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Eine ernst zu nehmende Attacke

von Marcus Knill

Bei jeder Kampagne gilt: Sie darf weder bagatellisiert oder ignoriert, noch soll unbedacht zurückgeschlagen werden. Vor allem nicht, wenn es zu Eigendynamik kommen sollte.

Nach dem ersten Beitrag in der Weltwoche gegen den prononcierten Linkskurs in Radio und Fernsehen war es wohl noch richtig, nicht vehement zu reagieren – nach der Devise, den Ball bewusst flach zu halten. Nachdem jedoch in der Weltwoche in einem zweiten grossen Beitrag Persönlichkeiten mit Fotos als «Oberlehrer der Nation» bezeichnet und SRF als «rot-grünes Schweizer Umerziehungsfernsehen» bezeichnet wurde, erhielt die Geschichte eine neue Dimension. Vor allem, weil Thomas Matter ankündigte, seine Partei wolle die SRG-Zwangsabgaben auf 200 Franken pro Jahr beschränken (persoenlich.com berichtete). Jetzt darf die SRG den Angriff nicht mehr still aussitzen. Die Alarmglocken müssen läuten.

Auch wenn die Vorwurfsliste nicht völlig wasserdicht ist und zum Teil falsche Aussagen enthält, könnte die jüngste Attacke für die SRG gravierende Folgen haben. Matter könnte von verschiedensten Seiten Unterstützung bekommen und Erfolg haben.

1. Nach der Coronakrise ist die Stimmung gegen SRF umgeschlagen. Viele glauben den Kritikern, die monieren, SRF habe zur Panikmache beigetragen.

2. Viele Haushalte und Unternehmer sind finanziell knapp dran und würden möglicherweise jeder finanziellen Entlastung zustimmen.

3. In Deutschland können wir seit den letzten Wahlen ein Trauerspiel mit der AfD verfolgen. Obschon die Partei mit über 20 Prozent Wähleranteil eigentlich eine Volkspartei ist – nicht jeder fünfte Deutsche ist ein Nazi –, wird sie in den Medien geschnitten und von Redaktionen totgeschwiegen. Diese Maulkorbpolitik können wir Schweizer in den deutschen Medien seit Monaten verfolgen. Die Schweizer Bevölkerung reagiert allergisch auf solche Spielchen. Die SVP erhält dadurch zusätzliche Sympathiepunkte. Viele könnten befürchten, auch die SVP würde von den Medien, wie die AfD in Deutschland, ausgeklammert.

4. Es ist denkbar, dass für Onlinemedien und Verlage, die unter der SRG-Konkurrenz leiden, jede Gebührenkürzung willkommen ist.

5. Kommt dazu, dass die überhöhten Saläre und Boni der Führungsspitze mit dazu beitragen könnten, die Gebühren zu kürzen.

6. Was bei Krisen auch berücksichtigt werden müsste: Werden nachgewiesene Fehler nicht eingestanden, kehren die Kritiker künftig jeden Stein um. Weil überall, wo gearbeitet wird, Fehler entstehen können, werden dann meist noch weitere Mängel aufgedeckt und diese summieren sich dann.

Nochmals: Die SRG darf sich jetzt nicht zurücklehnen in der Meinung, morgen werde wieder eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Es bleibt zu hoffen, dass die SRG die Situation richtig einschätzt. Beides, Überreagieren oder Ignorieren, wäre falsch. Gefragt ist eine einheitliche Strategie. Jede Krisenkommunikation muss geführt werden.



Marcus Knill ist Experte für Medienrhetorik, Coach, Dozent und Autor von rhetorik.ch.

Unsere Kolumnistinnen und Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.


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