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Die WM – bisher ein bizarres Erlebnis

von Stefan Osterhaus

Leugnen kann ich es nicht: Diese WM hat meine Erwartung nicht erfüllt. Sie hat sie auch nicht enttäuscht. Vielmehr sind Dinge eingetreten, die ich nicht für möglich gehalten habe. Das Eröffnungsspiel etwa, an dem sich schon zur Halbzeit das Stadion leerte. Eine Atmosphäre, die eher der an einer Beisetzung entsprach. Und dann diese skurrile Diskussion um die Armbinde des Captains bei einigen europäischen Teams, das Einknicken vor der Fifa: In Katar wird bisher alles getan, um den Fussball zur Nebensache zu machen.

Dabei spielen sich echte Dramen ab: N’Golo Kanté, der fabelhafte Franzose, fehlt seiner Mannschaft, Karim Benzema, dessen Eleganz wahre Fussballfreunde zu Tränen rühren kann, macht angeschlagen Platz für einen Nachrücker. Wie wird es um das Schicksal von Felix Sanchez, des bedauernswerten Trainers von Katars Nationalmannschaft, bestellt sein, der am Eröffnungsspiel so wirkte, als trage er Sorge, in ein Löwengehege geworfen zu werden?

Die Geschichten des Fussballs haben keine Chance gegen die Wucht der Politisierung und erst recht nicht gegen die des echten Protests, mag er auch stumm formuliert sein, wie jener des iranischen Nationalteams, das die Hymne nicht mitsang.

Bisher ist diese Weltmeisterschaft ein bizarres Erlebnis. Die ersten Tage machen zwar nicht sprachlos, aber sie lassen einen doch immer wieder staunen. Vor allem darüber, dass der Fussball im Begriff ist, zu einer Plattform politischer Botschaften zu verkümmern. Die eigentliche Bedeutung des Fussballs schrumpft dabei zusehends. Mich würde es nicht wundern, wenn es nach Katar nur noch bergab gehen würde.


In der Serie «Postkarte aus Katar» teilen verschiedene Medienschaffende ihre Eindrücke und Erlebnisse von der Fussball-WM 2022 in Katar. Den Auftakt macht Stefan Osterhaus, Sportredaktor der NZZ und NZZ am Sonntag.

Im Vorfeld der Weltmeisterschaft berichtete persoenlich.com darüber, wie die grossen Medienhäuser das Turnier vor Ort begleiten. Zudem äusserte sich Blick-Fussballchef Christian Finkbeiner im Interview zur Kritik an der diesjährigen WM und zu den Chancen der Schweizer Nationalmannschaft, die am Donnerstag um 11 Uhr mitteleuropäischer Zeit gegen Kamerun ins Turnier startet.


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