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Herr Siegenthaler, im Februar 2010 wollen Sie mit einem wöchentlichen Sportmagazin durchstarten. Wissen Sie schon, wie es konkret heissen wird?
- Das Projekt läuft unter dem Arbeitstitel "Sportwoche". Gut möglich, dass wir bei diesem Namen bleiben werden, denn der ist deutsch und deutlich. Wir testen zurzeit aber noch zwei weitere Namen, wobei es ja auch immer die Rechte abzuklären und darauf zu achten gilt, ob sich ein Name fürs Internet eignet beziehungsweise ob die URL zu haben ist. Ich möchte noch anmerken, dass wir nicht einfach ein weiteres Sportmagazin machen werden, sondern die einzige Sportzeitung der Schweiz. Die ist gleichzeitig auch das schnellste Sportmagazin des Landes, denn wenn die "Sportwoche" am Donnerstagmorgen am Kiosk und in den Briefkästen liegt, ist das Sportgeschehen vom späten Mittwochabend selbstverständlich auch drin.
Ulrich Kühne-Hellmessen, der Initiator und Herausgeber der Sportzeitung, hat vor kurzem im Interview mit "persoenlich.com" gesagt, der Druck würde auf drei Druckereien verteilt. Das klingt ähnlich abenteuerlich wie damals die Geschichte mit der Hauszustellung von ".ch"...
- Diese Aussage von Herrn Kühne-Hellmessen ist zum Glück nicht mehr aktuell. Zurzeit sieht es so aus, dass eine einzige Druckerei das ganze Produkt drucken kann. Das ist natürlich in unserem Sinn. Das technische Problem liegt darin begründet, dass wir unbedingt Magazin-Papier wollen, denn ein Tabloid-Produkt auf Zeitungspapier, das ist im Verständnis der Konsumenten mittlerweile ein Gratisprodukt. Weil wir die Mittwoch-Aktualität wie Länderspiele und Champions League-Runden aber unbedingt in der Zeitung haben wollen, ergeben sich aus drucktechnischen Gründen zeitliche Probleme. Diese Woche sind wir aber einen Riesenschritt weitergekommen.
Sie sind der Chefredaktor. Warum hat ein 96-seitiges Sportmagazin eine Daseinsberechtigung?
- Weil die schönste Nebensache der Welt auch in der Deutschschweiz viele Anhänger hat.
Weil wir auch die aktiven Sportler bedienen werden. Weil der Sport eine Unterhaltungsindustrie ist, in der Jahr für Jahr Milliarden umgesetzt werden. Weil wir mit den Institutionen des Sports – den Verbänden, den Vereinen und den Sponsoren – Partnerschaften eingehen, von denen alle Beteiligten profitieren werden. Und natürlich auch, weil wir den am Sport Interessierten Woche für Woche Fakten, Interviews, Storys, Hintergründe, Tipps, Rätsel und Serviceleistungen liefern werden, die sie sonst nirgends finden. Aus all diesen Gründen sind wir überzeugt, dass eine Sport-Wochenzeitung sehr wohl eine Daseinsberechtigung hat – im Gegensatz zu einer Sport-Tageszeitung, für die der Deutschschweizer Markt zu klein wäre.
Online soll die Zukunft sein. Warum ein Printprodukt?
- Wer weiss zurzeit im Medienbusiness schon, was die Zukunft sein soll?! Und das eine schliesst ja das andere nicht aus. Wir werden im nächsten Jahr eine Sport-Plattform mit dem besten und umfangreichsten Angebot der Schweiz aufbauen und verlinken. Unsere Abonnenten können sich dort in eine spezielle Member-Zone einklicken und von ebenso attraktiven wie exklusiven Angeboten profitieren. Wir werden auch mit bewegten Bildern arbeiten und im Internet eine Sport-Erlebniswelt schaffen. Und trotzdem sind wir der Überzeugung, dass die Menschen auch im 21. Jahrhundert nicht nur vor Bildschirmen sitzen wollen, sondern auch gerne ein gutes Buch oder eine inspirierte Zeitung zur Hand nehmen.
