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Heute erscheint die 230jährige NZZ mit neuer Blattarchitektur und verändertem Layout, am 29. September folgt der "Tages-Anzeiger", am 15. Oktober der Berner "Bund" und ebenfalls im Oktober der "Blick". So unterschiedlich diese Titel auch sind – die Hauptgründe für die Neugestaltungen sind dieselben: Die Werbekrise, der Aderlass in den Redaktionen und das veränderte Mediennutzungsverhalten. Beim "Blick" kommt das 50-Jahr-Jubiläum noch als Grund hinzu. Deshalb wird erst in eineinhalb Wochen dazu informiert. Fest steht aber: Das Ringier-Flaggschiff nimmt Abschied vom Tabloidformat und erhält zwei Bünde.
Anders beim "Tages-Anzeiger": Dieser reduziert von heute sechs auf vier Bünde. Der Inseraterückgang ist dafür der Hauptgrund. Verlagsleiter Marcel Tappeiner erklärt es so: Um einen Mindestumfang je Bund zu gewährleisten, seien bisher mehrere Seiten Eigenwerbung, also unbezahlter Platz, nötig gewesen. Mit neu vier Bünden "können wir auch viel Papier einsparen." Dass der "Bund" in Bern schon heute vier Faszikel hat, erleichterte die Sache, denn wegen der künftig engeren Kooperation zwischen den beiden Titeln war ohnehin eine Annhäheurng punkto Struktur und Layout angesagt.
Künftig wird der Bund immerhin etwa 60 Prozent seines Inhalts (primär im Mantelteil) aus Zürich beziehen, schätzt Bund-Chefredaktor Artur K. Vogel, wobei etwa die Hälfte davon auf Berner Verhältnisse angepasst werde. Kantonale und regionale Inhalte sowie einige Sonderseiten produziert man selbst. Der "Tages-Anzeiger" wiederum erhält etwa 10 Prozent seines Inhaltes vom Bund – primär Themen aus dem Bundeshaus und dem Kanton Bern.
Optisch sind bei den zwei Titeln zwar Veränderungen wahrnehmbar, Revolutionen bleiben aber aus. Die vielleicht markanteste Neuerung beim Tagi: Der Kommentar wird von der Front auf die Seite 2 verbannt. Dadurch könne man die erste Seite flexibler gestalten, sagt Chefredaktor Markus Eisenhut. Die Logos bleiben bei beiden Titeln unangetastet, der Umbruch wird fünfspaltig, die Titelschriften erhalten klare Hierarchien, der Weissraum und grafische Farbelemente nehmen zu. Bilder setzt man in Zukunft zurückhaltender ein – dafür eher grösser. Der Bund wird zudem durchgehend vierfarbig.
Gemäss Tamedia-Vorgaben muss sich der Bund künftig publizistisch noch stärker von der "Berner Zeitung" (BZ) im selben Verlag abheben. Er tut das, indem er die regionalen News um etwa 200 Seiten jährlich reduziert (um ca. ein Siebtel) und statt dessen dank Kooperation mit dem "Tages-Anzeiger" die Ausland- und Inland-Berichterstattung ausbaut. Ferner hat der "Bund" wieder eine eigene kleine Redaktion für den regionalen Sport. Trotz Abgrenzung bleibt es aber bei einer starken Symbiose: Nationale Werbekunden können den "Bund" weiterhin nur zusammen mit der "BZ" belegen.
Beim "Tages-Anzeiger" erfährt die Berichterstattung in den fünf Zürcher Regionalsplits dank der neuen Blattstruktur eine Aufwertung. Zum einen sind die regionalen Seiten neu im zweiten Bund statt im sechsten. Zweitens werden sie aktueller, denn ihr Redaktionsschluss wird von 19 Uhr auf 22 Uhr verschoben. Drittens kann die Redaktion neu regionale Aufmacher auf der "Tagi"-Front anreissen. Damit wird das Tamedia-Flaggschiff gegenüber dem regionalen Konkurrenten Zürcher LandZeitung mächtig aufholen. Der "Tagi"-Aufbau präsentiert sich bald wie folgt: Im ersten Bund sind Ausland, Inland und die "Kehrseite" untergebracht, dann folgt ein Regiosplit (Kanton und Lokales), der dritte Bund berichtet über Kultur & Gesellschaft und der Vierte über Wirtschaft und Sport, wobei die Rückseite dieses Bundes gleichzeitig die Auftaktseite des Sport ist (so wie es der "Bund" schon länger macht).
Beim "Tages-Anzeiger" wird eine deutliche Ausrichtung aufs Internetzeitalter spürbar, denn Markus Eisenhut betrachtet sein Blatt als Teil eines Medienverbundes – mit Gratiszeitung News, Regionalsplit, Onlineportal (Newsnetz) und Mobile-Services. Dieser Verbund erlaube es dem Tamedia-Flaggschiff, die bisherige Chronistenrolle weitgehend den andern Kanälen zu überlassen (ausser in den Regionalsplits) und sich auf die wichtigen Themen zu konzentrieren - mit Eigenleistungen und Recherchen. Eisenhut umschreibt das neue Zusammenspiel so: "Auf den Nachrichten-Teppich von News und Newsnetz stellt der Tages-Anzeiger seine selbstgezimmerten Möbel."
Folgende Designer und Werbagenturen sind an den Relaunches beteiligt: Der "Blick" lässt sein Outfit von der Berliner Designagentur KircherBurkhardt umgestalten, für die Relaunchkampagne ist Scholz & Friends Zürich zuständig. Beim "Tages-Anzeiger" und "Bund" legten die Zürcher Designer Daniel Stähli und Tom Menzi Hand an, die "Tagi"-Werbekampagne verantwortet Spillmann/Felser/Leo Burnett (SFLB). Und der "Bund" wählte die Berner Werbeagentur Contexta. (mk)
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