20.07.2026

Nach der Arbeit

«Beim Singen bin ich selbst die Botschaft»

Tom Kees ist Senior Art Director bei TBWA\Switzerland. Tagsüber entwickelt er Botschaften für Marken, abends steht er selbst auf der Bühne: als Sänger und Entertainer. In der Sommerserie verrät der 61-Jährige, warum er sein Hobby nie zum Beruf machen möchte – und was passiert, wenn Menschen mit Demenz plötzlich mitsingen.
Nach der Arbeit: «Beim Singen bin ich selbst die Botschaft»
«Gerade weil ich nicht davon leben muss, kann ich genau die Auftritte annehmen, die mir Freude machen. Diese Freiheit spürt auch mein Publikum», so Tom Kees, Senior Art Director bei TBWA\Switzerland und Hobbysänger. (Bilder: zVg)

Tom Kees, wann und wie sind Sie zu Ihrem Hobby gekommen?
Mein erstes Spielzeug war ein Plattenspieler. Schon als Kind entdeckte ich meine Liebe zur Musik der 40er-, 50er- und 60er-Jahre. Mit 33 nahm ich eher aus Neugier Gesangsunterricht, weil ich dachte, das helfe mir bei Präsentationen. Nach der dritten Stunde fragte mich meine Gesangslehrerin, ob ich mit ihr eine Show machen wolle. Daraus entstanden vier Bühnenprogramme und eine Leidenschaft, die mein Leben bis heute bereichert.

Was hat Sie so gepackt, dass Sie dabeigeblieben sind?
Singen ist eine Mischung aus Handwerk und Emotion. Ich liebe es, Menschen mit Musik zu berühren und ihnen für einen Moment Freude zu schenken. Ausserdem habe ich dadurch viele spannende Menschen kennengelernt und durfte schon an den unterschiedlichsten Orten im In- und Ausland auftreten.

Wie viel Raum nimmt das Hobby in Ihrem Leben ein – zeitlich, aber auch gedanklich?
Ich mache täglich meine Gesangsübungen, denn die Stimme muss trainiert werden wie ein Muskel. Auf meinem Arbeitsweg, den ich zu Fuss zurücklege, lerne ich Liedtexte auswendig; das ist gleichzeitig Hirntraining. Sobald ich in der Agentur bin, konzentriere ich mich aber ganz auf meinen Beruf. Im Schnitt habe ich etwa einen Auftritt pro Monat, und das ist für mich die perfekte Balance.

Wie haben Ihre Arbeitskollegen reagiert, als Sie zum ersten Mal von Ihrem Hobby erzählt haben?
Viele waren überrascht, dass ich alleine auf der Bühne stehe und als Entertainer auftrete. Nachdem ich an Weihnachtsfeiern und Sommerfesten der Agentur für meine Kolleginnen und Kollegen gesungen hatte, fanden es alle grossartig.

Wie gestaltet sich die Vereinbarkeit zwischen Job und Hobby?
Ich trenne Beruf und Hobby sehr bewusst. Unter der Woche arbeite ich als Senior Art Director bei TBWA, die Auftritte finden meistens am Wochenende statt. Ich singe an Hochzeiten, Geburtstagsfeiern oder Firmenanlässen – und neuerdings auch in Gesundheitszentren.

Was finden Sie in Ihrem Hobby, was Ihnen der Beruf nicht gibt?
Im Beruf arbeite ich oft für Marken und Produkte und bewege mich innerhalb von Vorgaben. Beim Singen bin ich selbst die Botschaft. Die unmittelbare Reaktion des Publikums ist etwas ganz Besonderes. Es berührt mich immer wieder, wenn Musik Menschen erreicht, die sonst kaum mehr Zugang zur Welt finden. Wenn jemand mit Demenz plötzlich wieder mitsingt oder lächelt, wird spürbar, wie tief Musik uns berühren kann.

Gibt es etwas – eine Fähigkeit, eine Haltung oder eine Denkweise –, das Sie aus Ihrem Hobby in den Beruf mitbringen? Und umgekehrt?
Durch das Singen habe ich gelernt, vor Menschen selbstbewusst aufzutreten und mit Nervosität umzugehen. Gleichzeitig begegne ich Menschen aus allen Lebensbereichen und erweitere dadurch meine Menschenkenntnis. Aus meinem Beruf bringe ich wiederum das Gespür für Dramaturgie und Inszenierung mit, denn ein guter Auftritt erzählt genauso eine Geschichte wie eine gute Werbekampagne.

Haben Sie schon damit geliebäugelt, Ihr Hobby zum Beruf zu machen?
Nein. Gerade weil ich nicht davon leben muss, kann ich genau die Auftritte annehmen, die mir Freude machen. Diese Freiheit spürt auch mein Publikum. Meine Gesangslehrerin meinte einmal scherzhaft, ich wäre wohl nicht Grafiker geworden, wenn ich früher mit dem Singen begonnen hätte.

Wenn sich nun jemand von Ihrem Hobby inspiriert fühlt: Haben Sie Tipps für einen problemlosen Einstieg?
Einfach anfangen und sich trauen. Ich habe, wie erwähnt, erst mit 33 Jahren Gesangsunterricht genommen und hätte nie gedacht, dass daraus einmal Bühnenauftritte entstehen. Es ist nie zu spät, etwas Neues zu wagen.

Welches nächste grosse Ziel oder Projekt haben Sie sich für Ihr Hobby gesetzt?
Nächsten Frühling singe ich an einer Vintage-Party auf der Schatzalp. Das passt perfekt zu mir, denn dort kann ich die Musik der 40er-, 50er- und 60er-Jahre feiern, die mich schon als Kind begeistert hat – damals, als mein erstes Spielzeug ein Plattenspieler war. Solange ich Menschen mit Musik Freude machen kann, möchte ich auf der Bühne stehen.



In der Sommerserie «Nach der Arbeit» stellt persoenlich.com zehn Fragen an Menschen aus der Medien- und Kommunikationsbranche, die neben dem Beruf einer besonderen Leidenschaft nachgehen. Eine Übersicht aller bisher erschienenen Folgen finden Sie hier.


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Cécile Dünner
31.07.2026 01:41 Uhr
Mit Herzblut geht er an die Sache ran. Entsprechend hat er ein begeistertes Publikum vor sich. Nur weiter so lieber Tom.
Erika Husi
28.07.2026 14:31 Uhr
Tom Kees kenne ich als Bub, nachher hatte ich nur noch mit seiner Schwester Kontakt. Umso grösser war die Freude einer seiner Auftritte zu geniessen. War so herzlich, einfach zum dahin schmelzen.. SUPER
Marianne Sauter
22.07.2026 08:49 Uhr
Grossartig, wie er das neben dem Dayjob durchzieht. Ich hab ihn selbst schon auf der Bühne erlebt und er ist wirklich grossartig. Tom, you are one of a kind.
Nik Hidber
20.07.2026 14:32 Uhr
LEGENDE. Würde gerne wieder mit ihm arbeiten.
Susi Lüssi
20.07.2026 13:03 Uhr
Ich kenne Tom Kees schon lange und geniesse seine Auftritte immer sehr - sie berühren mein Herz sinnlich aber auch sein Outfit!!