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Die Jahre 2005 bis 2008 waren für PresseTV (PTV) schwierig: Was das Verlegerfernsehen auch immer unternahm, seinen Formaten auf SF2 liefen die Zuschauer in Scharen davon: Wurde zum Beispiel die Sendung "GesundheitSprechstunde" (GES) 2005 noch von durchschnittlich 310 000 Personen vollständig gesehen (Erstausstrahlung und Wiederholungen), so schalteten drei Jahre später nur noch 169 000 Personen (-45 Prozent) ein. Nicht viel besser erging es "NZZ Format": 2004 erreichte die Sendung mit 124 000 Zuschauern ihren Höhepunkt, danach brach sie um 40 Prozent ein. Und die verschiedenen "Standpunkt"-Sendungen, die 2005 auf einen Durchschnitt von 45 000 Zuschauer kamen, erreichten 2008 noch knapp 35000 Personen (-22 Prozent).
Im Schatten von Musicstar & Co
Umso erstaunlicher ist nun die Wende vom letzten Jahr. Die durchschnittliche Zuschauerschaft bei GES (inklusive Wiederholungen) schnellte plötzlich auf 224 000 Personen, gegenüber 2008 ein Plus von 33 Prozent. Die Erstausstrahlungen allein legten um 56 Prozent auf 165 000 Personen zu. Und der Marktanteil verdreifachte sich gar von 6 auf 18,7 Prozent. Das war kein Einzelfall: "NZZ Format", das nicht wiederholt wird, steigerte sich um 35 Prozent auf 106 400 Personen, der Marktanteil stieg von 4,5 Prozent (2008) auf neu 17,4 Prozent. Und die spätabendlichen Sendungen "Bekanntmachung" und "NZZ Swiss made" legten bei den Zuschauern immerhin um gut 20 Prozent zu.
Um diese Trendumkehr zu verstehen, ist ein Blick in die Vergangenheit nötig: Lange wurden die PTV-Sendungen, die eher ein älteres Zielpublikum ansprechen, ausschliesslich am Wochenende auf SF2 ausgestrahlt, Als dann SF-Direktorin Ingrid Deltenre den zweiten Kanal verstärkt auf Sport und Jugend aus, sahen dort die PTV-Sendungen gemäss PTV-Geschäftsführer Hans-Jürg Deutsch "zunehmend alt" aus. Und als Deltenre dann immer häufiger am Sonntagabend auf SF1 attraktive Eigenproduktionen wie "Musicstar", "PISA", "GotthelfTV" oder "Giacobbo/Müller" programmierte, purzelten die PTV-Quoten erst recht.
Neuer Vertrag als Basis für steigende Quoten
Das Fundament für die Quotenwende wurde 2008 gelegt: Auf der Basis der neuen und flexibleren SRG-Konzession handelten SRG und PTV im Mai 2008 einen neuen Kooperationsvertrag aus. Dabei einigte man sich darauf, PTV-Sendungen ab 2009 dort zu platzieren, wo sie ihr Zielpublikum besser erreichen können – neu auch unter der Woche und teils sogar auf SF1. Bei GES kam es zudem zu einer Konzeptänderung: Statt wie zuvor 14täglich wird das Format seit einem Jahr wöchentlich, dafür kürzer, ausgestrahlt. Und erstmals vereinbarten SF und PTV für die einzelnen Sendungen auch (interne) Quotenziele.
Die jüngsten Zuschauergewinne sind nun direkt auf diese gemeinsame Programmplanung zurückzuführen. An der heutigen Pressekonferenz von PTV äusserte sich PTV-Geschäftsführer Hans-Jürg Deutsch entsprechend erfreut: "Nicht nur unsere Erstausstrahlungen weisen wieder steigende Zuschauerzahlen auf, unsere Sendungen - mit Ausnahme von CashTV - haben auch die gesetzten Quotenziele deutlich übertroffen", sagte er. NZZ Swiss Made habe gar den doppelten Wert erreicht.
Bei SF hingegen ist man zurückhaltender. Im SRG-Mitgliedermagazin LINK lässt sich SF-Direktor Ueli Haldimann bloss wie folgt zitieren: "Die Veränderungen bei PresseTV entsprechen unseren Erwartungen."
Wiederholungen sind hoch im Kurs
Die vier PTV-Sendungen GES, "CashTV", "MotorShow" sowie die diversen "Standpunkte" generieren dank ihren Wiederholungen auf SF2 und SF info ein recht ansehnliches Zusatzpublikum. "CashTV" kam im letzten Jahr auf 72000 Wiederholungszuschauer, fast gleich viel wie bei den Erstausstrahlungen (80 000 Personen). Bei der Autosendung "Motorshow" stehen sich Erstausstrahlungs- und Wiederholungspublikum gar im Verhältnis 40:60 gegenüber. GES wiederum spricht mit den Zweitausstrahlungen ein zusätzliches Publikum von 60 000 Personen an (+27 Prozent). Anders die "Standpunkte", sie genierten bisher kaum Zusatzpublikum.
Interessant: Die Wiederholungsseher blieben über die Jahre relativ stabil. Es waren also primär die Erstausstrahlungen, die unter dem Zuschauerschwund litten (siehe Grafiken "CashTV", GES und "Motorshow"). Das zeigt aber auch, dass jene, die auf die Erstausstrahlung verzichteten, sich nicht in Scharen den Zweitausstrahlungen zuwandten, um Verpasstes nachzuholen. Mit einer Ausnahme: Bei "Motorshow" ist eine deutliche Verlagerung hin zu den Wiederholungen feststellbar, insbesondere im letzten Jahr. Zu erwähnen ist allerdings, dass in diesen Zahlen die Nutzung der PTV-Sendungen über Internet nicht enthalten sind. Gemäss PTV ist auch hier ein Aufwärtstrend zu beobachten.
Fünf Millionen von der SRG
PresseTV wurde 1995 gegründet, heute sind Ringier und NZZ zu je 30 Prozent, die Firma DCTP, ein Konsortium deutscher Verlage, zu 20 Prozent und die Basler Zeitung Medien sowie Axel Springer Schweiz zu je 10 Prozent beteiligt. Gemäss Vertrag mit der SRG liefert PTV dem Schweizer Fernsehen pro Jahr insgesamt 8500 Sendeminuten und erhält dafür rund 5 Millionen Franken. Mit den Wiederholungen steht SF allerdings mehr als das Doppelte an Sendezeit zur Verfügung. Auch gehen sämtliche Werbeeinnahmen aus dem Umfeld der PTV-Sendungen an die SF-Vermarkterin Publisuisse.
(Text: Markus Knöpfli)
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