08.05.2016

Verband Schweizer Privatradios

Kritik an Radiozahlen der SRG

Dem VSP geht die Aufschlüsselung der Radiokosten zu wenig weit.
Verband Schweizer Privatradios: Kritik an Radiozahlen der SRG

Die Transparenz-Initiative der SRG geht dem Verband Schweizer Privatradios (VSP) zu wenig weit. Die Zahlen zu den Kosten der Radios, welche die SRG am Montag veröffentlichte, würden eine grosse Lücke aufweisen, schreibt der Verband in einer Mitteilung.

Wenn man alle von der SRG veröffentlichten Kosten für die Radiosender zusammenrechne, komme man auf totale Kosten von 170 Millionen Franken, wobei die Musiksender Swiss Pop, Swiss Jazz und Swiss Classic nicht aufgeführt seien. Im Geschäftsbericht 2015 weise die SRG aber totale Kosten für die Audioproduktion von 449,3 Millionen Franken aus.

Das ergibt eine Lücke von 279,3 Millionen Franken, die nach Meinung des VSP nicht mit Streaming-, Verbreitungs- oder Urheberrechtskosten und Ähnlichem zureichend erklärt werden könne. Der VSP geht davon aus, dass die Kosten der Radiosender nicht vollumfänglich, beispielsweise mit einem angemessenen Anteil am Overhead der SRG, ausgewiesen wurden. 

Zudem bedauert der Verband, dass die Kosten für die Regionaljournale nicht separat ausgewiesen, sondern im Gesamtpaket «Information» verpackt sind. So sei es unmöglich festzustellen, mit welchem finanziellen Aufwand die SRG in den Kerngebieten der privaten kommerziellen Radios Programme mache.

Kosten im direkten Zusammenhang mit der Herstellung

Bei den Sendungskosten habe die Öffentlichkeit ein Informationsinteresse am Aufwand, der in direktem Zusammenhang mit der Herstellung einer Sendung stehe, erklärt die SRG gegenüber der «Neuen Zürcher Zeitung». Die SRG berücksichtige dabei die Ausgaben für journalistische, programm- und produktionstechnische Leistungen des Personals sowie die Kosten des Programmeinkaufs wie auch der Produktionsmittel.

Im Geschäftsbericht würden hingegen die Vollkosten ausgewiesen, also auch die Ausgaben für die Finanzen, das Controlling, das Personalwesen, die Kommunikation, die Informatik, die Archivierung und die Immobilienverwaltung. Diese Kosten könnten nicht einem Programminhalt zugeordnete werden. Beim Radio gebe die SRG die Kosten nur für die Senderketten an, weil die Journalisten in der Regel für mehrere Senderubriken arbeiteten, weshalb es schwierig sei, die Ausgaben einzelnen Sendungen zuzuordnen.

Für den VSP sind die jetzt veröffentlichten Zahlen von wenig Aussagekraft. Der VSP wünscht sich, dass insbesondere im Hinblick auf die anstehende Service public-Debatte die SRG bezüglich der Kosten ihrer Radioprogramme eine Faktenlage schafft, auf deren Basis eine sachgerechte Diskussion möglich ist. (pd)

Bild: SRF



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