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Fremde Leute kommentieren im Netz die Einkäufe, die man mit seiner Kreditkarte tätig. Klingt seltsam? Klingt nach einem weiteren Schritt der freiwilligen Preisgabe der Privatsphäre? Nun, es ist bereits Realität: Blippy heisst das neuste Spielzeug im Web 2.0. Während bei Datenschützer die Alarmglocken läuten, feiern verschiedene US-Medien und Blogs den Dienst momentan als nächsten grossen Wurft der Online-Welt. Seit Bekanntwerden Anfang Dezember sind Einladungen zu Blippy heiss begehrt. Angeblich soll sogar Britney Spears bereits Mitglied sein.
Die Idee des Internetnetzwerks ist simpel: Bei der Anmeldung gibt der User seine Kreditkartennummer und/oder Zugangsdaten für Internetkaufhäuser wie Amazon oder Apples iTunes-Store an. Alles, was er anschliessend dort einkauft oder in einem beliebigen Geschäft per Kreditkarte bezahlt, wird automatisch in seinem Profil auf der Website von Blippy veröffentlicht. Dort kann man dann sehen, wo er welche Dinge wann eingekauft hat und was sie gekostet haben. "Blip" steht im Englischen für einen Piepston - wie jenen, den die Supermarktkasse beim Scannen der Ware absondert.
Eine typische Blippy-Meldung sieht so aus: "Philip Kaplan hat gerade 178,51 Dollar im Aloft-Hotel ausgegeben. Er war dort zum ersten Mal Kunde." Die anderen Nutzer können das vermeintliche Schnäppchen online bewerten und kommentieren - dem Käufer also beispielsweise erzählen, dass sie ein viel besseres Hotel für viel weniger Geld kennen.
Auch Mitleidsbekundungen sind üblich - beispielsweise im Falle einer Telefonrechnung in Höhe von 398 Dollar, die in Kaplans Profil aufgetaucht ist. "Wir alle teilen deinen Schmerz", kommentiert etwa ein Nutzer namens "marcusbryan". Kaplan alias "Pud" ist einer der prominentesten Blippy-Nutzer - er hat das US-Unternehmen mitgegründet. Er sagt in Interviews, Einkäufe seien "viel interessanter, wenn sie öffentlich diskutiert werden können". Nach Kaplans Angaben hat Blippy bislang Umsätze im Wert von fünf Millionen Dollar registriert. Er rechnet damit, dass es bald eine Million Dollar täglich sein werden.
Noch sind es vor allem Kaplans Landsleute, die sich für den neuen Dienst begeistern lassen. Etwa 5000 Mitglieder zählt Blippy bislang. In Deutschland ist Blippy hingegen noch ein Geheimtipp. Da die Online-Registrierkasse bislang nur amerikanische Kreditkarten unterstützt, ist der Dienst hierzulande auf Einkäufe bei bestimmten Kaufhäusern limitiert: Amazon und der iTunes-Store werden unterstützt, auch das Ebay-Bezahlsystem Paypal ist mit von der Partie. In allen drei Fällen muss der Nutzer seine kompletten Zugangsdaten angeben.
Die Datenschutzaktivistin Rena Tangens hält die Teilnahme bei Blippy deshalb für verantwortungslos: Wer da mitmache, verdiene kein Mitleid, sagte sie. "Diese Leute dürfen sich nicht beschweren, wenn etwas Schlimmes mit ihren Daten passiert". Da sich anhand der Profile nachvollziehen lasse, wo Blippy-Nutzer regelmässig einkaufen, könnten Phishing-Attacken verübt werden, befürchtet Tangens. Dabei lotsen Betrüger ahnungslose Kunden auf gefälschte Internetseiten, wo sie zur Eingabe ihrer Logindaten aufgefordert werden.
Vorsicht sei auch deshalb geboten, weil die Macher von Blippy nichts über ihr Geschäftsmodell verraten. Auf Fragen, wie sie mit ihrem Dienst Geld verdienen wollen, reagiert das Unternehmen nicht. Tangens kritisiert, die Blippy-Nutzer würden dem Unternehmen "Rohmaterial für Werbekunden" liefern, ohne dafür einen echten Gegenwert zu bekommen. (jetzt.de/ads)
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