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Ein No-Go bei «Glanz & Gloria»

Seit Jahren engagiert SRF immer wieder Gast-Moderatoren und -Moderatorinnen für «Glanz & Gloria». Grosse Talente konnte ich darunter bislang nicht entdecken. Mit einer Ausnahme: Joël von Mutzenbecher. Der Sohn des ehemaligen Radio- und Fernseh-Moderators Heinz Margot trumpfte vor eineinhalb Jahren zünftig auf. Der Basler wäre eine optimale Wahl für die TV-Unterhaltung.

Vergangene Woche durfte Bettina Bestgen das People-Magazin präsentieren. Dies zuvor: Der Rabaukin von Radio SRF Virus fehlen Talent und Potenzial, dereinst auch nur entfernt an Annina Frey oder gar an Viola Tami heranzukommen. Dafür zeigte Bestgen ärmellos ihre grossflächigen farbigen Tattoos auf Aussen- und Innenseiten ihrer Arme – und auf ihrer Schulter: Indianerhäuptling mit vielen bunten Federn, Vögeln, Totenköpfen usw. Dazu ein auffälliges Nasen-Piercing. Ein solcher Moderatoren-Auftritt wäre bei keinem deutschen Sender möglich.

Freitagabend durfte Bestgen für «G & G» von der Eröffnung des Schweizer Filmpreises in Genf berichten. Wie eine kichernde Sek-Schülerin interviewte sie Bundesrat Alain Berset und danach ihren Boss, SRG-Generaldirektor Roger de Weck. Berset blieb charmant wie immer, de Weck ging es in der Kürze der Zeit bloss darum, noch eiligst «seine» SRG für ihre Unterstützung des Schweizer Filmschaffens selbst zu loben.

Sorry, aber eine so überladen «bemalte» Moderatorin lässt man nicht an einen Bundesrat ran. Und überhaupt nicht vor die Kamera. Tätowierungen waren einst der Körperschmuck der Unterwelt, ein Zeichen von Knastis und Matrosen. Inzwischen sind Tattoos längst im Mainstream angekommen. Heute ist etwa jeder zehnte SchweizerIn tätowiert. No problem. Alles Geschmackssache. Jedem das Seine. Dezente Tatoos wie etwa das Bändchen am rechten Oberarm von Michelle Hunziker oder solche an schönen Fussgelenken finde ich sogar sexy.

Laut Psychologen lassen sich Menschen tätowieren, weil sie damit ihre Einzigartigkeit zum Ausdruck bringen wollen. Eine weitere Rolle spielen Identitätsfindung, ein Drang nach Individualität und eine Form von Rebellion. Andere lassen sich offenbar Motive in die Haut stechen, um damit körperliche Makel auszugleichen. Wie auch immer: Diese Form von Körperschmuck polarisiert nach wie vor. Besonders dann, wenn Menschen diesbezüglich eine Sammelleidenschaft entwickeln. Wie Bettina Bestgen, die nach eigenen Angaben im früheren Leben eine Piratin war.

Mögen die Tattoos einer Moderation auch noch so grossflächig, bunt und auffällig sein: Hinter dem Mikrofon in einem Radiostudio stören diese niemanden. Vor der Kamera aber sicher schon. Menschen mit Kundenkontakt (in diesem Fall sind die TV-Zuschauer die Klientel), haben aussergewöhnliche Tattoos während ihrer Arbeit mit Kleidung zu bedecken. Die auffällige Unterarm-Bemalung von Sport-Moderatorin Steffi Buchli geht gerade noch knapp durch. Und die tätowierten Unterarme von Arthur Honegger sind mindestens in der News-Sendung nicht sichtbar, weil der Mann für die Moderation von «10 vor 10» einen Anzug zu tragen hat.

Wenn ich Kriegsbemalung sehen mag, will ich nicht «G & G» einschalten müssen. Dann schaue ich mir einen Indianer-Film an. Und für Bauernmalerei fahre ich ins Appenzellerland. Abschliessend kommt mir eine Bekanntschafts-Anzeige in den Sinn, die vor Jahren veröffentlicht worden war: «Tätowierter Mann sucht neue Freundin. Sie sollte Tina heissen.»


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