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Auch wenn Deutsche, Australier oder Briten Schweizer Agenturen nahezu überrennen, trifft man doch ab und zu einen helvetischen Patrioten, der die Werte unserer Alpenrepublik erhobenen Hauptes hochhält. Dies erkennt der aufmerksame Beobachter nicht allein am kreativen Output, denn auffällig stark wird mit Swissness geworben. Nein, der Heimat verbundene Agenturworker zeigt politisches Engagement, indem er, gleich seinen Politkollegen in Bern, sich mit einer Kampagne an das Volk wendet.
In diesen Tagen tut dies Remy Fabrikant, Boss der Werbeagentur JWT+H+F. Auf hunderten Plakaten, in Zeitungen und im Internet stellt Fabrikant die provozierende Frage: "Sind wir Schweizer alle Verbrecher?" Die dazugehörige Bildsprache sticht ins Auge: Eine Schweizer Familie geniesst ein Fondue und trägt dabei verbrechertypische Masken.
Fabrikant, ADC-Mitglied und Vollblutkreativer, wirbt nicht für schwarze Sturmmützen, sondern verfolgt damit ein anderes Ziel. Ihm scheint es, dass im Rummel um schamlose Banker und Steuerhinterziehung die Meinung des Normalbürgers auf der Strecke bleibt. Weiss auf Schwarz steht auf den Reklamewänden: "Jetzt reden wir mit! Das Bankgeheimnis und die Grundwerte der Schweiz stehen seit Wochen zur Diskussion, ohne dass jemand nach unserer Meinung gefragt hat."
Auf den Spuren des Schweizer Selbstverständnisses
Warum tut Remy Fabrikant das? Gegenüber "persoenlich.com" sagt er: "Die Unternehmen stehen in einem brutalen Verdrängungswettbewerb. Dieser ist nur so lange legitim, als dass alle Anspruchsgruppen der Gesellschaft davon profitieren und sich niemand seiner Existenz zu schämen braucht. In der aktuellen Debatte versuchen Classe politique und Hochfinanz nur ihre Eigeninteressen durchzuboxen. Was die Bürger wirklich denken, kommt überhaupt nicht zur Sprache. Das wollen wir ändern. Ab jetzt wird mitgeredet.“
Auf der Website www.sind-wir-schweizer-alle-verbrecher.ch will er eine parteiunabhängige Plattform bieten. Damit will er der Vox Populi Gehör verschaffen. Der Zweck ist die Kanalisierung und Bündelung der Meinungen. Fabrikant denkt, dass die Beantwortung der gestellten Fragen einen essentiellen Teil zur Definition des Schweizer Selbstverständnisses beitragen.
Mit dem Projekt verfolgt Fabrikant keine wirtschaftlichen Interessen. "Für die Lancierung dieser Kampagne konnte ich auf die Hilfe vieler Freunde und Kollegen zählen. Diesen Leuten war es wichtig, dass mit unserem Projekt kein wirtschaftliche Ziele verfolgt werden. Es geht uns darum, die Diskussion auf eine breite Basis zu stellen. Protestaktionen wie die von Ueli Maurer mit seinem Mercedes-Verzicht oder Thomas Müllers Nazivergleich tragen nichts Substanzielles bei.“
Mageres Interesse der Schweizer
Auf rund 700 Plakaten versucht Fabrikant nun die Schweizer zum Mitdiskutieren zu bewegen. Doch es scheint, dass sich die Schweizer nicht sonderlich für das Experiment interessieren. Bisher kann Fabrikant nur einen mässigen Erfolg ausweisen. Wie die Zahlen auf der Website zeigen, machten bis heute nur rund 700 User (Stand Freitag) bei der Umfrage mit. Eine Handvoll Bürger diskutiert auf der Plattform die gestellten Fragen.
Dennoch gibt sich der Chef von JWT+H+F zufrieden: "Blogger nehmen das Thema auf und führen die Diskussion weiter." In der Schweizer Presse wird die Aktion nur spärlich aufgegriffen. Einzig "Blick am Abend" widmete dem Projekt ein paar Zeilen. Was sich möglicherweise bald ändert, wenn es Fabrikant doch noch irgendwie gelingt, eine kritische Masse zu mobilisieren.
Apropos Medien: Die Idee, Schweizer Familien in Terroristenmützen zu stecken, hatte das Magazin des "Tages-Anzeigers" vor zwei Jahren auch schon. Damals titelte die Redaktion auf dem Cover: "Wir Abzocker". Im Artikel legte das Magazin dar, wie der brave Normalbürger, genau wie der fiese Manager, an allen Ecken und Enden trickst. Stellen wir die Frage deshalb ruhig nochmals: "Sind wir Schweizer alle Verbrecher?"
(Text: Christian Lüscher)
Aktuelle Kampagne: Remy Fabrikant sucht den Dialog in der Bevölkerung.
Antithese: "Das Magazin" steckt den Mittelstand in Verbrechermützen. Das Motiv: Der brave Bürger trickst genauso wie der schamlose Banker.
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[19.04.2009 - 11.48 Uhr]
Peter Graf
Über die Redlichkeit von Remy Fabrikants Motiven will ich mich gar nicht äussern: Allerdings finde ich es bezeichnend, auf was für einem tiefen intellektuellem Niveau diese Kampagne argumentiert. Kein Künstler (insbesondere Schriftsteller) würde sich solche ein billige und durchschaubare Aktion erlauben. Denn auf Indianer-Vergleiche mit Verbrecher-Spielchen zu antworten ... das ist Kindergarten. Aber na ja, ist ja nur Werbung, gell Herr Fabrikant?!? |
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[20.04.2009 - 11.33 Uhr]
Werner Müller
Dümmlich und blöd; diese 'Kampagne' braucht es nicht. Ich glaube viel mehr, dass sich da jemand mit allen Mitteln in Erinnerung rufen möchte.... |
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[20.04.2009 - 12.03 Uhr]
Peter Graf
Aha, da gibt es also noch einen anderen Peter Graf.
Lieber Remy, der Graf, der da am 19.4. seinen Kommentar abgegeben hat, bin ich nicht. Ich bin der echte Peter Graf, der Ex-GGKler aus Basel und ich finde es gut, dass überhaupt jemand etwas zu diesem Thema unternimmt.
Schöne Grüsse aus Basel. |
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[20.04.2009 - 15.39 Uhr]
Michel Girardin
Hallo Rémy
Find ich gut, was Du machst. Wird leider bei dieser hirntoten konsumverseuchten Gesellschaft kaum ankommen. Ausverkauf der Schweizer Firmen, Biometrischer Pass, Bankgeheimnis usw. Da muss man nicht SVP wählen, sondern klar denken.
Nimmt mich wunder, was wir eines Tages wirtschaftlich noch anzubieten haben, wenn der Banken- und Versicherungsplatz Schweiz nicht mehr relevant ist.
Liebe Grüsse Girardin, |
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