05.11.2013

Farner/Kuble

PR-Agentur lanciert Journalisten-Hitparade

Daniel Jörg und Christoph Hess erklären, wie das neue Ranglisten-Tool funktioniert.
Farner/Kuble: PR-Agentur lanciert Journalisten-Hitparade

Das "Blick"-Interview mit Fussballtrainer Marcel Koller über seinen "schwierigsten Entscheid" steht momentan ganz oben auf dem Podest. Auf der heute neu lancierten Webseite Themenpuls.ch hat der Text von Fussball-Journalist Andreas Böni die Nase vorn. Welcher Beitrag wird es morgen sein? Ab sofort bietet Themenpuls.ch laufend aktualisierte Daten, die Aufschluss über besonders stark diskutierte Themen geben. Werden deshalb bald Sorgenbarometer und Meinungsumfragen überflüssig? Im Interview erklären Daniel Jörg von Farner (links) und Christoph Hess von Kuble wie Journalisten, Kommunikationsverantwortliche oder PR-Strategen das Ranglisten-Tool nutzen können. 

Herr Jörg und Herr Hess, Themenpuls.ch ist laut Eigendeklaration ein "Onlineportal, das aufzeigt, was die Schweiz bewegt". Was genau ist Sinn und Zweck dieser Plattform?
Daniel Jörg: Themenpuls.ch schafft Orientierung in der täglichen Nachrichtenflut. Die grössten Newsplattformen der Schweiz publizieren jede Woche tausende neuer Stories. Aber welche Artikel, Newsmeldungen und Inhalte in dieser Flut werden nicht nur gelesen, sondern von Lesern persönlich weiterempfohlen und kommentiert? Wir sind überzeugt, dass nur Beiträge, die bewegen, auch geteilt und kommentiert werden. In diesem Sinne geht Themenpuls.ch der Frage nach, welche Stories die Schweiz bewegen. 

Wie genau wollen Sie die Nachrichtenflut überblickbar machen?
DJ: Um das aufzuzeigen, aggregieren und analysieren wir täglich Tausende Share-, Like-, Tweet- und Kommentar-Aktionen auf Facebook, Twitter und Google+ sowie auf den einzelnen News-Plattformen selbst. Basierend auf diesen Daten erstellen wir dann spezifische Story-Ranglisten. Auf Themenpuls.ch sieht man also, welche Medieninhalte die Schweiz in einzelnen Ressorts - wie Inland, Wirtschaft oder Sport - bewegen. Man kann zudem Sprachregionen-Vergleiche machen oder Ranglisten nach spezifischen Themen erstellen, wie etwa zur die “1:12” Initiative oder dem “FA 18 Absturz”.

Die Rankings sollen also einen raschen Überblick ermöglichen.
DJ: Ja, aber wir wollen nicht nur Zahlen zusammenfassen und Ranglisten erstellen, sondern die Themen auch diskutieren und verorten. Das werden wir via Blog und Social Media tun. Auf dem Themenpuls.ch-Blog werden regelmässig Wochen-, Monats- und Quartalsrückblicke publiziert sowie spezifische Diskussionen zu auffallend stark bewegenden Ereignissen lanciert. Bei diesen werden, wo immer möglich, Gesprächspartner aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft, Medien oder der Wissenschaft involviert. 

Ist dieses Portal für PR-Strategen, Kampagnenverantwortliche oder Onlinejournalisten gedacht oder wer genau soll Ihr Angebot nutzen?
DJ: Themenpuls.ch hat das Zeug dazu, die neue Morgenschau für alle Leserinnen und Leser zu werden sowie ein Recherche- und Insights-Werkzeug für Medienschaffende und Kommunikationsverantwortliche. Für interessierte Leserinnen und Leser bieten wir einen schnellen Überblick über die interessantesten News – spezifisch nach Ressorts und Themen. Das ist sowohl für den Politik-Interessierten nützlich, der sehen will, welche Stories zur “1:12” Initiative bewegen, als auch für den Fussball-Fan, der sehen will, welche Ereignisse die Super-League bewegen. Journalisten und Medienproduzenten können zum ersten Mal direkt vergleichen, was ihre Geschichten im Vergleich zu den Mitbewerbern auslösen. Das verschafft Benchmarks und Insights zur Frage, welche Themen, Perspektiven und Aufbereitungsformen bei den Lesern die stärkste Wirkung haben. Für Kommunikationsverantwortliche ist unser Service nützlich, da er ihnen hilft, besser zu verstehen, wie man Inhalte erarbeitet, die von Lesern als so relevant erachtet werden, dass sie diese kommentieren oder verbreiten. 

