16.01.2023

Juni/Juli 2021

Nick Hayek

Nick Hayek ist der Patron der Schweizer Uhrenindustrie. In seiner Swatch Gruppe vereinigen sich achtzehn Spitzenbrands. Doch auch als gesellschaftskritischer Zeitgenosse hat sich der 66-Jährige einen Namen gemacht. «persönlich» hat ihn an seinem Firmensitz in Biel getroffen. Ein Gespräch über Pandemie, Branding, Politik und schlechte Medien.
Juni/Juli 2021: Nick Hayek
Optimistisch für die Zeit nach der Krise: Nick Hayek.

Herr Hayek, die Pandemie neigt sich dem Ende entgegen. Was ist Ihre grösste Erkenntnis aus den letzten eineinhalb Jahren?
Sie sagen, wir seien am Ende der Pandemie. Ich weiss nicht, ob das so stimmt. Es kommt darauf an, was uns die Politiker und Gesundheitsexperten der ganzen Welt in nächster Zeit noch alles überstülpen wollen. Seit Corona besteht vielerorts die Auffassung, dass das ganze Leben risikolos, planbar und virusfrei sein muss.

Was bedeutet das?
Gesund leben per Verordnung. Ich möchte das Ganze nicht verharmlosen, wir haben in unseren Unternehmen die Covid-Situation immer ernst genommen und uns natürlich an die Regeln gehalten. Wir hatten in der Swatch-Gruppe in der Schweiz tausend positive Fälle, aber glücklicherweise musste kein einziger Infizierter ins Spital. Am Anfang, und da sind wir uns alle einig, hat man gesagt, es sei eine schwerere Form der Grippe, die für ältere Leute – zuerst für solche über 65 Jahren, dann ging man altersmässig etwas hinauf – und Risikopatienten eine echte Gefahr darstelle. Dann hiess es, die Intensivstationen seien kapazitätsmässig am Limit, die müsse man entlasten. Man muss aber wissen, dass viele Spitäler ihre Intensivbetten in den vergangenen Jahren massiv abgebaut haben. Weshalb müssen dann jetzt alle jungen Menschen im Alter von 10, 12, 14 oder 16 Jahren geimpft werden, wenn Corona vor allem für ältere Menschen ein Risiko ist? Für die Jungen ist es kein Risiko, es ist eine Erkrankung, die natürlich lästig sein kann, und wenn man sich impfen lassen will, soll man sich impfen, wie man sich auch gegen die Grippe impfen kann. Für mich ist aber unverständlich, warum auch Kinder und junge Erwachsene jetzt unbedingt durchgeimpft werden müssen.

Wegen der absoluten Sicherheit.
Wir können aber keine absolute Sicherheit im Leben kreieren, und das stört mich in der ganzen Diskussion. Den Dirigismus, unsere Gesellschaft zwanghaft risikofrei zu machen, sieht man überall. Man muss sich überall anpassen, immer mit dem Argument, «sonst schade man der Gemeinschaft». Übrigens nicht nur im körperlichen, sondern auch im geistigen Sinn. Der deutsche Kabarettist Dieter Nuhr, den ich exzellent finde, ist ein gutes Beispiel. Seine Satire ist messerscharf, aber trotzdem humorvoll. Aber er ist unter starkem Beschuss in Deutschland, weil er sich eben nicht anpasst.

Ist es in der Schweiz so wie in Deutschland?
Zum Glück nicht. Die Schweiz ist viel pragmatischer als Deutschland. Es gibt in der Schweiz auch nicht so ein Riesenheer von Berufspolitikern, die sich als Elite fühlen. Und es gibt zum Glück auch noch weniger Moralapostel. Die Deutschen scheinen mir in ihrer Political Correctness, die oft heuchlerisch ist, viel näher an den Amerikanern als die Franzosen, Italiener oder wir.



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