03.07.2023

Audio

SRF setzt auf weniger, dafür «wirkungsstärkere» Podcasts

Schweizer Radio und Fernsehen krempelt das digitale Audio-Angebot um. Podcasts wie «#SRFglobal» oder «Einfach Politik» verschwinden, dafür sollen neue entstehen, die ein breiteres Publikum erreichen.
Audio: SRF setzt auf weniger, dafür «wirkungsstärkere» Podcasts
Podcasts in Hülle und Fülle und in Zukunft etwas weniger. (Bild: Screenshot Google)

Auch wenn der Podcast-Hype der letzten Jahre einen anderen Eindruck erweckt haben mag: Gewachsen ist vor allem das Angebot. Im Tagestakt schiessen neue Podcasts aus dem Netz. Doch die Nutzung blieb über die letzten Jahre unverändert und ist nicht mit dem Angebot gewachsen.

Zahlen von SRF zum Deutschschweizer Publikum zeigen etwa, dass der weiteste Nutzungskreis seit 2014 nicht gewachsen ist. Gemäss Digimonitor sowie Studien von SRF und SRG zur Podcast-Nutzung hört in der Schweiz rund ein Drittel der Bevölkerung ab 15 Jahren mindestens einmal pro Monat einen Podcast.

Podcasts bleiben ein Nischenmarkt

«Der Podcast-Markt bleibt überschaubar», hält Schweizer Radio und Fernsehen SRF im «Zielbild 2025» seiner Digitalen Audiostrategie fest. In nächster Zeit, glaubt SRF, ändere sich das nicht. «Der Podcast-Markt wird auch im Jahr 2025 ein Nischenmarkt sein», steht in dem SRF-Dokument, das persoenlich.com vorliegt (siehe auch Interview mit Beat Soltermann, Leiter Radio Online und Digitales Audio bei SRF).

Bei SRF reimt sich Audio weiterhin auf Radio. Gemessen am Volumen der linearen Nutzung aller sechs SRF-Radioprogramme macht der zeitversetzte Konsum, also on demand als Stream oder via Download als Podcast, nur gerade ein bis zwei Prozent aus. Was auch heisst, dass die geringe Podcast-Nutzung die kontinuierlich erodierende Radionutzung bei Weitem nicht zu kompensieren vermag.

Vor dieser Ausgangslage hat sich SRF dafür entschieden, das Podcast-Angebot zu straffen und sich nicht noch in der Nische zu verzetteln. Weniger, dafür wirkungsstärkere Podcasts, lautet die Formel dazu. SRF will demnach Themenfelder besetzen, «die innerhalb dieses Nischenmarktes eine möglichst breite Masse erreichen können.»

Die Mehrheit der Podcasts sind Radiosendungen

Von der strategischen Straffung betroffen sind insbesondere originäre Podcasts, also Formate, die speziell für die On-Demand-Nutzung konzipiert wurden. Sie machen rund ein Zehntel des gesamten Podcast-Angebots aus. 90 Prozent der insgesamt um die 150 Podcasts sind Radiosendungen, die SRF zum zeitversetzten Hören aufbereitet und auf den eigenen Plattformen sowie bei Spotify, Apple oder Google bereitstellt.

In den Bereichen Information, Sport und Unterhaltung führt SRF sechs originäre Podcasts nicht weiter, so der Auslandpodcast «#SRFglobal» (das gleichnamige Videoformat und die Radiosendung bleiben aber bestehen), das Innenpolitikformat «Einfach Politik», den Kinderpodcast «SRF Kids Reporter». Der «4x4 Podcast» verschwindet ebenfalls. Bereits eingestellt wurde der Sportpodcast «Ufwärmrundi».

Den Wirtschaftspodcast «Trend» führt SRF als Radiosendung weiter. Mit weiteren Podcast-Einstellungen ist zudem in den Bereichen Wissen & Bildung, Gesellschaft & Kultur, sowie Fiktion und Musik zu rechnen. Für diese Gattungen liegen die strategischen Grundlagen noch nicht vor. Mit Entscheiden sei im kommenden Jahr zu rechnen, hält SRF fest.

Kein Abbau- und Sparprogramm

Mit der digitalen Audiostrategie verfolgt SRF das Ziel, den Podcast-Bereich zu stärken. Ressourcen, die bisher in eine Vielzahl Projekte geflossen sind, sollen nun fokussierter eingesetzt werden. SRF hat nicht vor, Mittel einzusparen oder Stellen abzubauen.


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KOMMENTARE

Basil Weiss
04.07.2023 16:08 Uhr
Wofür braucht man einen Podcast wie News Plus, der im Anschluss an das Echo der Zeit gesendet wird und dabei eines der bereits gehörten Themen auf eine nett gesagt "stark vereinfachte Weise" mit Haltungen statt professionellen Fakten noch einmal erzählt? Es gibt sicherlich auch hochwertige Podcasts, doch solche Erlebnisse halten von einer Nutzung ab. Da scheint eine inhaltliche Straffung nur sinnvoll.
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