13.05.2014

Rolf Bollmann

"Einmal Sanierer, immer Sanierer!"

Eine grosse Herausforderung wartet auf Rolf Bollmann, momentan noch CEO bei der "Basler Zeitung" (BaZ). Der ehemalige Nationalliga-A-Fussballer – Übername "Eisenfuss" - wird überraschend Verlagsgeschäftsführer bei der Funke-Gruppe. Diese ist laut Wikipedia mit einem Gesamtangebot von über 700 Titeln das drittgrösste Verlagshaus Deuschlands - und eines der renditestärksten. Zudem zählt es zu den grössten Regionalzeitungsverlagen Europas. Bollmann ist in Zukunft für den Kernmarkt Nordrhein-Westfalen zuständig. Persoenlich.com hat sich mit ihm über seinen überraschenden Wechsel unterhalten.
Rolf Bollmann: "Einmal Sanierer, immer Sanierer!"

Herr Bollmann, Sie werden überraschend Verlagsgeschäftsführer der Funke-Gruppe in Nordrhein-Westfalen, einem der grössten Verlagshäuser Deutschlands (persoenlich.com berichtete). Wie sind Sie zu dieser "Ehre" gekommen?
Mein ehemaliger Vorgesetzter bei Tamedia, Martin Kall, der bei der Funke-Gruppe im Aufsichtsrat sitzt, hat mich gefragt, ob ich an einer spannenden Aufgabe interessiert sei. Oder ob ich im nächsten Jahr, nach Vertragsende bei der BaZ, als Rentner lieber mit einem Hund eines Nachbarn den ganzen Tag spazieren gehen möchte. Da habe ich schnell mit dem Aufsichtsrat und der Konzernleitung von Funke ein Gespräch geführt, und offenbar war mein "Hochdeutsch" gut genug, so dass sie mir einen Vertrag angeboten haben.

Sie gelten als Spezialist für Sanierungen. Was ist Ihre Aufgabe bei der Funke-Gruppe?
Wie heisst es doch: einmal Sanierer, immer Sanierer! Und seit ich bei der BaZ bin, habe ich halt den Ruf des Sanierers. Die Funke-Gruppe ist allerdings eine andere Grössenordnung als die BaZ. Ich bin Verantwortlich für den Bereich NRW (Nordrhein-Westfalen), also den wichtigen Heimmarkt der Funke-Gruppe. Dieser Bereich NRW umfasst Deutschlands grösste Regionalzeitung mit 4 Tageszeitungen und 61 Lokalausgaben, sowie Europas grössten Anzeigenblattverlag mit 58 lokalen Anzeigenblättern. Ebenfalls dazu gehören noch 12 lokale Radiosender und mit www.derwesten.de eines der führenden Newsportale Deutschlands. Und das alles nur in der Region NRW, wo etwa 2000 Mitarbeiter in meinem Verantwortungsbereich tätig sind. Sicher ist, dass im Zeitungsmarkt, ob in der Schweiz oder Deutschland, die gleichen Probleme vorhanden sind. Stichworte: Strukturwandel, sinkende Vertriebserlöse, sinkende Werbeerlöse, zu hohe Kosten – und als Folge davon eine ungenügende Rendite. Dies gilt es zu korrigieren, sicher auch in Nordrhein-Westfalen.

Ist es von Vorteil, dass ein Schweizer diese Sanierung durchführt?
Keine Ahnung, ob es ein Vorteil oder ein Nachteil ist und ob ich als Schweizer dort willkommen bin. Aber schlimmer als in Basel, wo ich als Zürcher von den Baslern mit grosser Abneigung empfangen wurde, kann es nicht sein. Bekanntlich hat ja vor einiger Zeit der deutsche Politiker Steinbrück gedroht, mit der Kavallerie in die Schweiz zu reiten. Im Gegenzug gehe ich nun als kleiner Schweizer Manager mit dem Militärvelo nach Deutschland – aber ohne böse Absichten!

Konnten Sie bereits einen Augenschein bei der Funke-Gruppe nehmen?
Nein, die Treffen mit den Funke-Verantwortlichen fanden nicht am Firmensitz statt.

Wann beginnen Sie in Deutschland?
Ich beginne am 1. August, also am Schweizerischen Nationalfeiertag.


Bild: Rolf Bollmann (Mitte) verteidigt im Trikot des FC Winterthur mit Torhüter Hans Küng (rechts) im Cupfinal 1975 gegen Ottmar Hitzfeld vom FC Basel (links).

Ist Ihre "Mission" bei der Basler Zeitung nun beendet?
Nein, meine Mission ist nicht beendet. Ich bleibe VR-Präsident bei der BaZ Holding AG und bei der Basler Zeitung Medien (NZBN AG)

Wie hat Herr Blocher als Miteigentümer der BAZ auf Ihre Kündigung reagiert?
Ich habe bei Herrn Blocher nicht gekündigt, es gibt ab dem 1. August eine Vertragsänderung vom CEO zum VR-Präsident. Herr Blocher weiss, dass die BaZ, wie sie heute nach der Sanierung dasteht, eigentlich keinen CEO mehr braucht. Als ich vor 1½ Jahren bei der Basler Medien Gruppe als CEO angefangen habe, waren  mehr als  700 Mitarbeiter auf der Lohnliste, verteilt auf etwa 10 Unternehmensbereiche oder AG’s. Nun gibt es noch die Basler Zeitung mit rund 150 Mitarbeitern, geführt von einer Chefredaktion und einer Verlagsleitung, das genügt.  Also will ich nicht als CEO mit den Händen in den Hosentaschen rumlaufen, einen guten Lohn kassieren und die Mitarbeiter mit meiner Anwesenheit ärgern.

Haben Sie keine Bedenken, dass Sie sich in Deutschland gegen Betriebsräte und Gewerkschaften nicht durchsetzen können?
Ich gehe davon aus, dass auch in Deutschland die Betriebsräte und Gewerkschaften verstehen, dass der Strukturwandel in der Zeitungsbranche auch eine Veränderung der personellen Ressourcen erforderlich macht um das Unternehmen oder die Zeitung am Leben zu erhalten. Wenn nicht, gehören schlussendlich alle zu den Verlierern, das Unternehmen, die Mitarbeiter und auch die Gewerkschaften.

Fragen: Matthias Ackeret//Bilder: Keystone



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