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«Rundschau»-Moderator ist ein Softie

Seit Ende August ist Dominik Meier als Nachfolger von Sandro Brotz der Neue bei der «Rundschau». Sein Start war ganz passabel (persoenlich.com berichtete). Schade, dass sich der Berner in den vergangenen drei Monaten nicht steigern konnte.

Meier agiert vor der Kamera nach wie vor angestrengt wie bei seinem Debüt. Lockerheit fehlt ihm total. Der Mann mit dem verlegenen Lächeln und dem zu engen Jacket (inzwischen ein Mode-Fauxpas) wirkt farblos, wenig selbstbewusst. Unsicher, zahm fast schüchtern. Nie spontan. Der milde Berner ist ein freundlicher und gewiss einnehmender Mensch, mit dem man jederzeit einen Lindenblütentee trinken würde. Ein Medienmann, der niemandem weh tun will. Das muss aber guter Journalismus. Auch im Fernsehen.

Nichts gegen Softies und Beckenrandschwimmer. Ich kenne viele und mag etliche von ihnen. Für die Moderation eines Polit-Magazins zur besten Sendezeit sind solche allerdings ungeeignet. Dominik Meier wirkt nicht durch die Kamera und schafft es daher auch nicht, die Menschen vor dem Fernseher zu bewegen. Auch müssen sich Moderatoren auf Sendung pudelwohl fühlen. So wirkt Meier nie. Er scheint eher zu leiden. Überhaupt: Wer ist dieser Mann? Und wo steht er, frage ich mich als Zuschauer. Neutrale Journalisten und Berichterstattung gibt es ja nicht.

Wenn in der neusten «Rundschau»-Ausgabe (in einem eigentlichen «Kassensturz»-Thema) Schweizer Kartoffeln mit deutschen Erdäpfeln verglichen werden, ziehe ich bei den Moderatoren gerne die Parallele zu den Protagonisten von zwei vergleichbaren Magazinen der Bundesrepublik. Beide produziert von der ARD. Meine Favoriten: Georg Restle, seit sieben Jahren Moderator und Leiter des ARD-Politmagazins «Monitor». Hier «kocht» der Chef noch selber. Meine erste Siegerin heisst Anja Reschke. Die Münchnerin führt seit 2001 durch «Panorama», das älteste politische TV-Magazin Deutschlands.

Restle und Reschke fallen regelmässig durch vortreffliche Moderationen, Einordungen und Kommentare auf. Beide sind charismatisch, mutig und streitbar. Kein Thema ist ihnen zu heiss. Sie rufen hitzige Diskussionen hervor. Die beiden Aushängeschilder kennen sich aus mit dem Spiel mit dem Feuer. Und riskieren trotzdem, sich mal die Finger zu verbrennen.

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Das alles fehlt in der heutigen «Rundschau» mit dem blässlichen Duo Dominik Meier/Nicole Frank. Sie befragen ihre Gäste so sanft wie unerfahrene Katecheten ihre Schüler – oder aus der Perspektive des liebenswürdigen Nachbarn. Daher vermögen sie auch nicht, das Profil der Sendung zu schärfen und für diese Reputation zu schaffen.

Im Gegensatz zu deutschen Kolleginnen und Kollegen ecken Meier und Frank nie an. Auf Grund dessen sind sie am Leutschenbach so unbestritten wie der 1. Mai. Was die Moderation betrifft, hat die Sendung keine Handschrift mehr. Mit Sandro Brotz war das noch etwas besser. Viel stärker geprägt wurde die «Rundschau» Ende der 1990er-Jahre unstreitig von Hannes Britschgi und seinen harten Interviews am «heissen Stuhl». Darüber diskutierten viele Zuschauer am nächsten Morgen am Arbeitsplatz. Das sind no Zyte gsi.

 

 


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