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Herr Holenstein, die APG setzt zum wiederholten Mal auf den Teasermechanismus. Ist das die einzige Möglichkeit, die APG ins Gespräch zu bringen?
- Wir haben ja in den vergangenen Jahren auch "normale" Kampagne gefahren, die für Gesprächsstoff gesorgt haben. Ich erinnere hier an "Aufschwung-Ist", die Start-Ziel-Aktion, die Bären-Kampagne oder die Schweiz sucht eine neue Hauptstadt. Es ist aber schon so, dass Angie Becker und Ali Kebap mit Abstand für am meisten Gesprächsstoff gesorgt haben. Aus meiner Sicht ist der Teasermechanismus auch immer eine grosse Herausforderung. Gut gemacht, spricht jeder davon. Schlecht gemacht, "verpufft" die Wirkung sofort. Mit der aktuellen Kampagne bin ich hochzufrieden.
Die Kampagne erfreut sich in der Westschweizer einer grossen Beliebtheit. In Zürich hält sich die Begeisterung für den Kabap-Türken allerdings in Grenzen. Warum?
- Grundsätzlich ist Ali Kebap in der ganzen Schweiz ein Thema. Ich habe von überall Anfragen erhalten, sogar vom US-Sender NBC. Sie alle wollten wissen, wer hinter Ali Kebap steckt. Es ist tatsächlich so, dass die Westschweizer noch mehr gerätselt haben als die Deutschschweizer. Das ging sogar soweit, dass Ali Kebap in der Hauptausgabe der Tagesschau auf TSR thematisiert wurde. Vielleicht sind die Welschen offener gegenüber wirksamen Plakaten und Ausländer. Das ist aber nur eine These. Ehrlich gesagt, kann ich die Frage nicht genau beantworten. Der Werbedruck war in der ganzen Schweiz in etwa gleich.
Warum setzt die APG ausgerechnet auf einen übergewichtigen Türken?
- Die Idee kam von Publicis und hat uns sofort begeistert. Türkische Speisen sind ein Teil unserer Esskultur geworden. Des weitern steht Ali Kebap für ein Kleinstunternehmen welches dank Plakaten innert kurzer Zeit bereits expandieren kann. Egal ob in Oberwil-Lieli, Yverdon oder Zürich. Und am
wichtigsten: Die Botschaft ist ungemein plakativ, einfach und verständlich dargestellt - so wie ein Plakat sein muss. Auf der Strasse hat Ali eine grossartige Wirkung erzielt. Dazu gehört sicherlich auch die markante Erscheinung von Ali.
Hätte ein Schweizer Unternehmer nicht genau so gut für die Idee herhalten können?
- Gute Frage, die sich Publicis und wir auch überlegt haben. Aber Kebap und Döner war, als wir die Sujets gesehen haben, sofort gesetzt. Vielleicht, weil Döner-Stände ja klein sind und man das Gefühl hat, sie werden von Einzelkämpfer betrieben. Und genau hier beginnt nun, dank APG-Plakaten, die rasante "Tellerwäscher-Karriere" von Ali.
Die kommunizierte Erfolgsstory entspricht nun wirklich nicht der Realität. Oder sind Sie da entschieden anderer Meinung?
- Klar sprechen wir hier von einer fiktiven Geschichte. Aber: Ali Kebap hat es innert 14 Tagen geschafft, dass die ganze Schweiz über ihn gesprochen hat.
In vielen Blogs wurden Mutmassungen getroffen: Kommt eine neue Fastfood-Kette auf die Schweiz zu, steckt womöglich die SVP hinter dieser Kampagne? Jemand schrieb: "Der fällt sogar bei der Masse von bunten Ravern noch auf". Ehrlicherweise muss ich aber sagen, dass oft auch die APG dahinter vermutet wurde - dies in Anlehnung an die Angie Becker-Kampagne.
Angie Becker ist den meisten noch präsent, und dies nach 10 Jahren.
Teaserkampagnen sind zwar interessant, um Aufmerksamkeit zu generieren. Hat bis heute je ein Unternehmen solche Kampagnen lanciert?
- Ja, da gibt es verschiedene Beispiele. In jüngster Vergangenheit Pastorini mit den originellen "Holzplakaten", Tele 2 oder Love Life Stop Aids . Mir persönlich hat die Teaserkampagne von Rivella "Welche Farbe hat Dein Durst"
am besten gefallen.
Sie haben in den letzten Tagen viele Medienanfragen beantworten müssen. Gab es eigentlich auch negative Feedbacks?
- Wir wurden überhäuft mit Anfragen, sowohl von Medien als auch von privaten Personen. Da gibt es natürlich auch immer negative Reaktionen. Sie störten sich beispielsweise daran, dass Ali eine dreckige Schürze anhat oder der Döner nicht gerade appetlich aussehen würde. Aber im Grossen und Ganzen hatten die Leute Spass daran.
Es gab Trittbrettfahrer, welche die Aktion für sich nutzten. Ging die APG gegen sie vor?
- Sie meinen wahrscheinlich die Köchlistube-Aktion. Normalerweise sind wir kompromisslos, wenn unsere Flächen illegal überklebt oder beschädigt werden - dies zum Schutze unserer Kunden. Im vorliegenden Falle haben wir aber ein Auge zugedrückt. Einerseits war es wirklich witzig gemacht und hat Ali Kebap zu noch mehr Publicty verholfen. Andererseits waren wir ja der Auftraggeber der Ali-Kampagne.
Eigentlich stand ziemlich schnell für viele fest, dass die APG hinter der Aktion steckt. Was hat man falsch gemacht?
- Ich teile Ihre Meinung, was die Medienszene betrifft. In der breiten Bevölkerung waren die Spekulationen allerdings durchaus unterschiedlicher Natur. Viele Leute erinnerten sich aber an Angie Becker und auch dort war die APG mit Publicis hinter der Aktion gestanden. Und, obschon 10 Jahre her, wurde die Verbindung von Angie Becker zu Ali Kebap hergestellt.
Hat die APG die Kampagne gestartet, um die nicht gebuchten Plakatstellen zu füllen?
- Ich bin ehrlich: Nicht nur aber auch. Die Sommermonate sind eher flau und wir haben, vor allem auch jetzt in der rezessiven Phase, mehr freie Flächen als üblich. Aber eine gute Kampagne muss auch immer sorgfältig geplant werden, damit sie funktioniert.
Die APG musste vor Monaten Kurzarbeit einführen. Wie steht es um das Unternehmen heute?
- Die Kurzarbeit hält an. Die Reduzierung der Werbebudgets hat bei uns vor allem im Key Account-Bereich starke Auswirkungen zur Folge. Die zu Beginn des Jahres eingeleiteten Sparmassnahmen zeigen auf der Kostenseite aber positive Wirkung. Mit verschiedenen weiteren Massnahmen versuchen wir zudem, positive Signale im Markt zu verbreiten. Mit APG-Profitline ist uns das sehr gut gelungen. Und ich hoffe, dass der Erfolg von Ali Kebap Wirkung zeigt.
Sagen Sie uns, wie es mit Kebap-Ali weiter geht?
- Ich sage nur soviel: Es geht weiter. Lassen Sie sich überraschen. Ali Kebap wird noch im Gespräch bleiben.
(Interview: Christian Lüscher)
Die APG löst die Teaser-Kampagne auf: Ali expandiert mit seiner Kebap-Kette. Die Geschichte soll in den nächsten Tagen weiter gehen. Wie, das verrät die APG noch nicht.
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[17.08.2009 - 13.02 Uhr]
Anita Kittel
So grusig, dass es richtig schön ist ... |
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