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Bei "persoenlich.com“ ging am Dienstag "dicke Post" ein. Gleich zwei Zeitungsredaktionen verschaffen ihrem Ärger Luft und üben den Aufstand. Die Redaktion des "Tages-Anzeiger" TA will sich nicht mit den angekündigten Sparmassnahmen inklusive massivem Stellenabbau abfinden. Betroffen sind gemäss Personalkommission rund 80 Festangestellte und freie Mitarbeitende. Mehr als die Hälfte des gesamten Personalabbaus -- 26 von 50 Vollzeitstellen -- muss die Regionalberichterstattung verkraften.
In Bern waren die Augen bisher vor allem auf die Zeitung "Der Bund" gerichtet. Tamedia stellte deren weitere Existenz in Frage, entschied sich aber schliesslich für das Weiterbestehen der Zeitung in enger Kooperation mit dem TA -- mit einem Stellenabbau auch beim "Bund" als Konsequenz, gegen den die Redaktion ebenfalls einen Protest platziert hat. "Im Schatten des 'Bund' vergass Tamedia die 'Berner Zeitung'", heisst es in einem anonymen Brief mit Absender "mehrere Redaktionsmitglieder der BZ". Dabei herrsche seit Monaten auf der Redaktion nur noch Frust und Unsicherheit.
Tagi-Redaktion spricht von unnötiger Amputation
In dieser Woche stehen beim TA von Mittwoch bis Freitag Entlassungsgespräche mit Redaktionsmitgliedern an. Der Konzern begründet diesen Abbau mit den schlechten wirtschaftlichen Aussichten: Ohne Abbau würde der TA Ende Jahr tiefrote Zahlen schreiben. Laut Personalkommission verweigert das Unternehmen aber präzise Angaben zum Ausmass der erwarteten Verluste.
Die Journalisten des TA seien sich bewusst, dass die bezahlten Zeitungen nicht nur in einer konjunkturellen Krise stecken, sondern sich auch in einem strukturellen Wandel befinden. "Doch weder die gegenwärtige allgemeine Rezession noch die zukünftige Zeitungentwicklung verlangen zum jetzigen Zeitpunkt eine derart massive Amputation", schreibt die Personalkommission in einer Mitteilung vom Dienstag. Tamedia betreibe ohne Not einen Stellenabbau auf Vorrat und vergrössere damit nur den Profit ihrer Eigentümer.
Um dies zu belegen rechnet die Personalkommission vor, dass Tamedia im vergangenen Jahr einen Gewinn von 105 Millionen Franken erzielt hat, wobei auch der TA mit seinem Gewinn dazu beigetragen habe. Das Medienhaus habe auch Geld, um bis 2011 einen fünfstöckigen Neubau durch einen Stararchitekten errichten zu lassen, ebenso bezahle Tamedia in den kommenden Jahren 226 Millionen Franken für den Kauf von Edipresse.
"Während über 100 Jahren war der 'Tages-Anzeiger' das finanzielle Rückgrat eines wachsenden Familienkonzerns. Alle Investitionen -- auch sehr teure
Irrtümer wie TV 3 -- wurden aus Gewinnen bezahlt, die der 'Tages-
Anzeiger' erwirtschaftet hatte", so die Personalkommission. Darum sei es jetzt an der Zeit, dass Tamedia seinen Angestellten den Respekt erweise, den sie verdienen.
Aus diesem Grund fordert die Redaktion des TA die Unternehmensleitung und den Verwaltungsrat der Tamedia auf für eine angemessene Übergangsfrist von mindestens zwei Jahren beim TA rote Zahlen in Kauf zu nehmen, den Stellenabbau zu verringern und gestaffelt vorzunehmen. Weiter sei die Zahl der Entlassungen
durch freiwillige Pensumreduktionen zu vermindern, offene Stellen im Unternehmen
Tamedia sollen stets zuerst TA-Redaktorinnen und -Redaktoren angeboten werden. Ferner sei Kurzarbeit zu prüfen. Um diese Forderungen zu unterstreichen, ging die Redaktion am Dienstag vor dem Gebäude der Tamedia auf die Strasse.
Leiser Protest bei der 'Berner Zeitung'
Währenddem in Zürich die Konflikte von einer geeinten Redaktion offen ausgetragen werden, ist die Situation bei der BZ aufgrund von drohenden Entlassungen ebenfalls angespannt: Wie Dokumente, die "persoenlich.com" vorliegen, aber zeigen, finden bei der BZ auch interne Gräbenkämpfe statt.
