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Wie andere Tageszeitungen auch hat der "Tages-Anzeiger" Leser verloren und kämpft mit einem Anzeigenrückgang. Zusätzlich ist mit dem Newsnetz der eigene Webauftritt tagesanzeiger.ch für die Printausgabe zur harten Konkurrenz geworden. Daher erstaunt es nicht, dass man sich beim "Tagi“ Gedanken darüber macht, wie die Zukunft der Print-Ausgabe aussehen soll. Und da diskutiert man offensichtlich ernsthaft über eine Annäherung an das Newsnetz. Die Hintergründe:
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"persoenlich.com" berichtete bereits über den möglichen Aufbau eines Newsrooms, wie er in Bern bereits Realität ist. So wolle man die Redaktion des "Tages-Anzeigers", von "News" und des Newsnetz von einem Desk aus mit Nachrichten bedienen. Doch die Arbeitsgruppe für die Weiterentwicklung des "Tagi" unter der Leitung von Rolf Bollmann sucht nicht nur neue organisatorische Lösungen.
Wie Recherchen von "persoenlich.com" ergeben haben, denkt man beim Projektteam Redaktion -- einer Untergruppe der erwähnten Arbeitsgruppe -- unter der Leitung von Res Strehle, Stv. Chefredaktor "Tages-Anzeiger" inhaltlich über einen Paradigmawechsel nach. Die Zeitung soll vom Belehrenden weg und mehr entsprechend dem Leserinteresse entwickelt werden. Dabei will man sich am Newsnetz orientieren.
Beim Online-Verbund werden die Leserzahlen für jeden Artikel peinlich genau und in Echtzeit gemessen. Was den Leser nicht mehr interessiert, verschwindet von den prominenten Positionen. Bei der Print-Ausgabe des "Tagi" kann man zwar das Interesse am einzelnen Artikel nicht messen wie beim Newsnetz, trotzdem soll der Wunsch des Lesers noch mehr Befehl sein. Wie interne Quellen erzählen, werde man künftig aufgrund der Klickzahlen entscheiden, welche Themen und Geschichten im "Tagi" aufgemacht werden. "20 Minuten" praktiziert dies angeblich schon seit längerem.
Aus diesem Grund würde das Newsnetz, sollte der Newsroom realisiert werden, eine wichtige Rolle in der Auswahl der Geschichten spielen. Die TA-Redaktion weiss jetzt also, von wo der Wind pfeift. Tamedia Verwaltungsratspräsident Pietro Supino soll vom Newsnetz so begeistert sein, dass er sogar einen Web-Seismographen im Büro hängen hat. Auf dem einen Flachbildschirm kann er jederzeit die vom Publikum am meist gelesenen Artikel überblicken, die vom Newsnetz produziert werden.
Steigerung der Wertschöpfung
Der Zentrale Begriff der für die Weiterentwicklung beim "Tages-Anzeiger" herumgeistert ist die Wertschöpfung. Da die Zeitung eher dünner wird -- ein 4-Bund-Konzept steht im Raum --, will man beim "Tagi" die Wertschöpfung der Einzelseiten steigern. Dies soll durch mehr Eigenleistung erreicht werden. Der Newsroom liefert die Nachrichtenbasis, Spezialisten sind für den Königsweg der Recherche zuständig. Es soll keine Agenturmeldungen mehr als Seitenaufmacher geben. Analyse und Unterhaltung seien ebenfalls zentral. Dazu sollen unter anderem Berührungsängste mit dem Boulevard abgebaut werden, visuell will die Zeitung mit mehr Bildern und Infografiken arbeiten.
Der Fahrplan sieht vor, dass die Arbeitsgruppe für die Weiterentwicklung der Zeitung dem Lenkungsausschuss (Pietro Supino, Martin Kall, Rolf Bollmann, Peter Hartmeier) Ende Januar ein erstes Grobkonzept vorlegt. Dabei soll es sich um ein 4-Bund-Konzept mit mehreren Varianten handeln. Die Weichen für die Zukunft des "Tages-Anzeiger" soll dann noch im ersten Quartal 2009 gestellt werden. Der Tamedia-Verwaltungsrat wird bis dann entscheiden, welche "Tagi"-Variante weiterentwickelt wird.
Redesign und Projekt 'TagesBund' laufen parallel
Nebst den oben aufgeführten Ideen zur Weiterentwicklung steht auch immer noch das Projekt "TagesBund" im Raum. Zurzeit wird unter der Leitung von Uli Rubner eine redaktionelle Zusammenarbeit zwischen der Berner Zeitung "Der Bund" und dem "Tages-Anzeiger" geprüft.
Parallel zu den publizistischen und organisatorischen Reformvorschlägen wird auch ein neues Design für den "Tages-Anzeiger" entworfen. Daran arbeitet einerseits eine redaktionsinterne Gruppe um Tom Menzi, andererseits will man 2 bis 3 externe Grafikdesigner einladen, eigene Vorschläge zu präsentieren. Das Format der Zeitung soll gleich bleiben, im Vordergrund steht eine bessere Leserführung, ein ruhigeres Erscheinungsbild und mehr Gewicht für den Bildanteil.
(Text: Stefan Wyss / Christian Lüscher)
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[13.01.2009 - 11.03 Uhr]
urs kern
Da macht es sich die Tagi-Leitung sehr einfach: man füllt das Leservolk mit dem ab, was der Masse gefällt. Wir kennen das bestens vom Junk-Food aber auch von den Seich(t)sendern von TV und Radio: Gefallen tut der Konsumentenmasse das, was kitzelt, reizt und ohne grosse Widerstände runterflutscht. Ich möchte als Leser gerne überrascht werden und nicht das vorgesetzt erhalten, was ich ohnehin schon kenne. |
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[13.01.2009 - 12.46 Uhr]
Maja Peter
Ich verstehe diese Strategie nicht. Wie will sich die Kaufzeitung gegenüber den Gratis-Blättern abgrenzen? Was ich von einer Zeitung, für die ich bezahle, wünsche, sind Recherchen, Analysen, Einordnung. Also eine solide Basis, um mir eine Meinung bilden zu können. Belehrungen werden so überflüssig. Ich weiss, dass Recherchen, dass gute Journalisten nicht für ein Butterbrot zu haben sind. Aber dafür habe ich ja auch ein Zeitungsabo. Mit der beschriebenen Publikums-Strategie macht sich der Tagi überflüssig. |
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[13.01.2009 - 13.52 Uhr]
Tom Rom
Der Trend ist offenbar klar: 20min ist bereits vollkommen Boulevard. Kommerziell offenbar das Vorbild für den Tagi. Die einzige brauchbare Zeitung wird noch die NZZ bleiben - welche allerdings auch am Layout/Format arbeiten dürfte.
Warum der Tagi bei gleich bleibender inhaltlicher Qualität nicht auf ein Tabloid umstellt ist mir schleierhaft. Es gibt auch Pendler, wie Wert auf Qualität legen. Wäre doch gerade dies eine Chance, den Tagi auch angenehm zum Pendeln zu verwenden. |
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[13.01.2009 - 13.53 Uhr]
Christof Moser
der helle wahnsinn! die selbsttötung der kaufzeitungen geht in eine neue runde. |
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