Im aktuellen Ranking steht ein "Blick"-Text an erster Stelle, vor "Tages-Anzeiger" (vgl. Abb. oben). Aber warum sollen Journalisten- oder Redaktionen-Rankings stärker interessieren als die Inhalte einer Tageszeitung oder eines Wochenmagazins?
Christoph Hess: Unsere Plattform ist ganz klar keine Konkurrenz zu Tageszeitungen oder Wochenmagazinen. Vielmehr möchten wir zusätzliche Übersicht schaffen. Dadurch wird es für alle Interessierten einfacher, die für sie relevanten Inhalte zu finden, die anschliessend nicht auf Themenpuls.ch, sondern weiterhin auf den Newsplattformen konsumiert werden.

An welchen internationalen Vorbildern orientierten Sie sich mit Ihrer Idee?
ChH: In Deutschland gibt es mit www.10000flies.de eine vergleichbare Plattform. In den USA basieren BuzzFeed und Reddit auf ähnlichen Mechanismen. Unsere Plattform unterscheidet sich dahingehend, dass wir uns an den Ressorts der Newsplattformen orientieren, und darüber hinaus jedes Ranking und jeden Artikel in einen Kontext stellen mithilfe der manuell codierten Themen und weiteren Inhalten, die wir kuratieren. Auch der Blog schafft einen Mehrwert.

Werden durch Ihr Onlineportal Meinungsumfragen, GfS-Studien oder das "Jahrbuch Qualität der Medien" überflüssig?
DJ: Ganz klar: nein. Mit Themenpuls.ch wollen wir keine Alternative zu klassisch durchgeführten qualitativen und quantitativen Erhebungen anbieten. Es gibt viele wertvolle Erhebungs- und Bewertungsmöglichkeiten zu Relevanz und Qualität von Medieninhalten. Vom alljährlich durchgeführten Sorgenbarometer von GfS bis zum von Ihnen angesprochenen “Jahrbuch Qualität der Medien” des Fög.

Themenpuls.ch ist also eher eine Ergänzung.
DJ: Ja. Wir wollen überprüfen und diskutieren, ob die Einsichten, die wir mit Themenpuls.ch generieren, mit den etablierten Studien übereinstimmen. Konkret: Sind die Medieninhalte und Themen, welche wir Schweizer täglich teilen und kommentieren, auch die Themen, welche uns gemäss dem Sorgenbarometer beschäftigen? Es wird spannend sein, dies zu überprüfen. 

Ist Ihr eigener Anspruch "zu zeigen, was die Schweiz bewegt" nicht etwas hoch gegriffen? Sie erfassen ja lediglich Online-Interaktionen der 27 grössten Portale. Zudem wissen alle Newsplattformen-Verantwortlichen, wie häufig sich in Kommentarforen, über Facebook und Twitter politisch motivierte oder bezahlte Schreiber tummeln.
ChH: Für uns ist Themenpuls.ch ein vielseitig einsetzbares Research- und Insights-Tool. Entsprechend erhoffen wir uns von den Daten vielseitige Einsichten und Erkenntnisse. Unter anderem wollen wir damit eben die These überprüfen, ob das, was wir täglich im Social Web teilen und kommentieren, auch das ist, was uns bewegt. Die Plattform alleine wird die Antwort darauf nicht liefern. Es wird die etablierten Messinstrumente aber um spannende Einsichten ergänzen. Das Team hinter Themenpuls.ch bewegt sich seit Jahren im Social Web. Wir können deshalb sowohl die Chancen, als auch die Risiken einschätzen. Beim Social Web handelt es sich nicht um eine Parallelwelt, sondern um einen im Alltag vieler Menschen fest verankerten Bezugspunkt, der zum Beispiel den Stammtisch erweitert hat. Dort werden die News einfach ohne Internet geliked, geshared und kommentiert. 

