Herr Perricone, die Tech-Industrie geht mit einem neuen Projekt «tecindustry goes OAF» an das Openair Frauenfeld. Was bezwecken Sie damit?
Viele denken bei Industrie an lärmige und dunkle Fabrikhallen. Doch die Tech-Industrie ist eine moderne Hightech-Branche – und ein Erlebnis weit über die Fabrikhallen hinaus. Mit unserem Label «tecindustry» wollen wir die Schweizer Tech-Industrie erlebbar machen und zeigen, dass hier Menschen an Lösungen für die Zukunft arbeiten. Dann wollen wir vermitteln, wie viele Berufe mit Zukunft diese Branche ausmachen. Und nicht zuletzt sollen die rund 100 Young Talents der Tech-Firmen, die sich direkt am Projekt beteiligen, eine tolle Zeit am Openair Frauenfeld (OAF) haben.
Eine Branche präsentiert sich am Openair Frauenfeld. Das ist ein ziemlich ungewöhnlicher Ansatz.
Ja, und genau deshalb wollen wir das versuchen. An Berufsmessen und dergleichen sind wir bereits gut vertreten. Am OAF geht es um mehr und auch um eine etwas ältere Zielgruppe: Was wir bieten, ist ein freudiges Erlebnis mit der Technik-Welt sowie Kontakt und Austausch mit unseren jungen Berufsleuten, die die TecStage betreiben.
Das ist eine sehr punktuelle Kampagne …
… die sich aber nicht auf unsere TecStage am OAF beschränkt: Seit April läuft eine Social-Media-Kampagne. Dort setzen wir stark auf die Verknüpfung mit dem OAF-Label. Da hilft auch, dass wir als OAF-Sponsor Tickets verlosen konnten. Denn uns ist schon klar: Wir sind nicht B2C, wir verkaufen kaum direkt an Konsumenten, uns kennt man wenig. Um unseren Botschaften dennoch Reichweite mitzugeben, ist die Verknüpfung mit einem renommierten Label wie dem OAF nützlich.
Wo liegt das Hauptproblem für die Branche? Finden Sie die richtigen Bewerber nicht mehr?
Der Fachkräftemangel trifft auch die Tech-Industrie. Sie bildet zwar 20'000 Lernende aus, aber rund acht Prozent der Lehrstellen bleiben unbesetzt – obwohl die Tech-Industrie hochstehende Aus- und Weiterbildungen anbietet und sehr in den Nachwuchs investiert. Wir reden nicht nur von der Berufslehre, sondern auch von Direktangeboten an Maturandinnen und Maturanden, Weiterbildungen für Quereinsteiger und davon, dass man in all diesen Berufen weltweit eine gefragte Fachperson ist.
Sind die Jobs, die Sie anbieten, KI-resistent?
In der Tech-Industrie werden Produkte hergestellt. Stellen Sie sich Ingenieurswissen vor, das Arbeiten mit Präzisionsinstrumenten, an Metallteilen, mit Kabeln und Lasern, mit Maschinen und Turbinen und so weiter. KI spielt selbstverständlich eine Rolle, aber am Ende des Tages geht es um Produkte, hands-on, 3-dimensional und oft mit Schrauben dran.
Wie muss man sich die TecStage vorstellen, den Stand der Tech-Industrie am OAF?
Ein kleines bisschen Formel-1-Welt, aber à la Frauenfeld: In der Mitte haben wir eine grosse Rennpiste. Festivalbesucher fahren mit ferngesteuerten Vehikeln Rennen und gewinnen Preise. Neben der Piste ist die Boxengasse: Da arbeiten junge Berufsleute unserer Swissmem-Mitgliedfirmen, welche die Vehikel aufgebaut haben und dafür sorgen, dass sie die rund 80 Rennen während dieser drei Tage auch durchhalten. Und natürlich haben wir eine grosse Tribüne – um die Rennen zu verfolgen und darüber nachzudenken, was Technik alles möglich machen kann.
Wie viele Leute sind im Einsatz?
60 Lernende betreiben die TecStage. Dazu kommen noch rund zehn Kolleginnen und Kollegen von Swissmem.
Was kostet die ganze Kampagne?
So viel, dass ich an allen Ecken und Enden sparen muss und musste.
Wird sie nach dem Open Air weitergeführt?
Obwohl wir den Erfolg dieser Imagekampagne nur beschränkt in Zahlen und Franken messen können, gibt es einige Indikatoren. Schlussendlich wird der Vorstand von Swissmem – also die Vertreterinnen und Vertreter unserer Tech-Firmen – entscheiden, ob er mit dem Ergebnis zufrieden ist und ob es auch 2027 wieder heisst «tecindustry goes OAF».


