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21.09.2018

SRF

Ein Abend, der an Herz und Nieren ging

Mit zwei bedrückenden Sendungen am gleichen Abend hat SRF dem Publikum viel abverlangt.
von René Hildbrand

Das war zu viel des Schweren. Am Donnerstag zur besten Sendezeit gab es bei SRF gleich zwei Sendungen, die an Herz und Nieren gingen. Der Abend startete mit dem eindrücklichen Dok-Film «Schwere Last auf schmalen Schultern» (Autorin: Helen Arnet). «Ist Mami noch da oder im Spital, wenn ich nach Hause komme?» Dieser Gedanke begleitet die Sarah in der Schule. Die 12-Jährige ist fast jede freie Minute für ihre Mutter da, die an der schmerzhaften Krankheit rheumatoide Arthritis leidet.

Wer Kinder hat, hat auch Segen. Sarah ist nur ein Beispiel von Young Carers, Minderjährige, die Angehörige pflegen. In der Schweiz sind das acht Prozent aller Kinder zwischen 10 und 15 Jahren. Die jungen Pflegenden opfern sich auf in ausweglosen Situationen, sie kümmern sich um kranke oder beeinträchtigte Eltern, Geschwister oder Grosseltern. Wenn sie nicht gerade in der Schule sind packen sie in der Familie an, wo immer Hilfe gefragt ist: Einkaufen, kochen, waschen, bei der Körperpflege helfen, Windeln wechseln, Medikamente richten, Essen eingeben, Mutterrolle übernehmen. Das sind enorme Kraftakte für so junge Menschen. Meist geschehen diese im Verborgenen. Grund: Die jungen Pflegenden wollen ihre Familien schützen und erzählen aus Scham oder Angst vor Einmischung Aussenstehender höchst selten von ihren Sorgen und Belastungen.

Starken Familien im Ausnahmezustand begegnete man – direkt nach diesem Film – auch in der ersten Folge der neuen Staffel von «Mona mittendrin». Mona Vetsch verbrachte drei Tage auf der Krebsstation des Kinderspitals St. Gallen. Die Moderatorin war unvorbereitet auf dieses Thema, so verlangt es das Konzept der Sendung. In diesem Fall fand ich das problematisch. Vetsch, selber Mutter und immer empathisch, traf in der Onkologie drei schwer kranke Buben, die eine Chemotherapie nach der anderen über sich ergehen lassen mussten. Wenn Kinder krank sind, tun sie unseren Herzen weh. Angst und Hoffnung der kleinen Patienten und ihren Familien übertrugen sich, auch die Tränen und das Glück: vier von fünf krebskranken Kindern können geheilt werden. Berührend war es zu erfahren, wie eine junge, begnadete Pflegefachfrau mit einem Andenkenbuch den Tod von Kindern verarbeitet.

Dieser TV-Abend bewegte und ging nahe. Bleibt eine Frage an die Programmplanung: Warum wurden die beiden Sendungen am selben Abend und gleich noch nacheinander ausgestrahlt? Viele Zuschauer dürften so viel bleischwere Kost kaum in ganzer Länge ertragen haben.


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