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Der Online-Handel in der Schweiz boomt: Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer kaufen im Internet ein. Das zeigt eine am Freitag veröffentlichte Studie der Universität St. Gallen. Im Jahr 2008 kauften Schweizerinnen und Schweizer Produkte und Dienstleistungen im Wert von rund 5,87 Milliarden Franken via Internet. Ungefähr gleich viel Geld wurde 2008 für Werbung ausgegeben -- allerdings flossen nur zwischen 200 und 300 Millionen Franken in die Online-Werbung.
Es erscheint also logisch, dass die Medienhäuser mit zusätzlichen kommerziellen Angeboten auf ihren Nachrichtenportalen auch aus dem Topf des Online-Handels schöpfen wollen. Laut einer Analyse von PricewaterhouseCoopers Schweiz geht das auch gar nicht anders, da sich ein Nachrichtenportal mit klassischer Online-Werbung alleine nicht refinanzieren lasse. Bei den grossen Schweizer Nachrichtenportalen sieht man das allerdings etwas anders.
Löwenanteil der Einnahmen durch klassische Internetwerbung
Bei 20 Minuten Online macht die klassische Online-Werbung mit Bannern weiterhin den Löwenanteil des Umsatzes aus, sagt Christoph Zimmer, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Tamedia, auf Anfrage von "persoenlich.com". "Es ist deshalb durchaus möglich, Newsplattformen mit eigenständigen und gut ausgestatteten Redaktionen über Werbung zu finanzieren", entgegnet Zimmer einer Analyse von PricewaterhouseCoopers, die zu einem anderen Schluss kommt (“persoenlich.com“ berichtete).
Bei Tamedia rechnet man allgemein mit einem Wachstum der klassischen Online-Werbung. Mit Zusatzangeboten könne aber das Geschäftsmodell einer Newsplattform breiter abgestützt werden. Allerdings liegt bei 20 Minuten Online laut Zimmer der Umsatzanzteil aus Angeboten wie dem Online-Shop oder weiteren Dienstleistungen unter 10 Prozent.
Auch bei tagesanzeiger.ch sind nicht die Markplatz-Angebote die grossen Umsatzträger. Die klassische Werbung macht den grössten Teil der Einnahmen aus. Mit der Marktplatz-Box stehe den Usern aber ein Tool zur Verfügung, mit dem sie verschiedene Angebote einfach durchsuchen können, so Zimmer "Die Zugriffszahlen zeigen, dass die Kooperationen mit Homegate, jobwinner.ch oder elitepartner.ch von den Besuchern geschätzt werden."
Kooperation erfolgversprechender als Integration
Das Medienhaus an der Werdstrasse verfügt inzwischen über ein attraktives Portfolio an Online-Aktivitäten. Allerdings scheint man nicht eine Online-Strategie zu verfolgen, bei der alle Angebote unter das Dach einer Marke gestellt werden. Zimmer: "Wir wollen starke Portale wie tilllate.com oder search.ch weiterhin eigenständig weiterentwickeln."
Erfolgsversprechender als die Integration aller Angebote in einem Portal sei die Zusammenarbeit zwischen eigenständigen Plattformen mit selbständigen Teams. "Kooperationen mit anderen Medien von Tamedia sind zwar erwünscht, müssen aber für beide Partner einen Mehrwert bringen." Bemerkenswert in diesem Zusammenhang: tagesanzeiger.ch arbeitet zurzeit mit der Partnersuche elitepartner.ch zusammen und nicht mit der Firma PartnerWinner, die Tamedia gehört.
Bedeutung der Zusatzleistungen wächst
Bei Ringier will man keine detaillierten Angaben über das Umsatzverhältnis von Bannerwerbung und Zusatzdienstleistungen bei Blick Online machen. Stefan Hackh, Leiter Kommunikation Ringier Schweiz, erklärt auf Anfrage von "persoenlich.com": "Die Zusatzleistungen machen bereits heute einen signifikanten Anteil der Einnahmen aus und ihre Bedeutung wird weiter zunehmen."
Es ist denn auch erklärtes Ziel, blick.ch hinsichtlich Zusatzdienstleistungen weiter auszubauen. Die Werbetreibenden schätzen es laut Hackh sehr, wenn der erste Schritt zu einem Kauf bereits auf blick.ch stattfindet. Dabei strebt man aber nicht unbedingt danach, alles unter dem Brand "Blick" zu verkaufen. "Wir werden auch in Zukunft diese Plätze primär unseren Werbekunden und ihre Brands zur Verfügung stellen", so Hackh.
Sättigungsgrenze bei Bannerwerbung noch nicht erreicht
Generell offen für Kooperationen im kommerziellen Bereich zeigt sich auch NZZ Online. Redaktionsleiter Fredy Greuter: "Denkbar sind alle Integrationsvarianten, also von einer losen Zusammenarbeit bis hin zu einer Integration. Daraus ergäbe sich dann auch das Branding mit der Marke NZZ." Zu den Nutzungszahlen der Zusatzdienstleistungen will NZZ Online keine Angaben machen.
Greuter merkt aber an: "Marktforscher haben die Wachstumsraten im Online-Markt in den vergangenen Monaten nach unten korrigiert, sie bleiben aber weiterhin positiv." Was die Bannerwerbung betreffe, werde natürlich irgendwann einmal eine Sättigungsgrenze erreicht. "Da die Schweiz in der Online-Werbung im internationalen Vergleich nachhinkt, besteht hier meiner Ansicht nach allerdings noch Nachholbedarf -- gerade auch gegenüber dem in der PWC-Studie erwähnten Online-Markt USA."
(Text: Stefan Wyss)
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