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Das Schweizer Fernsehen kommt nach gründlichen Analysen zum Schluss, dass es im TV-Geschäft keine revolutionären Errungenschaften mehr geben wird. Das klassische Fernsehen mit dem linearen und vertrauten Programm bleibt laut Fernsehdirektorin Ingrid Deltenre klar der am meisten genutzte und damit wichtigste Kanal.
SF prognostiziert, dass sich HDTV und Video on Demand bei Gratis-Inhalten durchsetzen wird. Vor allem bei der zeitversetzten TV-Nutzung glaubt man an ein massives Wachstum. Bis 2012 werden laut Deltenre 25 Prozent der Zuschauer eine Sendung auf Abruf anschauen und nicht mehr zum originalen Ausstrahlungszeitpunkt. Auf eine beschränkte Akzeptanz werden in den Augen der Fernsehdirektorin Angebote wie Mobile TV oder IPTV stossen.
Das heisst aber nicht, dass sich SF anderen Verbreitungsmöglichkeiten verschliesst. Das zentrale Stichwort zur Mediennutzung der Zukunft heisst am Leutschenbach "Digitale Fragmentierung". Und da der Leistungsauftrag von SF nicht an ein bestimmtes Medium gebunden sei, ist es für Deltenre eine Pflicht alle Plattformen zu bespielen -- verbunden mit dem Wunsch, auch auf allen Plattformen kommerzielle Erträge zu erzielen.
Parallelwelten sollen junges Zielpublikum an SF heranführen
So baut man beim Schweizer Fernsehen auf eine Multiplattform-Strategie. Das lineare Programm der SF-Sender bleibt der primäre Kanal, das Video on Demand-Angebot wird immer wichtiger und darum ausgebaut. Bei den Verbreitungsmedien für das lineare Programm setzt SF aber neben Kabel, Satellit und digitaler Verbreitung über Antenne auch auf Internetangebote wie Zattoo oder das Windows Media Center. Im Internet zielt man auf die jüngere Zielgruppe ab und will mit eigenständigen Angeboten -- etwa einer Kinderwelt und anderen Welten für ein jugendliches Publikum -- die Gebührenzahler von morgen an SF heranführen.
Die Ausführungen von Ingrid Deltenre lassen den Schluss zu, dass man am Leutschenbach nicht an eine Revolution in der Fernsehwelt glaubt, sondern an die Entstehung einer Parallelwelt mit anderen Mediennutzungsformen. Und in all diesen Welten will SF auch präsent sein.
Deltenre: Verleger bewachen falsche Türe
Anschliessend an die Ausführungen von Ingrid Deltenre folgte ein Roundtable unter der Leitung von "Eco"-Moderator Reto Lipp. Neben der Fernsehdirektorin diskutierten Klaus Kappeler, CEO Goldbach Medien, Beat Knecht, CEO Zattoo, Prof. Michael Latzer, Leiter Medienwandel & Innovation am Institut für Publizistikwissenschaft der Uni Zürich, Hanspeter Lebrument, Verleger und Präsident des Verbandes Schweizer Presse, Hans-Peter Nehmer, Leiter Corporate Communications Cablecom und Peter Weigelt, Internet TV-Unternehmer.
Dass jeder den Kanal besonders hervorhob und anpries, den er oder sie vertrat, war nicht überraschend. Und aufgrund der (zu) vielen Roundtable-Teilnehmern kam eigentlich auch nicht wirklich eine Diskussion auf. Doch dann machte Deltenre nochmals deutlich, dass SF auch auf dem Internet werben will und löste damit plötzlich eine zum Teil emotionale Debatte aus. Denn umgehend auf das Votum der Fernsehdirektorin machte Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument (Bild) ebenso deutlich, dass sich die Verleger gegen die Online-Werbepläne von SF weiterhin wehren werden.
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Die Fernsehdirektorin wiederum warf den Verlegern vor, dass sie die falsche Türe bewachen. Es seien nämlich nicht die Verleger, die momentan im Internet gross abkassieren, sondern Google. Anstatt dass die Verleger zusammen mit SF dem etwas entgegensetzen, versuche man mit Verboten einen wichtigen Partner zurückzubinden. Lebrument wollte daraufhin nicht ausschliessen, dass man sich mit dem Schweizer Fernsehen einig werden könnte. Allerdings nur, wenn die Verleger an den Einnahmen beteiligt werden.
Wahre Revolution wäre Einigkeit zwischen SF und Verlegern
Weil Lebrument im gleichen Zug auch das neue RTVG kritisierte, sah sich nun auch Alt-Nationalrat Peter Weigelt (Bild), der direkt an der Gestaltung des neuen Radio- und Fernsehgesetzes beteiligt war, gezwungen, in die Diskussion einzugreifen. Er sei als Parlamentarier sehr stark von Lobbyisten angegangen worden und habe festgestellt, dass es sowohl bei der SRG als auch bei den Verlegern nur um Besitzstandswahrung ging. Darum sei das neue RTVG ein grosses Debakel.
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Eben noch geteilter Meinung, waren sich Deltenre und Lebrument nun einig, dass sie die Schuld für das misslungene RTVG nicht auf sich nehmen wollen und schoben den schwarzen Peter den Politikern zu. Das Bundesamt für Kommunikation habe das Gesetzt entworfen, das Parlament habe es schlussendlich verabschiedet. Lebrument ging sogar soweit zu behaupten, dass Parlamentarier überlegen, in welchem Medium sie am meisten auftreten können, und dann auch nach diesem Prinzip Medienpolitik betreiben. Deltenre ging mit Weigelt aber einig, dass mit dem neuen Gesetzt die Vergangenheit und nicht die Zukunft geregelt wurde.
Auch nach dem Roundtable liess sich keine kommende Revolution in der Fernsehwelt ausmachen. Eine wirkliche Revolution wäre es aber, wenn sich das Schweizer Fernsehen und die Verleger schnell einig würden.
(Text: Stefan Wyss / Bilder: David Biedert, tilllate)
--> Weiter Bilder vom Communication Summit finden sich in der Fotogalerie
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[05.02.2009 - 10.01 Uhr]
Karim Zekri
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