16.01.2023

Dezember 2021

Eva Wannenmacher

Fernsehmoderatorin Eva Wannenmacher ist der Prototyp der selbstbewussten Frau. Neu unterstützt sie als psychologischer Coach Frauen und Männer beim Erreichen ihrer beruflichen und privaten Ziele. Bei «persönlich» zieht sie Bilanz in der aktuellen Genderdiskussion.
Dezember 2021: Eva Wannenmacher

Frau Wannenmacher, hat sich durch die Pandemie für die Frauen etwas verändert?
Es gibt Studien, die besagen, dass sich die Situation der Frauen in der Coronakrise verschlechtert hat.

Warum?
Wird man auf die existenziellen Probleme des Lebens zurückgeworfen, gibt es einen Backlash. Existenzielle Probleme heisst: Angst vor Krankheit oder finanziellen Nöten, aber auch das Homeoffice. Die Kinder sind zu Hause, und wer schaut auf sie? Wer macht die unbezahlte Care-Arbeit hauptsächlich? Es sind die Frauen. Deshalb ist es naheliegend, dass es für die Frauen einen Backlash geben kann. Ich persönlich habe es zwar nicht so erfahren. Wir haben uns die Betreuungsarbeit aufteilen können, aber ich kann nachvollziehen, dass es ein Problem ist.

Ihr Mann könnte nun argumentieren, dass die Männer während des Homeoffice auch zu Hause sind.
Sie sind zu Hause, aber sie fühlen sich nicht unbedingt zuständig für die Sorgen der Kinder. Da muss man nicht einmal Corona bemühen, um zu merken, wie das System in den Beziehungen und Familien läuft. Es ist eine beschworene Gleichberechtigung, die aber im Alltag oft nicht funktioniert. Das ist das, was ich selbst erfahre und was viele andere Frauen erfahren. Im Zweifelsfall bleibt noch immer die Mutter zu Hause, wenn das Kind krank ist. Sie ist es, die noch im letzten Moment die Regenhose organisiert, die das Kind fürs Spielen im Wald benötigt, oder das Geburtstagsgeschenk für das Gspänli. Es ist die Frau, an der es hängen bleibt und die sich dafür zuständig fühlt.

Vielleicht ist dies auch biologisch bedingt …
Das ist oft eine Männerbehauptung. Für sie ist es komfortabel, sich auf die Arbeit konzentrieren zu können im Wissen, dass es ein Back-Office gibt, das ihnen alles abnimmt. Das ist eine Falle, und das Problem daran ist, dass wir uns dessen gar nicht bewusst sind. Die ach so aufgeklärte Gesellschaft behauptet, dass sie das gemeinsam mache. Beide Elternteile arbeiten Teilzeit, und beide kümmern sich um die Erziehung. Schaut man aber genauer hin – und dazu gibt es auch aktuelle Studien aus der Schweiz –, ist es so, dass die Frauen immer noch 80 Prozent der gesamten Care-Arbeit im Familiensystem leisten, selbstverständlich unbezahlt. Und solange das so ist, kann auch von Gleichberechtigung keine Rede sein.

Haben Sie in Ihrer Ehe Gegensteuer 
gegeben?
Ich musste kein Gegensteuer geben, da wir von Anfang an eine ziemlich gleichberechtigte Situation lebten, als unsere Töchter zur Welt kamen. Aber ja, auch ich lebe mit der Realität, dass im Zweifelsfall der Job des Mannes wichtiger scheint als derjenige der Frau.



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