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Die "Jungfrau Zeitung" lanciert eine überarbeitete und erweiterte Medienplattform. Verleger Urs Gossweiler bezeichnet sie als die "umfangreichste und multimedialste lokale Newsplattform Europas" und zeigt sich im Gespräch mit "persoenlich.com" überzeugt, das erste erfolgreiche Online-Modell für einen Verlag gefunden zu haben. "Die 'Jungfrau Zeitung' wird hier einen 'Benchmark' setzen", so Gossweiler.
Herr Gossweiler, am Freitag haben Sie die neue multimediale Plattform der "Jungfrau Zeitung" lanciert. Um was geht es genau?
- Die Plattform verknüpft eine neu gestaltete Web-Site, einen Mobile-Channel, einen neuen Podcast-Dienst, den bestehenden Broadcast-Output sowie die Zeitung in Papierform.
Was ist so speziell daran?
- Sämtliche publizistischen Inhalte für die verschiedenen Kanäle werden von einer einzigen Redaktion erstellt. Auf der anderen Seite kommt die Werbung ebenso aus einer Hand. Das Ganze ist ein voll integriertes System. Dank einer neu entwickelten Werbeform ist es uns zudem möglich, Werbekunden unabhängig von der Entwicklung der gedruckten Zeitung halten und weiter ausbauen zu können.
Andere Verleger versuchen derzeit alles, um die gedruckte Zeitung zu retten.
- Im Moment hat man tatsächlich den Eindruck, dass gewisse Verleger ausschliesslich mit der Frage beschäftigt sind, wie man möglichst schnell ein Konjunkturpaket vom Bundesrat erhalten kann. Wir reiben uns die Augen, wenn wir sehen wie Verleger in den städtischen Gebieten nicht mehr auf ihre eigene Marktkraft vertrauen, sondern den Staat massiv um Hilfe beten. Ich spreche mich ganz klar gegen jegliche staatliche Stützungsmassnahmen für unsere Branche aus und stelle mich damit gegen das Manifest des Schweizerischen Zeitungsverlegerverbandes.
Warum so dezidiert?
- Hauptaufgabe des Verlegerverbandes ist die Verteidigung der Pressefreiheit. Es beisst sich, wenn man Pressefreiheit gegen staatliche Institutionen hochhält und gleichzeitig Geld vom Staat will. Das ist ein Widerspruch in sich. Zudem werden die Strukturprobleme unserer Branche durch staatliche Subventionen noch zementiert. Wir sollten uns als Unternehmer, die an die freie Marktwirtschaft glauben, darauf konzentrieren, wie wir diese Strukturherausforderung wahrnehmen. Die "Jungfrau Zeitung" glaubt daran, dass sie dank ihren technologischen, publizistischen und Werbeinnovationen eine Antwort gefunden hat, um die Krise ohne Staatshilfe zu überstehen.
Wie sieht diese Antwort konkret aus?
- Wir haben als erster Verlag eine Antwort auf Google gefunden. Es wird massiv unterschätzt, wieviel Markt die Suchmaschine den Verlegern wegschnappt. Google funktioniert über "search and find": Wenn ich einen publizistischen Beitrag suche, erhalte ich die passende Werbung dazu. Die "Jungfrau Zeitung" integriert neu ebenfalls eine Suchfunktion, die es erlaubt, auf sämtliche Artikel zuzugreifen. Es werden jedoch nicht nur redaktionelle Inhalte gefunden. Gibt man beispielsweise das Stichwort "Meiringen" ein, findet das System nebst Artikeln separiert dargestellt auch Gratulationen, Leserkommentare, Immobilienangebote oder aktuelle Gebrauchtwagenangebote, die im Zusammenhang mit der Region Meiringen stehen.
Sie haben auch eine neue Werbeform angesprochen, die es schafft, Werbeinnahmen der Printprodukte auf Online zu übertragen. Danach suchen derzeit noch alle anderen Verleger. Wie sieht das Modell aus?
