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Seit Mittwoch werden beim "Tages-Anzeiger" die ersten Entlassungsgespräche geführt, die sich noch bis Freitag hinziehen. Die Chefredaktion hat sich drei Tage dafür reserviert, um Kündigungen auszusprechen und die Mitarbeiter zu informieren. Über das Ausmass des Stellenabbaus war bislang wenig bekannt. Tamedia bezifferte ihn auf rund 50 Vollzeitstellen. Aus einem internen Schreiben, das "persoenlich.com" vorliegt, gehen nun die genauen Zahlen hervor. Insgesamt müssen 21 Frauen und 31 Männer mit einer Entlassung oder Frühpensionierung rechnen. Alles in allem sind 88 Personen vom Stellenabbau ganz oder teilweise betroffen.
Chefredaktion lehnt Vorschläge der Peko ab
Wie aus einer Antwort der "Tagi"-Chefs Rolf Bollmann, Res Strehle, Markus Eisenhut und Marcel Tappeiner an die Personalkommission hervorgeht, ist die TA-Führung offenbar nicht bereit, auf Vorschläge und einzelne Anfragen der Redaktion einzugehen. Um die Zahl der Entlassungen zu vermindern, forderte die Personalkommission (Peko) die Unternehmensleitung und den Verwaltungsrat der Tamedia auf, für eine angemessene Übergangsfrist von mindestens zwei Jahren beim TA rote Zahlen in Kauf zu nehmen, den Stellenabbau zu verringern und gestaffelt vorzunehmen. Weiter sei die Zahl der Entlassungen durch freiwillige Pensumreduktionen zu vermindern, offene Stellen im Unternehmen Tamedia sollen stets zuerst TA-Redaktorinnen und -Redaktoren angeboten werden. Ferner sei Kurzarbeit zu prüfen.
Alle Vorschläge wurden offenbar abgelehnt, die Budget-Vorgaben werden der Redaktion weiterhin vorenthalten. Zu den einzelnen Begründungen: Kurzarbeit lehnt die Chefredaktion kategorisch ab. Die Einführung von Kurzarbeit sei keine geeignete Massnahme, die Zahl der Entlassungen zu vermindern und die Folgen der Entlassungen zu mildern. Die Stellenreduktion beim "Tages-Anzeiger" ziele nicht darauf ab, die zeitlich begrenzten Folgen der aktuellen Rezession aufzufangen. Die Kostensenkungsmassnahmen seien so ausgelegt, den "Tages-Anzeiger" nach einer wirtschaftlichen Erholung nachhaltig finanziell erfolgreich weiter führen. Die gesetzliche Voraussetzung für die Einführung von Kurzarbeit, wonach ein Arbeitsausfall nur vorübergehend sein darf und erwartet werden darf, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben, sei damit nicht erfüllt. Zudem sei die allgemeine Einführung von Kurzarbeit nicht mit dem Produktionsablauf einer Redaktion zu vereinbaren.
Tamedia lehnt Neubesetzung interner Stellen ab
Auch internen Wechseln gegenüber zeigt sich die Chefredaktion skeptisch: "Tamedia ist immer bemüht, freie Stellen möglichst mit eigenen Mitarbeitenden zu besetzen. Allerdings sind die konkreten Anforderungen bei den jeweiligen Stellenbestzungen gerade im redaktionellen Umfeld sehr unterschiedlich. Letztendlich muss die Entscheidung über einer Neubesetzung immer bei der
Chefredaktion des entsprechenden Mediums verbleiben. Ein genereller Einstellungsstopp und eine zeitlich unlimitierte generelle Bevorzugung von TA-Redaktoren ist nicht möglich. Die Massnahme muss in der vorgeschlagenen Form abgewiesen werden."
Hatte Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer am Dienstag auf Anfrage von "persoenlich.com" eine freiwillige Reduktion von Arbeitspensen als Möglichkeit eingestuft, den Stellenabbau zu reduzieren, lehnt die TA-Führung diese Variante ab. Dies mit zum Teil den gleichen Argumenten wie bei der Absage an die Kurzarbeit: "Eine allgemeine, lineare Pensenreduktion aller Mitarbeitenden ist mit dem
Produktionsablauf einer Redaktion nicht zu vereinbaren." Die Chefredaktion habe bereits bei der Planung der Massnahmen zur Kostensenkung geprüft, in welchen Abteilungen durch Pensenreduktionen Entlassungen ganz oder teilweise vermieden werden können. Dies sei bei der Festlegung der geplanten Entlassungen bereits berücksichtigt worden.
Eine Umfrage der Personalkommission in der Redaktion des TA hatte ergeben, dass durch freiwillige Reduktion der Pensen, vorzeitige Pensionierungen sowie Austritt
aus dem Unternehmen, bei gleichzeitiger finanzieller Unterstützung für Umschulung, rund 27 Vollzeitstellen eingespart werden könnten. Die Antwort der TA-Führung: "Da die Personalkommission zu der von ihr vorgenommenen Umfrage keine konkreten Namen vorlegt, muss über die bereits von der Chefredaktion geprüften Pensenreduktionen hinaus diese Massnahme abgelehnt werden."
Stellenabbau beim 'Bund' fällt kleiner aus
Bessere Nachrichten gibt es aus Bern. In der Redaktion des "Bund" werden 14 Vollzeitstellen gestrichen statt der angekündigten 19. Betroffen sind 19 Personen, wie am Mittwoch bekannt wurde. Eine Solidaritätsaktion innerhalb der Redaktion vermochte zwei Stellen zu retten. Elf Redaktionsmitglieder des "Bund" hätten freiwillig ihr Pensum reduziert, sagte der Kommunikationsleiter Espace Media, Christopher Wehrli, auf Anfrage der SDA. So konnten 135 Stellenprozente gerettet werden, die auf zwei Personen entfallen. Die "Bund"-Redaktion hatte der Geschäftsleitung am Dienstag entsprechende Vorschläge unterbreitet, um Entlassungen zu verhindern.
(Text: Christian Lüscher, Stefan Wyss, SDA)
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