|
Gratis-Pendlerzeitungen bedrängen die alte Presse
nicht nur, sondern sie können auch dazu beitragen, dass diese sich
auf ihre Qualitäten besinnt. So lautete der Tenor an einem Podium
vom Samstag in Luzern. Die Stiftung Wahrheit in den Medien ging an ihrem Anlass der Frage nach, ob Gratis-Pendlerzeitungen ein Fluch oder ein Segen
sind. Die Antwort darauf sei, sie seien eine Herausforderung, sagte
Dozentin Marlis Prinzing.
Prinzing bezeichnete die Schweiz als "Himmel" für die in
Skandinavien lancierte neue Zeitungsform. Nirgendwo in Europa
würden pro Einwohner so viele Exemplare gedruckt wie in der
Deutschschweiz. Eine Gefahr, die von den Gratis-Pendlerzeitungen ausgehen könne,
sei ihr "Journalismus ohne Meinung". Und gratis seien sie nicht,
denn sie kosteten Lebenszeit, die möglicherweise sinnvoller genutzt
werden könnte, betonte Prinzing.
Eine Chance sieht sie darin, dass der Wandel im Zeitungsgeschäft
durch den Erfolg der Gratispresse beschleunigt wird, etwa was neue
Technologien (E-Paper) betrifft. Auch könnte das Bewusstsein für
Qualität geschärft werden.
Mehrwert
Sacha Wigdorovits, der Gratisblätter lancierte, erklärte, dass
es für die bezahlte Tagespresse eine Zukunft gebe, sofern diese dem
Käufer einen Mehrwert biete. Dies bedinge aber, dass sie sich auf
ihre Qualitäten (Analyse, Kommentare) konzentriere und auch über
gut ausgebildete Journalisten verfüge.
Die Zürcher Dozentin Gabriele Siegert brachte die
Glaubwürdigkeit von Verlagen und Titeln ins Spiel. Entscheidend
sei, ob die Leser diesen zutrauten, sie verlässlich zu informieren. Thomas Bornhauser (Chefredaktor "Neue Luzerner Zeitung") sagte,
die Gratiszeitungen hätten für die bezahlte Presse auch einen Trend
gesetzt. Ökonomisch ein Problem sei, dass sie sich ein Stück des
Werbekuchens abschnitten. (sda)
|