Wie werden die Rankings erstellt? Was geschieht automatisiert, respektive manuell?
ChH: Es gibt zwei automatisierte Prozesse: Einerseits werden über RSS-Feeds die Artikel erfasst, die auf den News-Plattformen publiziert werden. Andererseits werden Daten zu Likes, Tweets, Shares und Kommentaren gesammelt, auf denen die Rankings basieren. Manuell erstellen wir Themen, die neben Ressort, Quelle, Autor und Publikationszeitpunkt als zusätzliche Kategorien im Filter auftauchen. Jedem Thema werden alle thematisch verwandten Artikel zugewiesen. Darüber hinaus recherchieren wir passende Tweets und zusätzliche Inhalte, die zum Thema passen. Dieses Setup basiert auf Drupal (Content Management System) und Podio, einer multifunktionalen Plattform, die sich für die redaktionelle Zusammenarbeit eignet.

Der Aufwand für die Programmierung und weitere Betreuung scheint ziemlich gross. Können Sie den bisherigen Aufwand beziffern?
ChH: Das erste Mal über Themenpuls.ch gesprochen haben wir im April 2013. Nach einer kurzen Diskussions- und Konzeptionsphase wurde die Webapplikation innerhalb von rund vier Monaten entwickelt. Insgesamt sind gut 15 Personen mehr oder weniger intensiv in Themenpuls.ch involviert.

Das Kernteam für Strategie und Konzeption umfasst auf Seiten Farner Daniel Jörg (links im Bild) und Roman Geiser, auf Seiten Kuble Gustavo Salami (zweiter von links) und Christoph Hess (fünfter von links). Für die Realisation zeichnet das Developer Team von Kuble verantwortlich. Die manuelle Themen-Codierung erfolgt durch ein gemischtes, virtuell verknüpftes Team von rund 15 Mitarbeitenden. (zVg)

Warum betreiben Farner und Kuble einen solch enormen Aufwand für diese Plattform?
DJ: Unser Medienverhalten und damit die gesamte Medienbranche befinden sich in einem einschneidenden Veränderungsprozess.

ChH: Als Kommunikationsdienstleister müssen wir diesen Wandel verstehen und mitgestalten. Wir haben ein Tool geschaffen, das einen Beitrag dazu leisten kann. In diesem Sinne ist die Antwort auf Ihre Frage einfach: Wir haben in Themenpuls.ch investiert, weil der Service einen Nutzen stiftet. Für interessierte Leserinnen und Leser, Medienschaffende sowie für Unternehmen und Organisationen. 

Wie wollen Sie Geld damit verdienen?
DJ: Geldverdienen steht momentan nicht im Vordergrund, wir fokussieren uns zuerst auf den Aufbau und die Etablierung. Themenpuls.ch soll zur jener Plattform werden, auf der bewegende Themen und deren Leserreaktionen diskutiert und verortet werden. Zudem sind wir fest davon überzeugt, dass erfolgreiche Kommunikationsstrategien heute immer auf Research & Analytics basieren. Wir gehen davon aus, dass uns Themenpuls.ch genau dafür nützliche Daten und Erkenntnisse liefert.

Womit sind Sie momentan noch nicht ganz zufrieden? 
ChH: Mit der Lancierung haben wir einen wichtigen Meilenstein erreicht, über den wir uns erstmal freuen. In den nächsten Wochen kümmern wir uns vor allem darum, den Blog als relevante Informationsquelle zu positionieren, wo man unter anderem Wochen-, Monats- und Quartalsrückblicke lesen kann. In technischer Hinsicht steht die Weiterentwicklung der Quellenbasis weit oben auf der Prioritätenliste. Wir sind jederzeit bereit, zusätzliche Quellen ins Setup einzubeziehen, die Nutzer können über die Plattform Quellen vorschlagen. Zudem denken wir über spezifische, vertikale Rankings nach. Zum Beispiel Schweizer Blog-Charts.

Weitere Informationen finden Sie auf themenpuls.ch und blog.themenpuls.ch.

Interview: Edith Hollenstein, Bilder: zVg

 



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