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Hannes Schmid, Sie gehören zu den erfolgreichsten und produktivsten Fotografen der Schweiz. Trotzdem sind Sie nicht so prominent wie Ihre Kollegen. Weshalb?
- Ich startete meine Karriere in den frühen Siebzigerjahren in Südafrika. Fotografie war meine Passion und zugleich auch das Ticket zur grossen weiten Welt, die ich entdecken wollte. Die Fotografie war wichtig für mich und nicht meine Person. Dies ist auch der Grund, warum ich mich nie um die Vermarktung meines Namens gekümmert habe.
Trotzdem war der Name Hannes Schmid in der Szene immer ein Begriff.
- Ja, das stimmt. Ich hatte immer einen Wohnsitz in der Schweiz, war aber beruflich hier inexistent. Ich wohnte lange Jahre in Paris und New York.
Wie schafften Sie den Durchbruch?
- Ich bin ein Quereinsteiger. Ursprünglich lernte ich Elektriker und Beleuchtungstechniker in Zürich. 1968 wanderte ich mit Freunden aus dem Toggenburg nach Kapstadt aus. Ich arbeitete für AEG Telefunken, um eine Radar- und Funkstation am Kap der Guten Hoffnung zu bauen. Damals entdeckte ich meine Liebe zur Fotografie. An der Ruth Prowse Scool of Art in Kapstadt drückte ich kurz die Schulbank, brachte mir aber als Autodidakt das Fotografieren selbst bei. Ich suchte nie den Durchbruch. Für mich war die Fotografie immer meine Bestimmung und auch die Möglichkeit, meine Neugierde zu stillen. Verschiedene Zufälle und Begegnungen prägten dabei mein weiteres Leben.
Sie hatten also nie ein Karriereziel?
- Im üblichen Sinn nein. Im Gegensatz zu vielen meiner Kollegen habe ich während meines Lebens nie ein einziges Projekt verfolgt. Sobald ich repetitiv wurde, habe ich mich gezielt verändert. Deswegen gibt es keinen einheitlichen Hannes-Schmid-Stil. Meine Zeit in Afrika und Asien in den Siebzigerjahren hat mich fotografisch geprägt. Damals realisierte ich, dass das gute Bild in der Reduktion besteht. Die künstlerische Auseinandersetzung ist dabei wichtig, um zum Ziel zu kommen.
Warum können Sie besser fotografieren als andere?
- Jedes gute Foto hat eine Vorgeschichte. Diese Geschichte zu entwickeln, ist meine Stärke. Dabei sollte man die Vision konsequent umsetzen, aber trotzdem spontan bleiben. Nur das, was man am Ende auf dem Film festgehalten hat, gilt. Alles andere kann man zwar erzählen, aber nicht zeigen.
Konkret?
- Nehmen Sie den Marlboro-Mann, den ich Mitte der Neunzigerjahre während acht Jahren selbst fotografiert habe. Seit 1956 wird diese Kampagne visualisiert. Dabei ist einzigartig, dass erstmals eine Werbefigur zum berühmtesten amerikanischen Icon und Mythos weltweit wurde. Die ausführende Werbeagentur Leo Burnett Chicago, bei der der heute in Zürich wohnhafte Werber Michael Conrad federführend war, hat mir zu Beginn unserer Zusammenarbeit folgende Frage gestellt: ‘We do this since 1956, what do you bring new to this account?’ Dies war eine schwierige Ausgangslage. Dabei war aber mein Vorteil, dass ich Schweizer bin und eine grosse Distanz zum amerikanischen Cowboy hatte. Das gab mir die Möglichkeit, meine eigenen Vorstellungen und Visionen einzubringen. Die Kunst lag einmal in der Reduktion des Motivs. Der Marlboro Man musste für mich zwei Sachen beinhalten, zum einen sollte er ikonenhaft, zum zweiten sehr männlich und heldenhaft sein. Neben mir gab es aber auch noch weitere Fotografen, die den Marlboro Man fotografierten.
Was war dann Ihre Spezialität?
- Ich habe in meinen Bildern klar die Position des Cowboys vom Wrangler, also dem Kuhhirten, getrennt. Der Cowboy verkörpert den Marlboro-Mythos, der Wrangler hingegen ist der Arbeiter. Ein Cowboy schaut nie nach hinten. Mein Ziel war es, den Cowboy als ruhigen, coolen, überlegenen, naturbewussten, tierliebenden und männlichen Typen zu zeigen. Meine Arbeiten wurden zum grossen Teil als Strassenplakate verwendet. Wenn man auf dem Highway fuhr, erkannte man innerhalb von Bruchteilen, dass es sich dabei um Marlboro handelte. Wichtig war dabei die Farbgebung, die ich zu einer fast schon übertriebenen Intensität führte. Die absolute Reduktion lag in den Silhouettenbildern, wo man aufgrund eines Schattens vor dem Sonnenuntergang die gesam-te Marlboro-Welt, die gan-ze Welt intus hatte. Dabei hat man zwischen den einzelnen Produkten wie Marl-boro classic, light oder menthol unterschieden, was sich in den verschiedenen Farben, Landschaftstypen und Actions ausdrückte. Die Fotoaufnahmen dauerten meistens fünf Tage und wurden in verschiedenen Staaten der USA durchgeführt, der totale Zeitaufwand lag aber bei über 20 Tagen. Für die Suche der Locations reiste ich kreuz und quer durch Nordamerika, um spezielle Szenerien zu finden. Der finanzielle Aufwand war mehr mit einem kleineren Spielfilm zu vergleichen als mit einem normalen Fotoshooting. Die Verantwortung für dieses Budget lag zum grossen Teil bei mir.
Dies ist aber nun endgültig Vergangenheit.
- Ja, seit 2006 ist der Marlboro-Mann aus der Öffentlichkeit verschwunden. Ich machte meine letzten Marlboro-Bilder vor sechs Jahren.
Doch nun feiern Sie mit dem Marlboro Man ein Comeback.
- Ich war 2003 an der Biennale in Venedig. Damals traf mich beinahe der Schlag. Ich stand fassungslos in der Sala Venezia, wo Richard Prince, einer der berühmtesten zeitgenössischen Künstler Amerikas, sein Werk zelebrierte. Fassungslos starrte ich auf meine Marlboro-Bilder, die Prince einfach aus Zeitschriften abfotografiert hatte. Ich wusste nicht, ob ich mich freuen oder ärgern sollte. Ich rief sofort meine Geschäftspartnerin Susanne Zoller an und fragte, ob sie wüsste, wie meine Bilder an die Biennale gekommen seien. Auch sie war erstaunt über meine Entdeckung. Bei näherer Betrachtung entdeckte ich ein Schild mit der Aufschrift ‘Photograph by Richard Prince on Kodak Ektachrom 120x240cm’. Jetzt verstand ich die Welt endgültig nicht mehr. Für Prince ist das Bild nicht wichtig, das Konzept ist seine Kunst. Ob das legal ist, müsste das Gericht entscheiden.
(Interview: Matthias Ackeret)
--> Das vollständige Interview mit Hannes Schmid plus Fotostrecke ist in der November-Ausgabe von "persönlich rot" zu finden.
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