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Herr Kohler, gemäss "persoenlich.com"-Informationen plant "20 Minuten"-Online den grossen Relaunch. Was erwartet uns?
- "Der grosse Relaunch" findet im ganz Kleinen statt. Wir ergänzen "20 Minuten"-Online mit einem Lokalportal für sämtliche Gemeinden der Schweiz. Der Start ist voraussichtlich Ende August.
Mehr lokale News: Heisst das, dass ich in Rapperswil eine andere Einstiegseite vorfinde als in Zürich?
- Nein, das heisst es nicht. Es heisst aber, dass Rapperswiler stets mit Neuigkeiten über Rapperswil rechnen können. Die Front bleibt weitgehend unverändert. Die User finden das Lokale dort wo es hingehört - im Lokalteil.
Man sagt, die neue Plattform stelle die Konkurrenz so ziemlich in den Schatten. Sehen Sie das auch so?
- "20 Minuten"-Online-Chefredaktor Hansi Voigt - die Idee der Lokalplattform kommt von ihm - wird sich freuen, dass allein die Ankündigung solche Kreise zieht. Aber die Idee hat in der Tat enormes Potenzial, sowohl im redaktionellen als auch im kommerziellen Bereich. Ich bin zuversichtlich, dass wir das Potential ausschöpfen werden. Voigts Strategien waren bisher immer erfolgreich.
Mit der Lokalstrategie konkurrenziert "20 Minuten"-Online das ebenfalls zur Tamedia gehörende Newsnetz.
- Ob lokal oder international: Wir konkurrenzieren uns sportlich und mit Respekt.
Journalistisch rivalisiert man sich. Für Unmut sorgte jüngst aber die Integration der Kleinanzeigen-Plattform Piazza. Das sei nicht sauber, so der Vorwurf der Kritiker. Ist er berechtigt?
- Nein, ist er nicht. Wieso sollen Kleinanzeigen nicht in einen Medientitel integriert werden. Ausserdem: "20 Minuten"-Online wäre auch ohne die Integration von Piazza die Nummer 1.
Nicht allein die User sollen von Neuerungen profitieren. Auch die Werbetreibenden können künftig auf "20 Minuten"-Online ähnlich wie bei Google werben. Erklären Sie uns das.
- Das Lokalportal ist für die Kundschaft die Rutschbahn vom Grossen ins Kleine. Die Werbebotschaften lokaler Kunden werden künftig, wie bei Google, nur an ein interessiertes Publikum ausgeliefert. Oder anders gesagt: Der Bäcker von Ostermundigen muss mit seiner Gipfeli-Reklame nicht mehr die User in Dietikon ansprechen.
Zur Printausgabe: Wie stark spürt die Gratiszeitung die Krise?
- Die Krise geht selbstverständlich auch an "20 Minuten" nicht spurlos vorbei. Nicht zuletzt im Stellenmarkt, in welchem wir im letzten Jahr entgegen der Marktentwicklung deutlich zugelegt haben. In diesem Segment sind wir aktuell genauso betroffen wie unsere Mitbewerber.
Bis vor Kurzem lieferte man sich in der Romandie mit "Le Matin Bleu" noch einen teuren Konkurrenzkampf. Welche Marke wird bleiben: "20 Minuten" oder "Le Matin Bleu"?
- Die beiden Titel werden, das Einverständnis der Wettbewerbskommission vorausgesetzt, fusioniert. Lassen Sie sich überraschen.
Wie beurteilen Sie den Gratiszeitungsmarkt generell?
- Trotz der bemerkenswerten Entwicklung der beiden Westschweizer Pendlerzeitungen im Lesermarkt muss man ganz klar sagen, dass der Werbemarkt für zwei Zeitungen zu klein ist. Der Markt ist überbesetzt. Das gilt, wenn man sich an internationalen Massstäben orientiert, auch für die Deutschschweiz. Mit Blick auf die absehbare Entwicklung der Pendlerströme in der Schweiz bin ich aber im Grundsatz sehr zuversichtlich. Insbesondere für den Marktführer.
Spüren Sie die Einstellung von ".ch"?
- Zunächst: Ich bedaure es, dass bei ".ch" rund 70 Arbeitsplätze verloren gegangen sind. Aber zu Ihrer Frage: Nein. Im Werbemarkt hatte sich ".ch" nicht in einem Masse etabliert, dass jetzt plötzlich grosse Budgets neu zu verteilen wären. Und im Lesermarkt hat sich ja auch kaum etwas verändert; Die "20 Minuten"-Boxen sind immer zuerst leer. Mit oder ohne ".ch"-Konkurrenz. Die Leser-pro-Exemplar-Werte werden bei uns aber sicher steigen. Was wir ".ch" zu verdanken haben, ist ein Mentalitätswandel. Wir waren lange Zeit ohne Konkurrenz im Pendlermarkt. Da läuft man Gefahr, träge zu werden. Wir haben aber seinerzeit den sehr selbstsicheren Start von ".ch" ernst genommen. Das gilt im übrigen für alle unsere Mitbewerber. "20 Minuten" hat die Konkurrenz angenommen und ist, so unbescheiden sind wir, dadurch besser geworden.
