehnend eingestellt.
- Die Annahme, der QR-Code sei etwas für Kids ist falsch. Kids bis 18 scheuen die anfallenden Verbindungsgebühren und nutzen QR-Codes nur, wenn eine hohe "Incentive" da ist.
Die Altersgruppe bewegt sich bei 18 Jahren aufwärts. Und wer e-Mail auf einem BlackBerry abrufen kann und sowieso eine Flatfee hat, kann auch einen QR-Code scannen. Da mach ich mir keine Sorgen.
Finden Sie QR-Codes ästhetisch gesehen nicht scheußlich? Oder hat das
Ding Ikonenpotential?
- Es ist ein Code. Und so soll er auch aussehen. Ohne Branding und gar nichts, auch wenn das möglich wäre. Und ja, der QR-Code hat definitiv Ikonenpotential, sonst würden ihn ja auch nicht die hippsten Brands oder Musiker auf ihren Albumcovers nutzen. Abgesehen davon soll der User sofort verstehen, dass ihm der Code einen Zugang zum mobilen Internet, zur Interaktion eröffnet. Deshalb geht es heute auch nicht darum, den Code zu verstecken und möglichst klein zu machen; unsere Haustüren sind ja auch nicht 1 Meter gross, sondern genauso gross, damit wir komfortabel in Haus hineingelangen.
Was erwartet uns in absehbarer Zeit noch? Wird der QR-Code allgegenwärtig?
- Der QR-Code ist ein gesetzter Standard fürs "Mobile Tagging" und es ist eindeutig der Code, der weltweit am häufigsten und von den wichtigen Premium Brands eingesetzt wird. Ralph Lauren in den USA, Nestlé in Brasilien, die Tabakindustrie in Russland, Lufthansa, BMW, Seat, Nissan, Toyota, EA in Deutschland, Telstra in Australien, Heinecken in Taiwan, Japan sowieso. Die Liste lässt sich beliebig weiterführen und die Entwicklung schreitet immer schneller voran.
Im Fall "cash" und "NZZ": Wird der QR-Code die Zeitungen "retten"? Wird so der Verlust an Leser aufgefangen?
- Nein. Das wäre schon etwas viel verlangt von so einem Pixelkästchen. Aber wenn die Verlage es schaffen ergänzende Inhalte, kreative Ideen und clevere Lösungen auf das Handy zu bringen, kann der QR Code seinen Beitrag zur Rettung sicherlich leisten.
(Interview: Christian Lüscher)
Und so sieht der QR-Code aus. Internetlinks werden in Zeitungen nicht mehr als Text abgedruckt, sondern verschlüsselt mit Hilfe dieses 2D-Codes. Der kann mit dem Handy gelesen werden – das Mobiltelefon steuert dann die im Code hinterlegte Website an. Tippen wird überflüssig. In der Zeitung muss für die Verlinkung einzig der Platz für das briefmarkengroße Quadrat geopfert werden.
QR steht für "quick response" (schnelle Antwort)
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