16.01.2023

Mai 2022

Georges Kern

Unter Georges Kerns Ägide konnte Breitling seinen Umsatz vervierfachen. Seit genau fünf Jahren ist der 57-Jährige als CEO und Mitinhaber am Ruder. Gegenüber «persönlich» äussert er sich über die Konsequenzen der Pandemie und des Ukrainekriegs für die Uhrenbranche und seine politischen Ambitionen.
Mai 2022: Georges Kern

Herr Kern, die Welt wird momentan ziemlich durchgeschüttelt. Wie erleben Sie, als 
Chef einer Uhrenfirma, und die gesamte Branche diese Zeiten?
Wir kommen gerade aus zwei Jahren Corona heraus, und nun folgt nahtlos diese humanitäre Katastrophe in der Ukraine mit sicherlich langfristig geopolitischen Konsequenzen. Wir sind geschockt, wie alle anderen auch, und müssen mit der Situation umgehen.

Ist die Luxusbranche stärker betroffen als andere Branchen?
Das ist schwierig zu sagen. Ich kann mich momentan nur zur Corona-Krise äussern, da wir die makroökonomischen Folgen des Ukrainekriegs mit Inflation und Lieferkettenproblemen noch nicht abschätzen können. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass die Luxusgüterindustrie sehr widerstandsfähig ist – zu unserem Glück. Die meisten Marken und Konzernbewertungen sind aus verschiedenen Gründen massiv gestiegen. Fakt ist, dass wir Rekordjahre hatten. Zum einen gab es Kompensationskäufe, zum anderen wollten sich die Menschen in der Krise etwas Schönes gönnen. Ich glaube, dies ist sehr menschlich. Einerseits haben wir eine Überdigi-
talisierung, andererseits eine grosse Unsicherheit, und da vermittelt eine analoge Uhr einen positiven Wert und kann eine wichtige Rolle spielen. Aufgrund der ganzen Situation mit den Reiserestriktionen, Lieferengpässen in zahlreichen Branchen, wie beispielsweise in der Automobilbranche und anderen, hatte man verfügbare Mittel, mit denen man sich etwas Gutes tun konnte.

Sie haben den Umsatz von Breitling seit Ihrem Start vor bald fünf Jahren vervierfacht.
Wir haben unsere Strategie vor viereinhalb Jahren festgelegt und uns daran gehalten. Im April 2020, auf dem Höhepunkt der ersten Corona-Welle, haben wir sogar das Redesign der Chronomat lanciert. Da wir immer stärker über die sozialen Medien kommunizieren und die Leute Zeit hatten, konnten sie sich während des Lockdowns mit unseren Produkten auseinandersetzen. Nach Ende des Lockdowns hatten sie das Bedürfnis, in unsere Geschäfte zu kommen, um die Produkte zu kaufen. Wir halten an unserer Strategie und an unseren Werten, die die Marke repräsentiert, fest. Die Pandemie hat den Wandel des Konsumentenverhaltens beschleunigt. Aber nicht nur das Verhalten der Konsumenten, sondern auch der Luxus-
begriff per se hat sich gewandelt. Was in der Vergangenheit cool war, ist heute nicht mehr angesagt, und wir haben bereits vor Corona unseren eigenen Weg gefunden, den wir «Neo-Luxury», oder mit anderen Worten «Casual, Inclusive and Sustainable Luxury», nennen. Diese Werte haben uns sehr geholfen, und wir haben damit auch einen gewissen Zeitgeist getroffen. Unsere Marke ist in den vergangenen Jahren stärker geworden.

Früher galt Breitling als klassische 
Fliegeruhr. Jetzt haben Sie das Sortiment und den Brand erweitert.
Als ich damals zu Breitling kam, hatte ich die Marke der letzten zwanzig Jahre im Kopf. Also grosse, laute, polierte Pilotenuhren und ein aus der Zeit gefallenes Marketing. Dies war, grob zusammengefasst, das Image. Wenn man auf die ganze Geschichte der Marke zurückblickt, hat Breitling schon immer Zeitmesser für den Einsatz in der Luft, am Boden und im Wasser entwickelt. Diese beeindruckende Tradition und Geschichte haben wir in den letzten fünf Jahren wiederaufleben lassen und die Marke dementsprechend breiter aufgestellt. Breitling ist heute vergleichbar mit einem Automobilhersteller: Wir haben einen SUV, wir haben ein Cabrio, wir haben eine Limousine. Wir wollen und können in unserem Segment ein Generalist der Uhrenindustrie sein.



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