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Vielen Ringier-Angestellten dürfte es am Dienstagnachmittag etwas mulmig gewesen sein, als Ringier-Schweiz-Chef Marc Walder ins Bernhard Theater rief. Walder wollte über sein Prestigeprojekt "Newsroom" informieren. Künftig sollen die einzelnen Titel "Blick", "Blick am Abend", "Sonntagsblick" und die Blick.ch-Website vom Newsroom mit Geschichten bedient werden. Diese Umstellung hat allerdings eine weitere Entlassungswelle zur Folge, wollen die Ringier-Oberen redaktionelle Doppelspurigkeiten doch um jeden Preis verhindern.
Der von vielen Mitarbeitern befürchtete personelle Kahlschlag blieb jedoch am Dienstag vorerst aus. Die Ringier-Führung wollte die Katze noch nicht aus dem Sack lassen und informierten nur über den Projektstand. Walder sprach vor versammelter Mitarbeiterschaft dennoch Klartext: "Ich brauche niemanden, der sich bemitleidet, weil er in einen Newsroom muss." Der Plan Walders sieht vor, dass im März der Newsroom den Betrieb aufnimmt. Vorher soll eine Lightversion gefahren werden. Drei Monate lang dauert die Übergangszeit.
Wie Walder vor versammelter Mitarbeiterschaft sagte, würden die Titel künftig ihr Profil behalten. Die Chefredaktoren führen weiterhin ein Kernteam. Die Ressorts würden allerdings allen Titel zuliefern. Interessant ist, dass die Ressortleiter neu bestimmt werden. Bis am 13. November können sich Interessierte bewerben. Offenbar möchte man sich auch externen Bewerbungen nicht verschliessen. Die Bewerbungen müssen bei den jeweiligen Chefredaktoren eingereicht werden. Am 1. Dezember will Ringier die Ressortleiterposten bestimmt haben.
Am 1. Dezember trifft sich die Blick-Gruppe zur nächsten Informationsveranstaltung. Gegenüber "persoenlich.com" sagt Ringier-Sprecher Stefan Hackh, dass dann die Besetzungen der Ressortleiterposten kommuniziert werden. Über das Ausmass des Abbaus wird dann noch nicht informiert. Gegenwärtig klärt das Medienhaus ab, wie viele Stellen in den jeweiligen Ressort künftig nötig sind. Die Personalplanung soll am 16. Februar abgeschlossen sein. Erste Entlassungen würden voraussichtlich dann ausgesprochen.
Für Bedenken und Wehklagen hat Walder kein Verständnis. Bei der Mitarbeiterschaft hinterliess er einen entschlossenen Eindruck, die Umstrukturierung voranzutreiben. Dies unterstreicht folgende Aussage: "Ich habe viel Gejammer und viel Polemik gehört in letzter Zeit. Ich habe kein Verständnis für Gejammer oder Polemik, denn wenn das grösste Medienhaus die Bedürfnisse des Lesers nicht versteht und darauf reagiert, dann haben wir alle - ich inklusive - bald keinen Job mehr."
(Text: Christian Lüscher)
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