09.03.2016

Werbeallianz

«Zielgruppenspezifische TV-Werbung ist nur eines von vielen Produkten»

Nachdem das Joint Venture von SRG, Swisscom und Ringier durch das UVEK genehmigt wurde, will die neue Vermarktungsfirma trotz politischer Opposition schon bald den Betrieb aufnehmen. persoenlich.com hat sich mit CEO Martin Schneider über den aktuellen Zwischenstand unterhalten.
Werbeallianz: «Zielgruppenspezifische TV-Werbung ist nur eines von vielen Produkten»
von Matthias Ackeret

Herr Schneider, das UVEK hat vergangene Woche grünes Licht für die Werbeallianz gegeben. Was heisst das für Sie?
Wir haben uns sehr über diesen zukunftsweisenden Entscheid gefreut! Nachdem nun Klarheit geschaffen wurde und das Warten ein Ende hat, können wir die angezogene Handbremse lösen und bald loslegen.

Sie dürfen keine personenspezifische Werbung für die SRG anbieten. Stellt dies nicht den Sinn des ganzen Joint Ventures in Frage?
Nein, überhaupt nicht. Die Werbeallianz wurde ja nicht «nur» wegen der zielgruppenspezifischen Werbung auf der Swisscom-TV-Plattform formiert, sondern als Antwort auf die rasante Veränderung der Bedürfnisse und Anforderungen des Marktes. Zielgruppenspezifische TV-Werbung ist nur eines von vielen innovativen Produkten, die das Joint Venture entwickelt hat und über die nächste Zeit anbieten wird. Zudem haben wir ja auch noch weitere TV-Sender im Portfolio, auf welche das Verbot nicht zutrifft. Allerdings sind nun mit diesem Entscheid die schweizerischen, konzessionierten Programme schlechter gestellt als etwa die ausländischen Werbefenster. Mit Anpassung der Regulierung sollte dieser Wettbewerbsnachteil abgewendet werden und ich bin zuversichtlich, dass im Wettbewerb mit ausländischen Sendern die konzessionierten Schweizer TV-Sender gleich lange Spiesse erhalten. Denn nur dies kann im Sinne eines starken schweizerischen Medien- und Werbeplatzes sein.

Sie starten anfangs April. Sind Eröffnungsfeierlichkeiten geplant?
Der Start der neuen Vermarktungsfirma ist im zweiten Quartal 2016 geplant. Den genauen Zeitpunkt werden wir noch festlegen. Wir planen verschiedene Aktivitäten, die ich vorgängig nicht verraten möchte.

Wieviele Leute arbeiten für das Joint Venture? Und wo werden die Büros sein?
Das Joint Venture beschäftigt rund 290 Mitarbeitende an den Standorten Zürich, Bern, Lausanne, Genf und Lugano.

Ist die ganze politische Auseinandersetzung für Ihre Firma hinderlich oder spielt es keine Rolle?
Die politische Auseinandersetzung zeigt, dass wir an einem Projekt sind, das von grosser Bedeutung für den Schweizer Medien- und Werbemarkt ist. Man ist Teil eines zukunftsweisenden Vorhabens. Dies ist sehr motivierend, auch wenn die politische Auseinandersetzung natürlich auch viele Ressourcen bindet. Ich gehe aber davon aus, dass mit dem positiven Entscheid des UVEK und der Bakom nun etwas mehr Ruhe einkehren wird.

Haben Sie schon viele Kunden, die mit Ihnen zusammenarbeiten möchten?
Wir setzten natürlich alles daran und sind auch zuversichtlich, dass die bisherigen Kunden der einzelnen Partner auch im neuen Unternehmen unsere Kunden sein werden. Wir werden in den kommenden Monaten und Jahren sukzessive unsere Produktangebote, Services und Medienlogistik ausbauen und damit auch neue Kunden gewinnen. Laufende Gespräche zeigen, dass im Markt ein grosses Interesse an den neuen Möglichkeiten besteht. Allerdings müssen wir auch realistisch bleiben und dürfen nicht zu grosse Erwartungen schüren. Denn wir werden nicht in der Lage sein, gleich vom ersten Tag an alles anders zu machen.

Nun stossen drei Betriebskulturen aufeinander. Wie bringen Sie diese unter einen Hut?
Dies ist eine grosse Herausforderung und ein längerer Prozess, der viel Zeit in Anspruch nehmen wird. Hierbei ist auch das Management stark gefordert, welches vorangehen und Vorbild sein muss. Veränderung beginnt im Kopf, Kultur kann man nicht befehlen, man muss sie vorleben. Integrierte Kommunikation, gemeinsame Aktivitäten und Erfolgserlebnisse und Identifikationspunkte helfen, eine neue gemeinsame Kultur zu schaffen und zu etablieren. Wichtig ist aber auch, dass man jetzt nach der langen Projektphase in einen normaleren Betriebsmodus übergehen kann.

Wo sind für Sie momentan noch die grössten Baustellen?
Eine grosse Herausforderung ist sicherlich, wie wir in Zukunft die Marktbearbeitung organisieren und koordinieren. Das ist eine komplexe Aufgabe, die nicht von einem Tag auf den anderen zu lösen ist. Ich bin aber zuversichtlich, denn wir haben tolle Leute, die sehr professionell arbeiten und man kann gegenseitig vom bestehenden Know-how profitieren und neue Kompetenzen aufbauen.

Hat Sie der ganze Wirbel der letzten Monate überrascht?
Ja und nein. Klar, wenn die SRG etwas Neues macht, ist damit zu rechnen. Für mich war eher überraschend, welchen Raum die Debatte in den Medien erhalten hat und mit welcher Energie und welchem Einsatz das Thema von verschiedensten Kreisen bewirtschaftet wurde. Ich bezweifle, dass es den Durchschnittsschweizer wirklich so stark interessiert hat, wie man aufgrund der Berichterstattung hätte vermuten können.

Bild: Marc Wetli 

 



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