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Die Invalidenversicherung verteidigt die umstrittene Plakatkampagne, die seit zehn Tagen mit behindertenfeindlichen Sprüchen für Aufsehen sorgt. Laut IV-Chef Alard du Bois-Reymond können die Tabus und Vorurteile nur mit solchen Provokationen gebrochen werden. Er sei sich immer bewusst gewesen, dass die IV mit dieser Kampagne an die Grenze gehe, sagte du Bois-Reymond am Donnerstag vor den Medien in Bern. Für viele sei gar eine Schmerzgrenze erreicht oder überschritten worden. Bei Behinderten, die sich verletzt fühlten, möchte er sich entschuldigen.
In der Sache zeigte sich der Leiter des Geschäftsfelds IV des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) aber überzeugt, mit der Art der Kampagne richtig zu liegen. Ziel der IV sei die Wiedereingliederung von möglichst vielen Behinderten in die Arbeitswelt.
Um das zu erreichen, müsse bei den Nichtbehinderten ein Denkprozess ausgelöst werden, der dazu führe, dass personalverantwortliche Bewerbungsdossiers von Behinderten nicht einfach in den Papierkorb geworfen würden. Die grösste Hürde für Behinderte befinde sich in den Köpfen der Nichtbehinderten.
Mit den Provokationen hoffe er, dass diese Diskussion nun in Gang komme, verteidigte du Bois-Reymond die Kampagne, die von Behindertenverbänden scharf kritisiert wird. Bislang waren auf den Plakaten erst Vorurteile über Behinderte zu lesen. Es handelt sich dabei um Sprüche wie "Behinderte liegen uns nur auf der Tasche". Erst seit Donnerstag steht der Zusatz darunter, der das Vorurteil ins rechte Licht rückt: "wenn wir ihre Fähigkeiten nicht nutzen".
Nicht alle Behinderte stossen sich an der Kampagne. Der Leiter des Zentrums für selbstbestimmtes Leben Peter Wehrli, der selber auf den Rollstuhl angewiesen ist, beglückwünschte die IV für den Mut. "Endlich hat die IV den Stier bei den Hörnern gepackt", sagte er. Ständig seien die Behinderten Opfer von unausgesprochenen Vorurteilen. Ständig werde unterschwellig ein negatives Bild verbreitet, kritisierte Wehrli. Es sei an der Zeit gewesen, dass die Vorurteile offen auf den Tisch kämen, um sie in einer öffentlichen Diskussion ausräumen zu können.
Laut du Bois-Reymond zeigt das Medieninteresse, dass dies gelingen könnte. Die Kampagne ist die dritte Phase einer vierjährigen Medienkampagne, mit der die Invalidenversicherung die berufliche Integration von Behinderten fördern will. Pro Jahr gibt die IV dazu 1,5 Millionen Franken aus. (sda)
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