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Phänomen Trump ohne Ende?

Marcus Knill

Niemand hätte es für möglich gehalten, dass sich ein Aussenseiter bei den Kandidatenkür für die amerikanischen Präsidentschaftswahlen so lange im Rennen halten kann. Trump wurde von allen Seiten lächerlich gemacht, nicht zuletzt wegen seinem Äusseren wurde er für die Medien zur Juxfigur - höchstens mit einem gewissem Unterhaltungswert.

Er galt als eine Person, die sich selbst gewaltig überschätzt und nicht ernst genommen werden darf. Niemand glaubte ernsthaft, dass Trump republikanischer Präsidentschaftskandidat werden könnte. Nun ist es aber so gekommen, wie es niemand zu prognostizieren wagte. Trump siegte und siegte und blieb im Rennen. Er wird mit grösster Sicherheit gegen Hillary Clinton um das wichtigste Amt der Welt kämpfen. Nicht nur für die Öffentlichkeit ist dies eine unerhörte Überraschung.

Als Witzfigur ging er ins Rennen und wird nun wohl einen überraschenden Etappensieg feiern können. Ich hatte diese Woche mit einem Bürger in Boston telefoniert, der es lange für unmöglich gehalten hätte, dass ein Aussenseiter jemals so weit kommen könnte. Angesprochen auf den Entscheid - wer wohl am Schluss gewählt werde: Hillary Clinton oder Ronald Trump? - sagte er mir: Alle Politologen seien sich einig: Hillary gewinne am Schluss das Rennen, es sei denn, sie mache noch einen gravierenden Fehler oder man entdecke bei ihr noch im letzten Moment eine Leiche im Keller.

Trotz dieser Sicherheit habe er aber ein ungutes Gefühl. Die kommene Wahl sei eine unberechenbare Sache. So wie Trump bislang alle überrascht habe, sei es nicht auszuschliessen, dass die Stimmberechtigten am Schluss aus unerfindlichen Gründen Trump doch noch wählen könnten. Denn die Marke Trump sei möglicherweise auch noch im Endspurt für eine Überraschung gut genug.

Psychologen versuchen schon heute das Phänomen Trump zu analysieren. Einige sind der Meinung, die Bevölkerung habe genug von der extremen «political correctness» oder vom unglaubwürdigen Establishment. Die Angst vor Überfremdung und Arbeitlosigkeit, gepaart mit der Hoffnung, es müsse jetzt unbedingt ein frischer, neuer Wind wehen, könnte am Ende zu einer unerwarteten und bösen Überraschung führen.

Persönlich kann ich mir zwar kaum vorstellen, dass die Amerikaner Donald Trump zum Präsidenten wählen werden. Doch das ist unsere europäische Sicht. Die Bedenken des Kommentators aus Boston geben zu denken.

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