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SRF-«Club» versagte kläglich beim CS-Skandal

Am Dienstagabend fühlte ich mich in die 1980er-Jahre zurückversetzt. Damals hatte das Schweizer Fernsehen reihenweise Grossereignisse verschlafen. Tempi passati. Dachte man. Und jetzt das: Der Schweizer Finanzplatz wird seit einer Woche von einem Hurrikan erschüttert. Doch der SRF-«Club» pennt. Keine Überraschung, rutschen die Quoten immer tiefer in den Keller.

Wenige Tage, nachdem dilettantische Spitzel während ihrer Überwachung des Top-Managers Iqbal Khan aufgeflogen waren, nahm sich ein vermittelnder, privater Sicherheitsexperte das Leben. Schlimm genug. Seit dem Ausbruch des Skandals bei und durch die CS verlor deren Aktie rund 7,5 Prozent. Über zwei Milliarden Franken an Börsenwert wurden bereits vernichtet. Ein Ende des Milliardenschadens durch die Riesenaffäre ist nicht abzusehen. Ausserdem ist der Reputationsschaden für die Grossbank und den Schweizer Finanzplatz gigantisch.

«SRF Börse» und «Tagesschau» haben am Dienstag passabel über den enormen Bankenskandal berichtet. Nach der Nachrichtensendung gab es statt einem möglichen Bericht zum Bankenkrimi eine angegraute Folge der Polizeireihe «Der Alte». Die «10vor10»-Macher hielten Base-Jumping und Unfälle mit E-Bikes für wesentlich wichtiger als den CS-Gau. Studiogast war kein Bankenspezialist, sondern der Direktor der BfU. Die «Rundschau» vom 2. Oktober hat offenbar nicht vor, zum Bankenskandal einen Beitrag zu realisieren.

Man muss sich das einfach mal vorstellen: Wirtschaftsjournalist Lukas Hässig, der auch den neusten Bankenskandal aufgedeckt hat, ist als Einmannbetrieb mit «Inside Paradeplatz» täglich viel schneller, effizienter und besser als Hunderte von (nachbetenden) Kollegen bei Radio, TV und Printmedien.

Kommen wir zu den Schnarchnasen in der «Club»-Redaktion. Bei Barbara Lüthi wurde bis kurz vor Mitternacht zähfädig über das Thema «Gelangweilte Wunderkinder» geplaudert. Die Redaktion hätte nach der morgendlichen Medienkonferenz von CS-Präsident Urs Rohner genügend Zeit gehabt, eine Runde zum Bankenskandal zusammenzustellen. Es bringt offenbar nichts, wenn sich die Moderatorin am Schluss jeder Sendung namentlich und höflichst bei ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre (selbstverständliche!) Arbeit bedankt. Das kommt sonst – wie im «Club» weltexklusiv – nur noch in der «Arena» vor.

Respekt: TeleZüri hat es am Dienstag einmal mehr geschafft. Im «TalkTäglich»-Studio diskutierten um 18.30 Uhr lebhaft Lukas Hässig und Maurice Pedergnana, Professor für Bankenmanagement an der Hochschule Luzern. Einziger Makel: Als Gesprächsleiter hätte ich mir dringend Markus Gilli statt Hugo Bigi gewünscht. Schade: Bei Tele M1 und TeleBärn war der Talk nicht zu sehen.

Stellen wir uns mal vor, eine Schande wie bei der CS wäre über die Deutsche Bank gekommen. ARD und ZDF hätten darüber nach «Tageschau» und «Heute Journal» in 20-minütigen Sondersendungen («Brennpunkt», «Heute-Spezial») berichtet. Danach: Ob «Hart aber fair», «Maischberger», «Maybrit Illner» (alle ARD) oder «Markus Lanz» (ZDF) – die Redaktionen hätten unverzüglich Spezialisten zu dem Thema nach Köln, Berlin oder Hamburg geholt. Oder wenn nötig eingeflogen.

Für die «Club»-Redaktion war ein kurzfristiger Themenwechsel offensichtlich kein Thema. Dazu wäre halt Improvisationsfähigkeit gefragt und vor allem ein bisschen Mehrarbeit nötig gewesen. An Experten fehlte es nicht: In «SRF Börse» und «10vor10» wurde immerhin Susanne Müller Zantop befragt, CEO der Positions AG. Die kompetente Kommunikationsfachfrau hätte prima in einen «Club» über den Banken-Grossbrand gepasst, ebenso wie bei TeleZüri Lukas Hässig und Maurice Pedergnana. Oder der Wirtschaftsrechtler Professor Dr. Peter V. Kunz. Aus dem SRF-Haus Patrizia Laeri respektive Reto Lipp. Und vor allem Oswald Grübel. Der frühere CEO bei der Schweizer Grossbank kritisiert die Führung der CS seit Tagen knallhart.

Nicht nur die CS hat ein Führungsproblem. Auch der SRF-«Club». Unterschied: Tidjane Thiam ist noch nicht aus dem Schneider. Für die Leiterin des SRF-«Club» und ihre Kollegen wird das Versagen mit Bestimmtheit keine Konsequenzen haben.


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