Sie wollen den Randsportarten mehr Beachtung schenken. Kommen diese zu kurz in den anderen Medien?
- Die Sportwelt verändert sich schneller als der Sportjournalismus. Nehmen wir
Unihockey: Diese Boom-Sportart hat in der Schweiz mittlerweile 70'000 lizenzierte Spielerinnen und Spieler, interessante Sponsoren und internationale Erfolge. Nur eines hat sie praktisch nicht: Medienbeachtung. In unserer fast hundert Seiten dicken Sportzeitung werden wir problemlos Platz finden, um über Sportarten wie Unihockey regelmässig und kompetent berichten zu können. Aber selbstverständlich werden auch bei uns die Mainstream-Sportarten Fussball, Eishockey, Ski, Tennis und Formel 1 das grösste Gewicht haben.
Gibt es ein Vorbild im Ausland, wie Sie das Magazin als Chefredaktor führen wollen?
- Vorbilder gibt es viele – zum Beispiel "L’Equipe" in Frankreich, die "Gazzetta dello Sport" in Italien oder "As" in Spanien. Aber auch Lifestyle-Zeitschriften und Wirtschafts-Magazine verfügen über Elemente und Formen, die für eine Sportzeitung interessant sind. Denn Sport ist ja nicht bloss Schweiss, Sieg und Niederlage. Sport ist auch Lifestyle, Gesundheit, Politik und Wirtschaft. Sport spiegelt das ganze Leben mit all seinen Facetten. So gesehen bewegt sich der Sportjournalismus der meisten Medien in einem zu engen Spielfeld. Wir werden den ganzen Raum ausnützen.
Inwiefern wird sich das Magazin von der üblichen Sportberichterstattung unterscheiden?
- Unsere Reporter gehen näher ran. Sie operieren nicht aus der Halbdistanz einer Pressetribüne und rennen nicht dem unsäglichen O-Ton nach, der in sogenannten Mixed-Zonen ausgesondert wird. Wir gehen den Geschichten hinter der Geschichte nach, zeigen wirtschaftliche Zusammenhänge, fragen kritisch nach und interessieren uns für die Menschen. Nehmen wir die Krise, in der die globalisierte Wirtschaft steckt. Diese Krise begann am 15. September 2008 mit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers. Wären wir schon auf dem Markt gewesen, hätten Sie in der "Sportwoche" Mitte September 2009 sechs Seiten lesen können zum Thema: "Ein Jahr nach Lehman Brothers. Wie hat sich die Krise auf den Sport ausgewirkt? Welche Sportarten leiden mehr? Welche weniger?" Als Sportjournalist sollte man auch mal mit Wirtschafts-Fachleuten und Politikern reden. Aber keine Angst: Wir werden auch die bekannten Disziplinen des Sportjournalismus betreiben. Wir werden Emotionen zeigen, Topstars interviewen, Prognosen machen, Features schreiben und Meinungen abdrucken.
Sie arbeiten gerade die Nullnummer aus. Wie weit sind Sie schon?
- Die Nullnummer ist praktisch fertig. Sobald wir uns für eine Druckerei entschieden haben, wird sie gedruckt.
Seit kurzem ist das Schweizer Sportfernsehen auf Sendung. Ein idealer Partner?
- Das Sportfernsehen ist wie wir ein neuer Player in der Sportmedien-Szene Schweiz. Wir wären doch blöd, wenn wir uns nicht gegenseitig helfen und promoten würden.
Der Verlag sucht noch Investoren. Finden die sich überhaupt, jetzt wo die Branche in einer tiefen Krise steckt?
- Es gibt in unserem reichen Land immer noch viele Menschen, die viel Geld haben und offen sind für interessante Projekte mit einem realistischen Businessplan.