- Statt mit nervigen Bannern, werben wir auch Online mit den Inseraten, die in der Printversion der "Jungfrau Zeitung" erscheinen. Die Print-Anzeigen werden in einem selbst entwickelten System erfasst und mit den Web-Sites der jeweiligen Anbietern verlinkt. Online bleiben die Anzeigen dann jeweils drei Tage. Wir haben so alle drei Tage mehr Wechsel der Werbeflächen als das "Newsnetz" der Tamedia in einem Monat.
Eigentlich eine ganz banale Idee.
- Total banal. Aber ich garantiere Ihnen, diese Banalität wird kopiert werden und zwar sowohl in der Schweiz als auch über die Grenzen hinaus. Die "Jungfrau Zeitung" wird hier einen "Benchmark" setzen. Es nimmt mich wunder, wie viel interne Sitzungen es in den grossen Verlagshäusern zur Umsetzung dieser Banalität bedarf.
Das klingt ein bisschen nach Schadenfreude?
- Wissen Sie, zwischen den Zeilen wird immer gelacht über uns. Ich weiss nicht, ob das an unserem Dialekt liegt oder daran, dass wir uns an einem Ort befinden, den niemand kennt. Schadenfreude würde ich es nicht nennen. Aber da ist schon eine grosse Genugtuung in unserem Team, dass wir nach langer und harter Arbeit nun tatsächlich etwas Einzigartiges geschafft haben, das in der Schweiz und im Ausland breit kopiert werden wird.
Im Gegensatz zu ihrem Modell der "Mikrozeitung", welches sie nie zu exportieren vermochten. Warum wollte niemand das Modell übernehmen?
- Wir haben intern einmal beschlossen, mit Journalisten nicht mehr über das Modell "Mikrozeitung" zu sprechen. Seit wir vor fünf Jahren die Idee lancierten, stossen wir damit auf taube Ohren. Warum sollte ich eine fünfjährige, permanente Niederlage noch kommentieren. Bei Roger Federer ist das anders: Der kann gut über eine Niederlage sprechen, denn jeder weiss, dass er danach wieder gewinnen wird. Zum Modell "Mikrozeitung" gibt es nichts mehr zu sagen. Es war wahrscheinlich noch nie ein Unternehmer so erfolglos, wie der Urs Gossweiler bei der Vermarktung seiner Mikrozeitung. Da wird man selbstironisch. Auf der einen Seite empfinde ich Unverständnis über mein anscheinend fehlendes Verkaufstalent (lacht) und auf der anderen Seite bin ich völlig konsterniert über meine Gesprächspartner, die das Modell "Mikrozeitung", mit dem wir im Mikrokosmos "Jungfrau" erfolgreich arbeiten, bis heute nicht begriffen haben.
Ihre unmittelbaren Konkurrenten in der Jungfrauregion sind unter anderem zwei Tamedia-Titel.
- Tamedia schnürt uns ein. Das Medienhaus hat die Tageszeitung "Berner Oberländer" inklusive den Abonnenten und der bestehenden Redaktion vor Ort gekauft. Sie betreibt eine sechsköpfige Aussenredaktion für das Jungfrau-Gebiet mit täglichen Splitausgaben. Wenn ich die Sparübungen beim "Bund" oder beim "Tagi" betrachte, ist es schon interessant, dass hier noch nichts gespart wurde.
Gleichzeitig beherrscht Tamedia in der Region mit dem "Amtsanzeiger Interlaken" ein amtliches Publikationsorgan.
- Im Kanton Bern sind die amtlichen Amtsanzeiger die Lizenz zum Töten. Daneben gibt es auch noch andere Konkurrenten. Wir können uns also wirklich nicht über mangelnden Wettbewerb beklagen. Das hat aber auch Vorteile: Man muss innovativ bleiben.
Tamedia hat nicht nur den "Berner Oberländer" gekauft, sondern die ganze Edipresse übernommen.
