25.08.2014

Antisemitische Klischees im "Geri-Gate"

Meine lieben "SonntagsZeitung"-Leser unter euch, falls ihr euch wundern solltet, dass in der gestrigen Ausgabe eures Leibblattes "Grüsel-Geri" ("Blick") vom Täter zum Opfer mutiert, so wundert euch nicht weiter. Der Autor der diversen Artikel über ihn, Martin Stoll, ist ein langjähriger Mediengewährsmann von Geri M. Klar deshalb, dass sich die "SonntagsZeitung" auf Müllers Seite geschlagen hat.
von Sacha Wigdorovits
Meine lieben "SonntagsZeitung"-Leser unter euch, falls ihr euch wundern solltet, dass in der gestrigen Ausgabe eures Leibblattes "Grüsel-Geri" ("Blick") vom Täter zum Opfer mutiert, so wundert euch nicht weiter. Der Autor der diversen Artikel über ihn, Martin Stoll, ist ein langjähriger Mediengewährsmann von Geri M. Klar deshalb, dass sich die "SonntagsZeitung" auf Müllers Seite geschlagen hat. Stoll lässt, wie er auch in dieser Ausgabe beweist, keine Gelegenheit aus, um Geri Müllers aussenpolitischen Hauptgegenspieler Josef Bollag, den Vorsteher der Israelitischen Kultusgemeinde Baden, zu verunglimpfen und als gefährlichen Drahtzieher in Diensten Israels und der Juden darzustellen.
 
In dieses Bild passt dann auch der Artikel von Stolls "SonntagsZeitung"-Kollegin Catherine Boss. Sie schildert Bollag als den "reichen" Juden und "machiavellistischen Strippenzieher", der über ein "grosses Kontaktnetz in der Schweiz, in Israel, selbst in den USA verfügt". Und dieses Netzwerk steuert der "mächtige Präsident der dortigen Kultusgemeinde", der sich aus ärmlichen Verhältnissen mühsam "hochgedient" (weshalb nicht: hochgearbeitet?) hat aus seiner "Villa mit Pool, die hoch über Baden thront". So bedient Boss genau gleich wie ihr Kollege Stoll geflissentlich die altbekannten antisemitischen Klischees. (Denn: Was haben Bollags Herkunft, Vermögens- und Wohnverhältnisse mit dieser ganzen Angelegenheit zu tun?).
 
Eine dubiose Rolle im Ganzen spielt auch Geri Müllers Anwalt Andreas Meili. So hat er gemäss der "NZZ am Sonntag" den Medien Einzelheiten aus der untersuchungsrichterlichen Einvernahme der jungen Frau bekanntgeben, obschon solche Einvernahmen vertraulich sind. Merke: Meili war früher Leiter Rechtsdienst von Tamedia, zu der "SonntagsZeitung" und "Tages-Anzeiger" gehören, welche die These vom (jüdischen) Komplott gegen das arme Geri-Mäuschen mit seinen noch unschuldigeren Hamas-Buddies in die Welt setzten. Um diese These nicht zu untergraben, verschweigt denn auch Chefredaktor Arthur Rutishauser in seinem Editorial, dass ich, als ich ihm Ende April am Rande eines Treffens zu einem ganz anderen Thema, von der Sache erzählte, in aller Deutlichkeit und vor einem Zeugen klar machte: "Ich will nichts damit zu tun haben."
 
Wenn also im Zusammenhang mit Geri Müller Verschwörungsszenarien entworfen werden, dann sollte man besser nicht von einer "jüdischen Verschwörung", sondern von einer antisemitisch angehauchten "tamedia-Müller-Verschwörung" sprechen. Falls ihr wirklich relevante Stories und Kommentare zu "Geri-Gate" statt "Wigdorovits und Bollag Gate" lesen wollt, empfehle ich euch die "SchweizamSonntag", den "SonntagsBlick" oder die "NZZamSonntag".

 

 



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