TV-Kritik

Lange Rede, kaum Gewinn beim «Club»

Die frühere China-Korrespondentin und neue «Club»-Moderatorin Barbara Lüthi ging in ihrer ersten Sendung auf Nummer sicher. «Die Chinesen kommen», lautete das Thema. Nicht gerade der vordringlichste Stoff für den ersten «Club» im neuen Jahr. Zumal die Chinesen wirtschaftlich längst in der Schweiz angekommen sind.

Lüthi hatte den gut besetzten Laden jederzeit im Griff und liess sich nicht aus dem Konzept bringen. Falls sie für ihre weitgehend strukturlose Premiere überhaupt eines hatte. Manche Themen wurden nur kurz angeschnitten, zu echten Kontroversen kam es unter den freundlichen Gästen nicht. Am Schluss waren sich alle einig, dass China auf dem besten Weg ist, wirtschaftlich die Weltmacht Nummer eins zu werden. Über das kapitalistische System unter kommunistischer Herrschaft war leider nur wenig zu erfahren.

Neu wird der «Club» mit kurzen aktuellen Interviews belebt. Zum China-Thema sprachen Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann sowie der Künstler und Aktivist Ai Weiwei. Einspieler, die der Sendung gut tun können. Insgesamt hat sich das Aufbleiben auch diesmal nicht gelohnt.

Barbara Lüthi ist dem «Club» journalistisch gewachsen. Nicht ablegen konnte sie ihr nervöses Getue, das man als Zuschauer schon von ihren Korrespondenten-Einsätzen kannte. Und auch im Studio fuchtelt die Frau mit ihren Händen herum, als wollte sie mitten im Winter Wespen verjagen. Alle Menschen haben Mödeli, Macken und Marotten, sie gehören zu unserer Persönlichkeit. Vor der TV-Kamera muss äusserst sparsam damit umgegangen werden.


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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Kommentare

  • Marlene Frick, 03.01.2018 10:52 Uhr
    Die Einschätzung von Herrn Hildbrand teile ich: Ich hatte den Club eingeschaltet, habe dann aber nach ca. 20 Minuten auf die ARD umgeschaltet. Mich dünkte, es war ein "Herumgeschreie" in diesem Club, der Lärmpegel war hoch, der Talk wirkte nervös und zerzaust. Oder wie es Herr Hildbrand treffender beschreibt: Eine Fuchtelei, als ginge es darum, Wespen zu vertreiben. Die Wespen waren die Zuschauerinnen und Zuschauer. Diese wurden aufgescheucht, um möglichst schnell zu zappen und bei einem anderen Kanal wieder zu landen.
  • Robert Richner, 03.01.2018 23:20 Uhr
    Fand die Sendung recht interessant. Auch die Einschätzung "Die Chinesen sind schon da" ist bestenfalls eine halbe Wahrheit. Rate mal etwas zu recherchieren zu "die neue Seidenstrasse" Da rollt wirtschaftlich noch einiges auf uns zu ... Täglich kommen etwa 70'000 Paketsendungen aus China bei uns an. Tendenz stark steigend ...
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