Gib es eigentlich noch Expansionsmöglichkeiten für "20 Minuten"?
- Ja, die gibt es. Und für den Markenverbund von "20 Minuten" ist es sehr wichtig, innovativ zu bleiben. Ich erinnere gerne daran, dass wir vor acht Monaten mitten in die von Ihnen genannte Krise mit "20 Minuten Friday" eine neues Magazin lanciert haben. Das Heft ist gut unterwegs und steht für die Innovationskraft von "20 Minuten".
Mit der Migros lag man jüngst bezüglich Werbekonditionen in der Fehde. Nun hat man sich offenbar geeinigt. Wie hat man sich gefunden?
- Indem man aufeinander zugegangen ist und einen für beide Seiten gangbaren Weg gefunden hat.
Wie stark ist man der Migros entgegen gekommen?
- Der Weg ist für uns gangbar.
(Interview via Mail: Christian Lüscher)
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[14.07.2009 - 7.30 Uhr]
David Meili
Das Konzept wurde bereits vor mehr als zehn Jahren in Grossbritannien lanciert. ich hätte die Lizenz für ca. CHF 40 000.- für dei Schweiz übernehmen können, doch kein Printverleger hat sich damals interessiert. Technisch ist es nach wie vor machbar. Das Problem heisst: all business is local. Ohne fair bezahlte Lokaljournalisten hat man auch keine attraktive Inhalte, und ohne Beziehungsnetz mit alten Füchsen keine Werbung. Zudem haben in Grossbritannien City-Blogs die Multimediaportale abglöst, diese gelten in der Szene längst als Dinos. |
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[14.07.2009 - 9.09 Uhr]
Rolando Baron
Gratulation. Genau der richtige Schritt. Wenn 20Minuten Online es wirklich schafft, lokalen Content anzubieten und die Leser dort abzuholen, wo sie sind, dann könnte das für Schweiz ein wegweisendes Projekt sein. Ein Projekt übrigens, dass schon so mancher Medienexperte angeregt hat:
"Die meisten Zeitungen produzieren Tag für Tag ein vollwertiges Nachrichtenangebot. Im Internet ist das nicht mehr nötig, weil der Rest der Welt nur einen Link entfernt ist.
Eine Regionalzeitung braucht im Internet keinen eigenen Kinokritiker mehr. Wozu Filme rezensieren, die im Internet und auch in den großen Zeitungen schon dutzendfach besprochen wurden? Im Internet gilt die Maxime: Tu nur das, was du am besten kannst. Für alles Übrige gibt es Links.
...
Dieses Nischengeschäft kann sehr profitabel sein. Wenn die Zeitungen die Gelegenheit nicht nutzen, werden andere es tun." (Jeff Jarvis)
(Wundere mich nur immer, dass es so lange dauert, bis bestimmte Ideen, die schon längst auf der Strasse liegen, auch umgesetzt werden. Man muss sich nur ein bisschen umschauen... denn zutun gibt es wahrlich noch genug.) |
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[14.07.2009 - 11.03 Uhr]
Sven Dirken
Das Medien-Netzwerk mediaquell (www.mediaquell.com) z.B. bietet schon länger auf internationaler Ebene globale, lokale und regionale Nachrichtenseiten, ebenso wie Themenseiten oder Online Magazine, deren Inhalte sich nach spezifischen Themenbereichen oder an geografische Zielgruppen richten.
Gleichzeitig werden globale und lokale Journalisten und Autoren in duzenden von Ländern ebenso involviert, wie Printmedien, Verlage oder neu auch Unternehmen (für verifizierte Unternehmensnachrichten) etc.
Und dies ist nur die Spitze des Eisberges, was in der Online Medienwelt draussen alles passiert. Ganz abgesehen von der Verbreitung und Positionierung der Inhalte.
Für klassische Schweizer Medientitel sind solche kleinen Ankündigungen schon mal "absolut bahnbrechend" zu bezeichnen. Es geht in die richtige Richtung, der Weg ist jedoch noch sehr weit. Wer über den Tellerrand hinaussieht, stellt fest, dass dies nur kleine Schritte sind.
Gratulation, dass 20 Minuten im Gegensatz zu anderen nicht stehen bleibt! |
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