11.03.2015

NZZ

"Wir wollen digital schneller werden"

Eric Gujer über seine Pläne als neuer NZZ-Chefredaktor.
NZZ: "Wir wollen digital schneller werden"

Herr Gujer, herzliche Gratulation zur Ernennung als NZZ-Chefredaktor. Wer hat Ihnen zuerst gratuliert?
Marco Färber, mit dem ich gemeinsam die Fernsehsendung NZZ-Standpunkte moderiere.

Sie treten Ihre Stelle per sofort an. Haben Sie das Chefredaktoren-Büro im zweiten Stock bereits bezogen?
Die Bürofrage ist jetzt sicher nicht das Wichtigste. Der Umzug erfolgt bei Gelegenheit.

Was wird Ihre erste grosse Amtshandlung sein?
Wir wollen digital schneller werden, wir wollen neue digitale Produkte über NZZ.at hinaus anbieten, und setzen auf Innovation auch im Print. Diese Aufgaben zusammen werden das Jahr 2015 prägen.

Welche Ressorts müssen oder dürfen unter Ihrer Führung mit den grössten Veränderungen rechnen?
Sie werden verstehen, dass Ressorts, in denen es unter Umständen Veränderungen gibt, dies nicht aus persoenlich.com erfahren sollen.

Von wem wurden Sie angefragt?
Vom Verwaltungsratspräsident Etienne Jornod und zwar nach seinem Gespräch mit Markus Spillmann.

Nach der extrem grossen öffentlichen Resonanz bei der Besetzung der NZZ-Chefredaktion: Inwiefern spüren Sie besonders hohen Erwartungsdruck?
Der Erwartungsdruck erwächst nicht so sehr aus der öffentlichen Resonanz, sondern aus dem schnellen Wandel unserer Branche. Der Druck, der hiervon ausgeht, ist tatsächlich gross. Das ist aber auch ein wesentlicher Grund, weshalb wir die Chefredaktion breiter aufgestellt haben.

Gibt es einen Sparauftrag, den Sie umsetzen müssen?
Nein. Aber klar ist auch, wir prüfen ständig, wie wir unsere Ressourcen noch effizienter einsetzen können.

Wie definieren Sie Ihre Chefredaktoren-Rolle: Werden Sie vor allem a) extern auftreten, in Talkshows und an Podien, b) sich publizistisch engagieren oder c) sich vor allem um die beste Förderung der Mitarbeitenden kümmern?
Alle drei Aufgaben ergeben zusammen eine gute Funktionsbeschreibung für die Tätigkeit eines Chefredaktors.

Und: Wie genau spricht man eigentlich Ihren Namen "Gujer" aus? Französisch?

"Gujer" Ist ein alter Zürcher Name. Die Familie stammt aus dem Zürcher Oberland - also keine französische Aussprache.

 


Dass die NZZ nicht nur online schneller werden soll, sondern auch publizistisch eine klarere Positionierung entwickeln will, erklärt Gujer im Gespräch mit "Echo der Zeit" von Radio SRF: "Die NZZ kann ihr Profil - gerade bei den Kommentaren - noch schärfen, und bei manchen Fragen deutlicher Stellung nehmen als in der Vergangenheit."

Auf die Frage, ob die NZZ denn nach rechts steuern soll, wie in letzter Zeit immer wieder diskutiert, gibt Gujer Entwarnung: "Dass der Verwaltungsrat einen Rechtskurs wünscht, ist ein Gerücht", sagt er. Etienne Jornod habe bei der Mitarbeiter-Information am Mittwoch nochmals deutlich gemacht, dass er keine politische Agenda habe, den Kurs der NZZ nicht verändern wolle, sondern sich eine unternehmerisch erfolgreiche NZZ wünscht. Gujer plädiert im "Echo" dafür, dass nach der misslungenen Kommunikation um die Neubesetzung mit Markus Somm, nun ein Schlussstrich gezogen und nach vorne geschaut werde. (eh)



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