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Herr Wagner, Sie sind bei etwa 30 Firmen im Verwaltungsrat, zum Teil als Präsident oder Vizepräsident. Wie bringen Sie das nun mit der BZM unter einen Hut?
- Martin Wagner: Es handelt sich nicht um 30 Einzelunternehmen, sondern um Konzernstrukturen. Im Wesentlichen lassen sich die Mandate auf zwei oder drei Konzerndächer reduzieren.
Welche sind das?
- Die Constantin Mediengruppe und Axel Springer Schweiz.
Bei der Weltwoche Verlags AG sind Sie auch dabei?
- Ja, aber sie gehört Roger Köppel, ich besorge dort nur den Rechtsdienst.
Wird sich bei diesen Mandaten etwas ändern?
- Es kommt nun darauf an, wie der Umsetzungsprozess bei der BZM läuft, aber ich denke schon, dass da oder dort eine andere Lösung gefunden werden muss.
Matthias Hagemann sagte, dass es der BZM unter anderem an Kapital für Investitionen gefehlt hat. Sie und Herr Tettamanti bringen nun Geld. Aber was wollen Sie nun mit mehr Geld machen – abgesehen von der Schuldentilgung? Welches sind die konkreten Projekte?
- Herr Hagemann hat mit seinem Team und seiner Familie schon einen grossen Teil der Hausaufgaben erledigt. Er hat einen recht einschneidenden Restrukturierierungsprozess hinter sich. Nun können wir auf dem Erreichten aufbauen. Es ist nicht so, dass die Basler Zeitung Medien nun dringend Kapital benötigt, solches ist vorhanden. Aber die Fremdverschuldung ist hoch, sie muss abgebaut werden. Ich bin auch überzeugt, dass es noch Optimierungspotenzial gibt. Zudem gehe ich davon aus, dass die heutige Transaktion nun Kräfte freisetzt, denn der Verkaufsprozess und die Gerüchte haben das Unternehmen gelähmt.
Wie andere Tageszeitungen leidet die BaZ an einem Leser-, Auflage- und Inserateschwund. Erschwerend kommt hinzu, dass sie auch durch zwei Landesgrenzen eingeschränkt ist. Wo sehen Sie denn Potenzial für die Zeitung und für die ganze Gruppe?
- Ich bin überzeugt, dass eine Basler Zeitung, die für Basel einsteht, überlebensfähig ist. Im zweitgrössten Wirtschaftszentrum der Schweiz muss dies einfach möglich sein. Wenn die Basler zudem verstehen, dass der Verlust ihrer Zeitung im letzten Moment verhindert wurde, dann haben wir vielleicht einen etwas andern Approach: dass man diese Zeitung halt doch kauft und liest, dass man zu ihr Sorge trägt und bei ihr inseriert. Ich erwarte eine gewisse Unterstützung. Im übrigen kann sich die BaZ mit sinnvollen Kooperationen im Verlagsbereich so aufstellen, dass sie für die Inserenten ein wichtiger Partner bleibt.
Wie wollen Sie die Basler Zeitung gegenüber der Basellandschaftlichen Zeitung positionieren?
- Beide Zeitungen sind klar positioniert. Aber wir werden mit allen Verlagshäusern Gespräche führen, auch mit bz-Verleger Peter Wanner.
Reicht das? Braucht es nicht mehr? Zum Beispiel einen Deal mit Apple, dank dem die BaZ-Abonnenten günstiger zu iPads kommen – und Sie so schnell wie möglich die Druck- und Vertriebskosten der BaZ reduzieren können.
- Ein sehr sportlicher Vorschlag, den ich mir noch überlegen muss (schmunzelt). Aber ich glaube ans Modell Tageszeitung: Es wird weiterhin Tageszeitungen geben, wenn auch weniger. Ich glaube auch an den Qualitätsjournalismus. Aber Sie haben recht: Wir müssen schauen, welche Ertragsquellen möglicherweise noch stärker sind als das Basismodell. Man muss auch den Onlineteil rentabilisieren und zum Paid Content übergehen. Solche Modelle sind ja am Entstehen.
Da kommen Sie aber in den Clinch mit Tamedia, die im Newsnetz auf Gratiscontent setzt. Bricht die Kooperation auseinander?
- Nein, das ist eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Trotzdem soll man nach Optimierungspotenzial suchen können. Wir werden uns jetzt andere Unternehmenslösungen ansehen und überlegen, welche Massnahmen notwendig und welche Kooperationen möglich sind, um die Sache zu rentabilisieren. Wir haben viel Analysearbeit vor uns. Im Moment bin ich aber froh, dass bereits ein Restrukturierungsprozess stattgefunden hat und ich morgen nicht die Hälfte der Leute rausstellen muss. Denn wir sind auf dem Weg in die schwarzen Zahlen.
Ist das noch unsicher?
- So wie es aussieht, können wir das Geschäftsjahr 2009/10 wieder mit schwarzen Zahlen abschliessen.
Sehen Sie für die BZM Potenzial im Druckbereich?
- Wir haben in diesem Bereich sehr gute, langjährige Kundenbeziehungen und ich hoffe, dass wir sie festigen und ausbauen können. Aber ich bin in diesem Bereich kein Spezialist, ich muss zuerst mit meinen Fachleuten sprechen. Klar ist: Es gibt ein gewisses Uberangebot und ein Preisdruck. Und sicherlich gibt es auch hier Optimierungspotenzial.
Wenn ich Ihnen zuhöre, scheint mir, dass Ihr Entscheid, bei der BZM einzusteigen, auf erstaunlich wenig Substanz basiert. Sie haben doch sicher eine konkretere Strategie?
- Was heisst konkret? Sie wollen mir eine Strategie entlocken, die es nicht gibt. Unsere einzige Strategie ist es, die Basler Zeitung für Basel zu erhalten. Dies ist möglich, weil der Restrukturierungsprozess bereits stattgefunden hat. Ich muss nun nicht sofort alles verändern, sondern ich kann darauf aufbauen. Das ist doch sehr konkret. Wir lassen das Unternehmen bestehen, wie es ist, führen es in die Zukunft und schauen, was sich optimieren lässt. Nach der Vertragsunterzeichnung am Freitag kann ich doch nicht schon heute sagen, was anders gemacht werden soll, schon gar nicht, ohne zuvor mit den Mitarbeitern zu reden. Das wäre unfair.
Sie sind aber schon jahrelang bei der BZM und kennen das Unternehmen bestens. Ich gehe deshalb davon aus, dass Sie einiges Potenzial sehen, welches bisher mangels Geld nicht ausgeschöpft werden konnte.
- - Wenn man von Potenzial redet, muss man auch an die Menschen glauben in einem solchen Unternehmen. Ich sage Ihnen hier aber nochmals deutlich: Der ganze Verkaufsprozess und die Gerüchte haben das Unternehmen gelähmt. Nun werden endlich wieder Kräfte frei.
Die Medien, bei denen Sie bisher eingestiegen sind – Jean Frey AG, Radio Basilisk – haben Sie nach drei bis fünf Jahren wieder abgestossen. Wie lange wollen Sie bei der BZM bleiben?
- Das Engagement ist auf lange Sicht angelegt, sonst wäre es nicht glaubwürdig. Meine bisherigen Medien-Engagements hatten ja nie diese publizistische Dimension. Bei der BZM hingegen geht es um die Tageszeitung der Wirtschaftsregion Basel. Entsprechend gross ist das Medieninteresse, alles schaut nach Basel - ein willkommener Marketingeffekt für diese Zeitung. Diesen müssen wir nun nützen.
(Interview: Markus Knöpfli)
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