- Vor dieser unternehmerischen Entscheidung habe ich grössten Respekt. Und ich bin überzeugt, dass die Übernahme für die Schweiz eine hervorragende Entscheidung war.
Hervorragend?
- Ja und zwar insofern, dass wir zum ersten Mal die Chance haben, dass ein Medienhaus wirklich eine Brücke zwischen der Romandie und der Deutschschweiz schlägt. Ringier gelang dies ansatzweise, der SRG überhaupt nicht, obwohl es ihr Auftrag wäre. Für das gegenseitige Verständnis der Sprachregionen war die Übernahme grossartig. Der Zusammenhalt über die Sprachregionen wird umso mehr gefordert, wenn die Gewinne aus dem Finanzplatz wegbrechen.
Ihre allgemeine Prognose für die Schweizer Medienlandschaft?
- Es wird kälter in der Schweiz. Und zwar langfristig. Es wird interessant zu sehen, was passiert, wenn die Deutschen Verlage in der Schweiz auf Einkaufstour gehen wollen. Ich bin gespannt, welche Medienhäuser dann der Versuchung eines Verkaufs widerstehen können. Wir stehen vor grossen Veränderungen.
Sind Sie dafür gewappnet?
- Wir haben den Vorteil, dass kein deutscher Verlag Interesse an einem kleinen Medienhaus wie Gossweiler Medien hat (lacht). Wir werden deshalb nie in die Situation geraten, dass wir uns zwischen Unabhängigkeit und Reichtum entscheiden müssen. Das ist schon einmal ein beruhigendes Gefühl.
(Interview: Corinne Bauer)
Korrektur der Redaktion: Mit der Aussage "Gleichzeitig beherrscht Tamedia in der Region mit dem "Amtsanzeiger Interlaken" ein amtliches Publikationsorgan" ist der Redaktion ein Fehler unterlaufen. Der Anzeiger Amt Interlaken hat keine Verbindung zur Tamedia. Er wird von der Schlaefli & Maurer AG Interlaken, einer 100% Tochter der G. Maurer AG herausgegeben.
Wer bei der "Jungfrau Zeitung" online nach Themen sucht, bekommt wie bei Google auch passende Werbung dazu.
Printsujets werden auch online geschaltet.
Die "Jungfrau Zeitung" im neuen Ausgabechannel Mobile.
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[30.06.2009 - 8.59 Uhr]
Igor Neuffer
Offline-Inserat 1zu1 online stellen damit die nervigen Banner verschwinden und passende Suchresultate anzeigen lassen? Bin gespannt wie schnell Ihnen die Kunden aufs Dach steigen weil die Werbemittel überhaupt nicht mehr funktionieren. Grosse Ansage mit der "Antwort auf Google" sind ja das Eine. Aber darauf sollte schon was folgen.
Meine Meinung: Rohrkrepierer. Ganz sicher. |
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[30.06.2009 - 9.56 Uhr]
Konrad Maurer
Leider enthält dieser Artikel einige Falschaussagen.
So hat die Tamedia nicht den "Berner Oberländer" gekauft, sondern ist über eine Tochterfirma, die Schaer Thun AG, zu 50% an der "Berner Oberland Medien AG BOM" beteiligt. Die andern 50% der BOM AG sind im Eigentum der G. Maurer AG in Spiez, einer unabhängigen Familienaktiengesellschaft.
Die BOM AG ist die Verlegerin der beiden Titel "Thuner Tagblatt" und "Berner Oberländer".
Der Anzeiger Amt Interlaken hat keine Verbindung zur Tamedia. Er wird von der Schlaefli & Maurer AG Interlaken, einer 100% Tochter der G. Maurer AG herausgegeben.
Es ist zu hoffen, dass die übrigen Aussagen im Artikel treffsicherer sind. |
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[01.07.2009 - 15.31 Uhr]
Arno Buhl
Crossmedia ist doch kein neues Thema. Siehe http://tinyurl.com/medienmarken oder oder. |
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