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Wenn Küsschen wichtiger sind als Aussagen

Marcus Knill

Aufnahmen von Annäherungen zwischen Politikerinnen und Politikern sorgen nicht erst seit der Kampagne #metoo für Gesprächsstoff. Wobei meist Männer mehr Gefallen an der körperlichen Nähe finden, als Frauen. Claude Junckers Begrüssungsküsse sind berühmt-berüchtigt. Er küsst jeden. Sie wirken inbrünstig und feucht – und wirken deshalb recht abstossend.

Leidvolle Erfahrungen hat bereits Bundesrätin Simonetta Sommaruga gemacht. Auch Doris Leuthard wurde von Junckers Kussattacke nicht verschont. Als EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker den österreichischen Aussenminister Sebastian Kurz zum ersten Mal nach dessen Wahlsieg in Brüssel empfangen hatte – mit zum Kuss gespitzten Lippen -–wies dieser den Kuss zurück.

Immer wieder stellt sich die Frage, welchen Einfluss intime körperliche Beziehungen auf den Gang des Weltgeschehens haben könnten. Für die Medien werden jedenfalls Begrüssungszeremonien, Küsschen, Distanzverhalten oder Handschlagverhalten sehr genau beachtet, interpretiert und kommentiert. Die jüngste Liebesoffensiven von US-Präsident Donald Trumps beim französischen Staatsoberhaupt Emmanuel Macron und sowie der deutschen Kanzlerin Angela Merkel überraschten jüngst die Öffentlichkeit. Beim ersten Kontakt mit Merkel hatte Trump sogar den Handschlag verweigert. Die gehauchten Küsschen sind aber noch weit entfernt vom bekannten Zungenkuss zwischen Breschnew und Honecker.

Obwohl die Betatscherei von Politikern in Wort und Bild stets prominent aufgemacht werden, darf der Einfluss dieser körperlichen Nähe auf das politische Weltgeschehen nicht überschätzt werden. Ausschlagebend bleiben letztlich die konkreten Vereinbarungen.

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