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Herr Görlach, Ihre Website ist seit wenigen Wochen online. Was ist "The European" genau?
- "The European" ist das erste Online-Magazin für den deutschen Markt. Wir geben den Stimmen das Wort, die wirklich von Bedeutung sind. Wir erleben, dass die grossen Titel ihre Ableger im Netz als Nachrichtenportale gestalten. Wir haben nicht die Nachricht im Blick, sondern das, was die Nachricht bedeutet.
Was macht "The European" besser als die grossen Printtitel?
- Print und Online sind zwei verschiedene Welten. Im Netz haben wir im Moment keine Mitbewerber. "The European" ist ein emotionales Projekt: Das Design, die Finalität der Seite: Auf einen Blick sieht der Leser all das, was neu und wichtig ist. Nachrichten bedeuten Suche – ein "lean forward" Produkt. Wir sind intelligentes Infotainment – ein "lean back" Produkt.
Gibt es Vorbilder?
- In Deutschland nicht. Deutung als Alleinstellungsmerkmal von journalistischem Schaffen im Internet gibt es in den USA beispielsweise mit "The Daily Beast".
Woher nehmen Sie die Zuversicht? Alle Anderen machen sich vor dem Internet in die Hose.
- Wir entsprechen mit "The European" dem Anspruch von Mediennutzern im Netz: Wir sind analytisch und streibar, aber auch optimistisch und leger.
Wie sieht das Finanzierungsmodell aus? Ist ein langer Atem gewährleistet?
- Wir setzen auf einen Mix aus Werbefinanzierung und Subscriber-Modell. Das Modell wird im Frühjahr nächstes Jahr in Kraft treten. Wir sind so lange durchfinanziert, wie wir brauchen, um das Produkt am Markt zu etablieren.
Noch kurz zur aktuellen Debatte: Momentan tendieren die grossen Medientitel wieder zu einem Paid Content Konzept im Internet. Längst überfällig oder widersinnig?
- Monetarisierung unserer Inhalte im Netz wird nur da gehen, wo Menschen ihr Portemonnaie dabei haben. Diese Marktplätze sind die sozialen Netzwerke. Wir versprechen uns viel von Micropayments auf Plattformen wie Facebook.
War es schwierig die namhaften deutschen Journalisten zur Mitarbeit zu bewegen?
- Nein. Ich bin froh, dass ich ein ganz hervorragendes und professionelles Team an Redakteuren und Autoren gewinnen konnte.
Ihre Website trägt einen englischen Titel, die Artikel sind jedoch in deutscher Sprache verfasst. Widerspricht das nicht ihrem Anspruch?
- Nein. "The European" illustriert unsere Haltung: Analytisch, streitbar, diskursiv und reflexiv. Alles Zuschreibungen der europäischen Geistesgeschichte. Diesen Anspruch heben wir unter dem Dach einer neuen Marke ins Netz: Der englische Namen unterstreicht unseren umfassenden Anspruch.
Wer ist Manne Dumke, der Herr, der bei Ihnen online aktuelle Geschehnisse kommentiert?
- In der Schweiz kennen Sie ihn sicher nicht. Er war der Rausschmeisser in einem sehr pointierten Medienmagazin im deutschen Fernsehen: Polylux. Wir haben mit den Machern von Polylux verabredet, für uns exklusiv Manne Dumke zu reaktivieren.
Ein humoristisches Kommentarfilmchen zum neuen Aussenminister, ein Fotoalbum zur Rave Society, eine Online Debatte zur Schweinegrippe. Wie passt das zusammen? Welchen Themen nimmt sich "The European" an?
- Die Themenvielfalt ist eines unserer Markenzeichen. Bei uns kommen die Themen vor, die in der Gesellschaft diskutiert werden: Das reicht vom Selbstmord Robert Enkes bis zu einer Debatte über das Monopol von Disney in unseren Kinderzimmern. Wir haben keine klassischen Ressorts mehr, sondern öffnen Zugänge zu Themen: Im Ressort Debatte über das Sachargument, im Ressort "Das Große Ganze" in magaziniger Aufbereitung, im Ressort "Köpfe", in dem wir die Leute vorstellen, die bei den Themen das Wesentliche bestimmen und zu sagen haben. Das Ressort "Einsichten" zieht visuell in die Themen.
Das Internet hat viele Vorteile gegenüber Printtiteln: Es ist schnell, multimedial, interaktiv. Doch die Journalisten müssen speziell geschult sein. Ein Printjournalist kann nicht einfach so mit der Videokamera losziehen und Web-TV produzieren. Wie geht man bei Ihnen damit um?
- Wir haben Kolleginnen und Kollegen, die schon für Online-Portale von "Die Zeit", "Stern" und "Fokus" gearbeitet haben. Darüber hinaus setzen wir auf eine Mischung von Autoren und Bloggern, die aus konventionellen Medien und neuen Medienformen kommen. Diese Gruppe gemeinsam schafft die Tonalität und das publizistisch Besondere von "The European".
(Interview: Adrian Schräder, Link: "The European")
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