Sie bauen eine siebenköpfige Redaktion auf. Bei den vielen Journalisten, die derzeit auf der Strasse stehen, können Sie sich frei bedienen, oder irre ich mich da?
- Sie irren sich leider nicht, es stehen tatsächlich viele Journalisten auf der Strasse. Das sind aber nur zum Teil die Richtigen, um ein Projekt wie die "Sportwoche" stemmen zu können. Ich habe mein Team aber zusammen und bin überzeugt: Diese Mannschaft wird einen guten Spirit haben und für viele positive Überraschungen gut sein.
Sie waren bei ".ch" stellvertretender Chefredaktor. Warum wollen Sie sich das nochmals antun und nochmals die ganze Energie in ein neues Printprodukt investieren?
- Weil es bedeutend mehr Spass macht, zusammen mit einem kleinen motivierten Team etwas aufzubauen als in einem grossen ratlosen Team beim Abbauen mitzuhelfen.
Der Blick-Sportchef-Posten ist frei. Bis am 23. November kann man sich bewerben.
Würde Sie das nicht wieder reizen?
- Ressortleiter Sport beim "Blick" ist sicher nicht der schlimmste Job, den man sich vorstellen kann. Damit ich mich ernsthaft mit der Frage hätte auseinandersetzen können, ob ich bei Ringier der Nachfolger meines Nachfolgers werden möchte, hätte dieser aber früher abtreten müssen. Ich bin mit Herzblut und Engagement mitten im Aufbau der ersten Schweizer Sportzeitung seit zehn Jahren. Und deshalb beantworte ich ihre Frage so: Nein, zurzeit reizt es mich nicht.
Konnten Sie ehemalige ".ch"-Kollegen für das Projekt gewinnen?
- Ja, denn auch bei ".ch" haben die intelligenteren Journalisten die Vorteile eines kleinen Start-up-Unternehmens sehr wohl zu schätzen gewusst. Wenn man etwas Neues aufbauen kann, ist man von einem ganz anderen Geist beseelt, als wenn man etwas Bestehendes abbauen muss.
Mit dem ".ch"-Flop konnten Sie Erfahrungen sammeln. Auch weniger gute. Was werden Sie anders machen?
- Unsere Sportzeitung und ".ch" lassen sich kaum vergleichen. Zum einen hatte der Versuch, in der Deutschschweiz eine zweite Gratiszeitung zu etablieren, ganz andere, grössere Dimensionen. Zum anderen können uns gewisse Fehler, die man bei ".ch" gemacht hat, gar nicht passieren. Wir kommen jedenfalls nicht auf die Idee, unsere Zeitung gratis abzugeben und eine eigene, teure Hauszustellung auf die Beine zu stellen.
Abschlussfrage: Mit welcher Art von Titelstory würden Sie das Magazin gerne lancieren?
- Mit einer Story, die man noch nirgends gelesen hat, die das Herz berührt, durch den Bauch in den Kopf geht und dort bei den Leserinnen und Lesern interessante Gedanken auslöst.
(Interview: Christian Lüscher, Foto: Ralph Diemer/Aargauer Zeitung)
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[13.11.2009 - 10.21 Uhr]
beat hürlimann
Die Idee mit dem Randsportarten-Fokus finde ich äusserst helvetisch und gut gemeint. Doch, lieber Herr Siegenthaler, wer um gotteswillen bucht die Inserate? Fragen Sie mal bei Ihren Berufskollegen nach. Fussball, Fussball, Fussball, Hockey, Hockey, Ski, Federer-Tennsi, F1, Schwingen plus ein par Event-Sportarten - that's it! Trotzdem oder gerade deshalb und weil ich ein Sport-(Blick)-Fan bin: Viel Erfolg. |
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[13.11.2009 - 16.11 Uhr]
Matthias Engel
Die Zeitung wird doch hoffentlich gehaltvoller als der Blick sein. Inwiefern unterschiedet sich das Projekt von Tip - Das Schweizer Sportmagazin? |
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