In einem Eintrag im internen BZ-Blog wird im Namen der "besorgten BZ-Redaktionsmitglieder" ein "Leiser Protest" -- so der Titel des Schreibens -- geäussert. Nicht nur bei "Bund" oder "Tages-Anzeiger" stünden Entlassungen und einschneidende strukturelle Veränderungen an, sondern auch bei der BZ. Aus dem Blog-Eintrag geht hervor, dass die BZ noch regionaler ausgerichtet werden soll, dass Stellen in der Sport- und der Online-Redaktion gestrichen werden und dass aus dem Mantelteam Leute für eine neu aufzubauende Community Plattform abgezweigt werden sollen.
Weil die Belegschaft der BZ nicht genügend informiert sei, herrsche Verunsicherung, Unverständnis und auch Ärger darüber, dass die BZ trotz überdurchschnittlichem Gewinn in ihrem Wirkungsfeld möglicherweise gestutzt werden soll. "Was als Neubelebung der publizistischen Konkurrenz von 'Bund' und BZ verkündet wurde, kommt vielen von uns eher als bewusste Einschränkung unserer Konkurrenzfähigkeit vor."
In seiner Antwort auf den Blog-Eintrag der Belegschaft entschuldigt sich BZ-Chefredaktor Michael Hug für die spärlichen Informationen. Er bestätigt, dass vier bis fünf Stellen in der BZ-Redaktion abgebaut werden sowie zwei Stellen bei der Online-Redaktion. Gleichzeitig würden drei neue Stellen in der neuen Schnittstellenredaktion oder Community Plattform aufgebaut. Diese Umstrukturierung soll noch im Mai erfolgen. Da der Sport künftig nicht mehr an den 'Bund' geliefert werde, fehle dort eine halbe Million Franken, die eingespart werden müssen. Gefährdet seien dadurch weitere drei Stellen. Hug schreibt, dass es bei der BZ aber insgesamt zu kaum mehr als drei Entlassungen kommen werde. Er erläutert auch noch weitere Veränderungen.
BZ-Redaktion gespalten
In einem Brief, der nicht im Namen der gesamten BZ-Belegschaft, sondern von mehreren Redaktorinnen und Redaktoren an "persoenlich.com“ geschickt wurde, wird deutlich, dass sich die BZ-Redaktion intern in verschiedene Fraktionen gespaltet hat und nicht als Einheit agiert. Aus dem leisen Protest wird ein lauter: "Neben den geldgierigen Verlegern macht auch unser Chefredaktor Michael Hug eine ganz schlechte Figur." Den Kurs, den er und Markus Eisenhut der Redaktion aufgezwungen hätten, werde von grossen Teilen der Redaktion nicht getragen.
Auf der BZ-Redaktion herrsche seit Monaten nur noch Frust und Unsicherheit. Es werden namentlich zehn Mitarbeiter aufgezählt, die innerhalb von einem Jahr der BZ den Rücken gekehrt haben. Die fehlenden Stellen seien wenn überhaupt mit miserablen Journalistinnen besetzt worden. Auch diese werden im anonymen Schreiben namentlich erwähnt -- und damit öffentlich angeschwärzt. Das Klima sei so schlecht, dass sich weitere Abgänge abzeichnen würden. Weiter vier Namen werden genannt.
Zwei Redaktionen von Zeitungen aus dem Hause Tamedia klagen gleichzeitig an. Beim TA mit geeinter Stimme, bei der BZ scheinbar in erster Linie jeder für sich. Für die Mitarbeiter ist zu hoffen, dass die Proteste etwas bewirken. In der Realität muss man das leider bezweifeln.
(Text: Stefan Wyss)
Karikatur aus dem Protestschreiben der Personalkommission des TA.
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[26.05.2009 - 12.18 Uhr]
Christof Moser
Wann stehen die Manager endlich hin und sagen, was sie angerichtet haben? Von wegen Wirtschaftskrise ... der Tagi muss sich totsparen, weil die Regionalisierungsstrategie ein Vollflop war. Da kann Markus Eisenhut noch lange grosse Töne spucken von wegen "Optimierung der Regionalberichterstattung." Wenn die Glaubwürdigkeit der Medienmanager tot ist, dann ist es logischerweise auch jene der Medien, die sie managen. Tamedia ist eine traurige Truppe und als Konzern eine intellektuelle Beleidigung. |
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[27.05.2009 - 9.29 Uhr]
Svenia Wenger
Statt das die BZ-Belegschaft zusammensteht, scheint sie sich zu mobben. Irgendwie passt das zum inhaltlich stramm rechten Kurs der Zeitung. Mein Mitleid hält sich in Grenzen. |
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